Vegan Leben

Veganes Leben mit rein pflanzlichem Gewissen

Britta und ihre Freunde lassen sich den veganen Döner bei sommerlichen Temperaturen auf dem Dortmunder Vegan Street Day schmecken.

Britta und ihre Freunde lassen sich den veganen Döner bei sommerlichen Temperaturen auf dem Dortmunder Vegan Street Day schmecken.

Foto: Jakob Studnar

Dortmund.   Zum 10. Mal gab es den Vegan Street Day. Die fleischlose Lebensweise ist vom Exoten-Dasein weg und in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

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Ein krosses Fladenbrot, frische Zwiebeln, klein geschnittene Tomaten und Gurken, Sauce und ... würziges ... naja Fleisch – Britta beißt herzhaft rein. „Mmh lecker“, sagt die Veganerin grinsend mit vollem Mund. Es sieht aus, als würde Britta einen Döner mit Kalb- oder Hühnerfleisch essen. Doch die junge Frau verzichtet seit zwei Jahren vollkommen auf tierische Produkte. Ihr „Dönerfleisch“ ist eigentlich Seitan, ein Fleischersatz aus Weizeneiweiß. Britta und ihr Freund besuchen den Vegan Street Day, mit rund 10 000 Besuchern eines der größten veganen Straßenfeste Deutschlands. Auf dem Platz vor der Reinoldikirche und dem Friedensplatz gibt es jährlich im Sommer einen ersten Eindruck von einem Leben ohne tierische Produkte. Rund hundert Stände bieten vegane Speisen, tierversuchsfreie Kosmetik, Mode und Accessoires an.

„Radikal, militant, Spinner – 2006 als wir den Vegan Street Day zum ersten Mal organisiert haben, war die vegane Lebensweise nicht so bekannt wie heute. Es gab viele Klischees“, sagt Steffen Mohr, einer der Mitgründer. Um Veganismus bekannter zu machen und mit den Klischees aufzuräumen, organisierten Mohr und seine Kollegen von der Tierrechtsorganisation Ariwa das Straßenfest.

„,Was isst du eigentlich?’ werde ich von Leuten, die nicht vegan leben, als erstes gefragt“, erzählt Britta. Ihr Freund war überrascht, wie gut veganes Essen schmecken kann. Seit er Britta kennt, hat er seinen Fleischkonsum reduziert und angefangen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen: „Man braucht eine Person, die einen auf das Unrecht stößt.“

Auf Unrecht aufmerksam machen, das will auch Petra Mazur und zwar mit Bildern. An ihrem Stand verkauft sie Taschen, Rucksäcke und Magnetfolien fürs Auto mit Bildern von gequälten Tieren. Schwarze Kulleraugen schauen einen von einer Umhängetasche an. Darauf ein Kalb, der Kopf ist zwischen Metallstangen eingequetscht. Drumherum ist es schmutzig. Das Tier sieht elend aus. Daneben steht der Spruch: Menschlichkeit hat viele Gesichter. „Ich möchte, dass die Menschen, den Tieren in die Augen sehen. Die Bilder sollen berühren. Dann ist es nicht mehr so leicht Bärchenwurst zu kaufen“, sagt die 50-jährige Hannoveranerin.

„Das Straßenfest soll keine reine Spaßveranstaltung sein“, sagt Steffen Mohr. Deswegen gibt es auch ein Infozelt mit Vorträgen und Diskussionen. Dort geht es um Fragen wie „Was will die Tierrechtsbewegung?“ Der Verzicht auf tierische Produkte und Tierrechte gehen für viele Veganer Hand in Hand. Das hat auch Oliver feststellen müssen. Auf der Suche nach einer gesünderen Lebensweise ist er durchs Netz gesurft und sei dabei auf ein veganes Rezeptforum gestoßen. „Anfangs dachte ich noch, dass ab und zu eine Bratwurst ok ist. Die anderen aus dem Forum haben mir bewusst gemacht, dass Tiere dafür ausgebeutet werden“, sagt Oliver. Jetzt engagiert er sich und klärt andere auf. Belehren? Nein, das wolle er nicht. „Missionieren ist nicht meins. Man muss auch akzeptieren können, dass der andere noch nicht so weit ist.“ Doch wer sich an diesem Samstag auf dem Friedensplatz umsieht, merkt, dass das „Akzeptieren, dass andere noch nicht so weit sind“ vielen schwer fällt. Immer wieder begegnen einem Menschen, die T-hirts mit Sprüchen wie „Badass Vegan“ oder „Milk is for pussies and babies“ tragen. Die Grafikdesignerin Christina Lukás entwirft letztere. Design, Druck und Verkauf – alles macht sie selbst. Worin der Reiz besteht, T-Shirts mit solchen Sprüchen zu tragen? Es sei eine Mischung aus Provokation und Stolz, sagt Christina Lukás. Für Thomas Zighan sei das nichts anderes als Band-T-Shirts. „Ich zeige damit, wofür ich stehe“. Er betreibt Upcycling, macht beispielsweise aus Fahrradreifen Gürtel oder aus Zementsäcken Taschen und verkauft diese dann. Er engagiert sich bei der Gruppe Vegangebiet Ruhr, hilft mit, einen veganen Brunch oder den veganen Weihnachtsmarkt in Duisburg zu organisieren, ist Kassenwart. Was er tut, nennt er „mit gutem Beispiel vorangehen“. Das findet er wichtig. „Heute kann jeder etwas mit dem Begriff vegan anfangen. Vor fünf Jahren war das noch anders. Die Lebensweise zieht immer mehr Kreise“, sagt Thomas Zighan. Das sehe man auch daran, dass mittlerweile jeder Supermarkt vegane Lebensmittel im Sortiment habe. „Die kritische Masse ist erreicht“, freut sich der junge Mann.

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