Infektion

Chlamydien: Erster Impfstoff-Test ist vielversprechend

Forscher arbeiten an einer Impfung gegen Chlamydien. Bis zu einer Zulassung kann es noch Jahre dauern.

Forscher arbeiten an einer Impfung gegen Chlamydien. Bis zu einer Zulassung kann es noch Jahre dauern.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Berlin.  Chlamydien sind die häufigste sexuell übertragbare Infektion der Welt. Sie kann zu Unfruchtbarkeit führen. Eine Impfung könnte helfen.

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Eine Infektion mit Chlamydien ist die häufigste sexuell übertragbare Infektion weltweit – auch in Europa. Jedes Jahr infizieren sich Schätzungen zufolge 130 Millionen Menschen neu. Eine Infektion kann zu schwerwiegenden Erkrankungen führen, speziell bei Frauen zu Unfruchtbarkeit.

Nun zeigen Tests aus Dänemark: ein erster möglicher Impfstoff gegen das Bakterium Chlamydia trachomatis ist sicher. Das berichten Forscher im Fachmagazin „The Lancet Infectious Diseases“. Deutsche Wissenschaftler, die nicht an der Studie beteiligt waren, bewerten die Ergebnisse als positiv, rechnen jedoch frühestens in einigen Jahren mit der Zulassung eines Impfstoffes.

Chlamydien-Infektion bleibt meist unerkannt

Auch in Deutschland ist der Erreger Chlamydia trachomatis (CT) verbreitet. Jedoch gibt es hierzulande keine Meldepflicht, weshalb es nur Schätzungen zu der Verbreitung gibt. So ergab eine Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI), dass 4,4 Prozent der sexuell aktiven 17-jährigen Frauen und 4,5 Prozent der 18- bis 19-Jährigen infiziert waren. Bei den 25- bis 29-Jährigen waren es 4,9 Prozent.

Darum ist Impfen unter Eltern so umstritten

Zwar wirkt eine Behandlung mit Antibiotika meist gut, doch „das große Problem der Infektion ist, dass sie bei Frauen in etwa drei Viertel der Fälle ohne Infektionszeichen verläuft und entsprechend nicht erkannt und nicht behandelt wird“, sagt Professor Georg Häcker vom Universitätsklinikum Freiburg.

Eine Impfung vor dem ersten Sex

Gerade Infizierte ohne Symptome könnten so über Jahre hinweg weitere Personen infizieren, sagt auch Dr. Stefan Esser vom Uniklinikum Essen. „Eine Impfung gegen diese Chlamydien würde entscheidend zur Eindämmung der Weiterverbreitung von CT beitragen“ – besonders für Mädchen und Jungen vor dem ersten Sexualkontakt, sind sich Experten einig.

Für ihre Studie testeten die dänischen Wissenschaftler in einer sogenannten Phase-I-Studie wie verträglich der Impfstoff CTH522 ist und ob das Immunsystem darauf reagiert. Dazu schlossen sie insgesamt 35 gesunde Frauen in den Test ein.

Phase-I-Studien sind ein erster Test im Menschen mit meist sehr wenigen Probanden nach Versuchen am Tier. Das Ergebnis: Der Impfstoff ruft laut den Autoren eine Antwort des Immunsystems hervor und scheint gut verträglich zu sein.

Unklar, ob der Impfstoff eine Infektion verhindert

Das sagt jedoch nichts darüber aus, ob der Impfstoff tatsächlich eine Infektion mit Chlamydien und entsprechende Spätfolgen verhindern kann, betonen die Experten. „Um einen echten Schutz beweisen zu können, müssen wesentlich größere und teurere Studien durchgeführt werden“, sagt Häcker.

Jedoch steht hinter dem dänischen Impfstoffkandidaten bislang eine non-profit-Organisation, die für weitere Studien wohl einen finanzstarken Geldgeber bräuchte. Häcker rechnet bei einem optimalen Verlauf mit der Einführung eines Impfstoffs in fünf bis zehn Jahren. Bis dahin bleibt der wichtigste Schutz vor einer Ansteckung: das Kondom .

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