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Jazz-Festival auf Zollverein verspricht zugänglichen Stil

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Max Herre tritt mit WEB WEB Ensemble beim „Jazz and the City“-Festival auf. Das gemeinsame Album erschien Mitte des vergangenen Jahres.

Max Herre tritt mit WEB WEB Ensemble beim „Jazz and the City“-Festival auf. Das gemeinsame Album erschien Mitte des vergangenen Jahres.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Essen.  Bei „Jazz and the City“ am 4. und 5. Juni greifen mehr als 60 internationale Künstler in Essen zu den Instrumenten. Mit dabei ist auch Max Herre.

Langsam aber sicher läuft die Festival-Saison wieder an. Im Juli wummern die Bässe beim Elektrofestival Parookaville in Weeze. Beim Rock Hard in Gelsenkirchen können Headbanger die Matten schwingen und in Oberhausen kommt beim Olé-Festival Ballermann-Laune auf.

Dass es auch ein bisschen leiser geht, möchten die Veranstalter des „Jazz in the City“-Festivals beweisen. Am 4. und 5. Juni greifen mehr als 60 internationale Künstler auf Zeche Zollverein zu den Instrumenten und rücken die Jazz-Szene im Revier ins Rampenlicht.

Max Herre wechselt das Genre

Dass Jazz ein Nischen-Dasein fristet, ist keine Neuigkeit. Zugegeben, die Musikrichtung scheint sich dort aber auch ganz wohl zu fühlen. Schlagzeuger Stanley Crouch hat einst gar Miles Davis zum Verräter erklärt, weil dieser den Jazz zu sehr an den Mainstream heranrückte.

Auf Zollverein wagt man den Kompromiss – denn das Genre trifft zwar oft die richtigen Töne, aber eben nicht jedermanns Geschmack. „Jazz in the City“ verspricht einen zugänglichen Stil mit ganz viel Unterhaltungspotenzial. Dafür soll unteranderem ein Musiker sorgen, der nicht auf den ersten Ton in der Jazz-Szene verortet wird: Max Herre. Der deutsche Rapper und Singer/Songwriter macht mit dem WEB WEB Ensemble gemeinsame Sache – und das nicht nur für das Essener Festival.

Simon Oslender kommt mit neuem Album und Verstärkung

Kennengelernt haben sich Jazz-Pianist Roberto Di Gioia und Max Herre bei einem Auftritt von Gregory Porter, der Jazz mit Gospel und Soul mischt. Aus der zufälligen Begegnung ist ein glasklares Jazzalbum mit dem ebenso glasklaren Namen „WEB MAX“ entstanden. Songs der Platte aus dem vergangen Jahr dürften also auch am Festival-Sonntag erklingen.

Mit einem brandneuen Album im Gepäck reisen Pianist Simon Oslender, der texanische Bassist Will Lee und Schlagzeuger Wolfgang Haffner nach Essen. „Peace Of Mind“ heißt das gute Stück, das am 14. April erschienen ist. Der 24-jährige Oslender gilt als aufgehender Stern am europäischen Jazz-Himmel und hat mit Lee und Haffner zwei Routiniers verpflichtet. Letzterer spielte bereits mit Szene-Größen wie Pat Metheny und Will Lee arbeitete unter anderem mit James Brown zusammen.

Emile Parisien bringt Vorschusslorbeeren mit

Ganz oben in der Jazz-Liga spielt auch Emile Parisien. Die französische Tageszeitung Le Monde nennt den Sopransaxofonisten „das Beste, was dem europäischen Jazz seit langem passiert ist.“ – ob das Kompliment gerechtfertigt ist, davon können sich Zuhörer am Festival-Samstag selbst überzeugen. Dann tritt Emile Parisien mit dem eigens zusammengestellten Sextett „Louise“ auf, das aus amerikanischen und europäischen Musikern besteht.

Mit dabei ist unteranderem Jazztrompeter Theo Croker – Enkel des berühmten Trompeters Doc Cheatham. Der Name des Sextetts geht übrigens auf die Bildhauerin Louise Bourgeois zurück, Erfinderin der riesigen Maman-Spinnen-Skulpturen mit ihren langen dürren Beinchen.

Zwei Damen mit Durchblick

Die Flagge für die Damenwelt des Jazz halten zwei Musikerinnen am Sonntag hoch. In jungen Jahren sang Youn Sun Nah in ihrer südkoreanischen Heimat Musicals, allerdings wollte sie mehr musikalische Freiheit und zog schließlich nach Paris, um sich mit Chanson und Jazz zu beschäftigen. Stephanie Lottermoser weiß diese Freiheit ebenfalls zu schätzen und bewegt sich stilistisch zwischen Jazz, Soul, Funk und Pop. Die Wahlhamburgerin hat in dem Zusammenspiel aus Saxophon und der eigenen Stimme eine ganz eigene musikalische Sprache gefunden.

Auch wenn jeder Musiker und jede Musikerinnen den eigenen Stil mit nach Essen bringt, jazzen sie doch alle auf einer Wellenlänge. Das zweitägige Festival will ein Ausrufezeichen für die Jazz-Kultur im Ruhrgebiet setzen und zwar mit insgesamt elf Konzerten rund um den berühmten Doppelbock.

Die Infos zum Festival

Jazz in the City Summer Festival: 4.-5.6, Sa 16-22 Uhr, So 15-22 Uhr Welterbe Zollverein, Gelsenkirchener Str. 181, Essen.

Eintritt: Tagesticket 79 €, Late-Night-Ticket 39 €, 2-Tage-Ticket 119 € und „Backstage Deluxe“-2-Tage-Ticket 249 €. Karten für das Festival gibt es auf www.wir-lieben-tickets.de. Mit dem Vorteilscode „LOUISE“ erhalten Leser 10 € Rabatt.

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