Tournee

Die Cowboys von der Waterkant

Lagerfeuer am Hamburger Hafen: Truck Stop bringen den Wilden Westen in die Hansestadt.

Lagerfeuer am Hamburger Hafen: Truck Stop bringen den Wilden Westen in die Hansestadt.

Foto: Telamo/Christian Barz

  Seit über 40 Jahren singen Truck Stop ihre deutschen Countrysongs. Mit Klassikern und neuen Stücken geht die Kultband nun wieder auf Tournee

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„Der wilde, wilde Westen fängt gleich hinter Hamburg an, in einem Studio in Maschen gleich bei der Autobahn.“ Mit diesen Versen sangen sich sechs Nordlichter 1980 endgültig in die Herzen der Country-Fans von der Waterkant bis zu den Alpen. Und sie sicherten sich ihr Plätzchen in der Musikgeschichte: Countrysound mit deutschen Texten, das war neu und noch nie zuvor so erfolgreich. „Der wilde, wilde Westen“ belegte in den deutschen Singlecharts zwar „nur“ Platz 15, doch in Dieter Thomas Hecks „Hitparade“ schaffte es die Nummer bis ganz nach oben – und diese Auszeichnung hatte Gewicht zu jener Zeit.

Begonnen hatten die Cowboys von der Elbe bereits sieben Jahre zuvor mit ihrem musikalischen Rodeo – damals noch ganz konventionell mit englischen Texten. Vier Alben veröffentlichten Truck Stop bis 1977 in der Sprache ihrer Vorbilder Johnny Cash, Kris Kristofferson & Co. Dabei erzielten die Hanseaten in Cowboykluft durchaus Achtungserfolge – sie tourten durch Europa und traten sogar in der Londoner Royal Albert Hall im Vorprogramm von Fats Domino auf.

Mit der Muttersprache zum Erfolg

Platten wie „You Can’t Stop Truck Stop“ entpuppten sich jedoch mehr und mehr als echtes Regalblei. Der Erfolg kam schließlich mit einer gleichermaßen unkonventionellen wie naheliegenden Idee: Wieso als deutsche Countrymusiker nicht einfach in der Muttersprache singen? Ihren Namen beließen Truck Stop in Englisch („Fernfahrerrastplatz“ hätte nun auch wirklich zu steif geklungen), aber getextet wurde fortan auf Deutsch. So entstanden Verse, die sich dem Radiohörer der 1970er- und 80er-Jahre auf ewig ins Gedächtnis gebrannt haben. Unerreicht: „Morgenstund hat Gold im Mund, doch damit siehst du auch nicht besser aus“ aus „Take it easy, altes Haus“. Beim deutschen Vorentscheid zum Grand Prix Eurovision belegten Truck Stop 1979 mit der Langschläfer-Hymne den zweiten Platz. Weitere bekannte Songs aus der Truck-Stop-Frühphase waren „Ich möcht’ so gern Dave Dudley hör’n“ oder „Die Frau mit dem Gurt“.

Auch wenn die ganz große Hitparaden-Herrlichkeit für Truck Stop danach vorbei war, blieben die deutschen Countrystars stets eine Konstante in der nationalen Musiklandschaft. Da passt es, dass auch das Titelstück des Vorabend-Krimidauerbrenners „Das Großstadtrevier“ („Große Haie, kleine Fische“) von Truck Stop stammt. Stefan Raab sicherte sich die Dienste der Band 1999 schließlich für den Blödelsong „Maschendrahtzaun“ und bescherte den Norddeutschen vier Mal Gold und Platin für eine Million verkaufter Singles.

Neuanfang nach schwierigen Jahren

Ab 2012 folgen schließlich schwierige Jahre für Truck Stop: Mit Burkhard „Lucius“ Reichling und Günter „Cisco“ Bernd versterben innerhalb von zwei Jahren zwei Gründungsmitglieder. Das Ende der Band steht im Raum, mit neuen Musikern neben Urgestein Teddy Ibing am Schlagzeug geht es dennoch weiter. Und die – etwa der neue Frontmann Andreas Cisek – stellen die Weichen auch für die Zukunft auf Erfolg: Erfolgsproduzent Frank Ramond (Roger Cicero, Ina Müller) drehte für die Alben „Männer sind so“ (2015) und „Made In Germany“ (2017) an den Reglern.

Am kommenden Freitag erscheint nun das brandneue Album „Ein Stückchen Ewigkeit“, das die Band aktuell live auf ihrer Tournee vorstellt. Natürlich nicht, ohne dabei tief in ihr umfangreiches Klassiker-Repertoire zu greifen. Schließlich fängt der „wilde, wilde Westen“ immer noch hoch oben im Norden an. Und er reicht mindestens bis dorthin, wo die Menschen einen richtig guten Countrysong zu schätzen wissen.

>>>INFO: Truck Stop live: 22.3. Olsberg (Konzerthalle), 6.4. Werl (Stadthalle). Karten ab ca. 41 € gibt’s in unseren LeserLäden, unter Tel. 0201 / 804 60 60 sowie hier.

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