Epidemie

Coronavirus: So kann man ältere Menschen schützen

Anfassen ja, Küsschen nein? Experten raten älteren Menschen zu möglichst wenig Körperkontakt zu anderen Menschen.

Anfassen ja, Küsschen nein? Experten raten älteren Menschen zu möglichst wenig Körperkontakt zu anderen Menschen.

Foto: De Visu / Shutterstock / De Visu

Berlin.  Ältere Menschen sind durch die vom Coronavirus ausgelöste Erkrankung Covid-19 besonders gefährdet. Was man im Umgang beachten sollte.

In Deutschland ist mehr als ein Viertel der Bevölkerung älter als 60 Jahre. Für den Umgang mit dem neuartigen Erreger Sars-CoV-2 bedeutet das: Mehr als ein Viertel der Deutschen gehört allein aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf der vom Coronavirus verursachten Lungenerkrankung Covid-19. Besonders Menschen über 80 Jahre sind gefährdet.

Wie sollen Kinder oder Enkel damit umgehen? Wie können sie ihre Großeltern schützen, und was können diese selbst tun? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Coronavirus: Sollten Kinder oder Enkelkinder ihre alten Eltern oder Großeltern noch besuchen?

Unter Experten herrscht in dieser Frage keine Einigkeit. Grundsätzlich sollten Angehörige ihre Eltern und Großeltern auf jeden Fall noch besuchen, sagt etwa Bernd Gruber vom Deutschen Pflegerat und Hygienemanager am Marienhospital in Osnabrück. „Eine soziale Isolierung der Großeltern wäre derzeit nicht gerechtfertigt.“

Besuche bei den Großeltern seien sogar sehr wichtig, sagt auch Uwe Liebert, Direktor der Virologie an der Uniklinik Leipzig: „Denn eine gute psychische Konstitution verbessert auch die körperliche Konstitution.“ Wichtig sei es jedoch, sich an bestimmte Verhaltensregeln zu halten, wie sie etwa das Robert-Koch-Institut (RKI) empfehle, betonen die Experten.

Dazu zählen regelmäßiges, gründliches Händewaschen, Abstandhalten zu Erkrankten sowie eine gute Nies- und Hustenhygiene. „Diese Regeln gelten auch für Kinder“, sagt Gruber, „und im Übrigen gelten sie grundsätzlich, denn wir müssen ältere Menschen nicht nur vor Sars-CoV-2 schützen, sondern zum Beispiel auch vor der Grippe.“ Allein in dieser Grippesaison sind bislang mehr als 200 Menschen an Influenza gestorben.

Unterscheiden müsse man allerdings zwischen Kindern und Erwachsenen, betont Liebert. „Nach allem, was wir wissen, haben mit Sars-CoV-2 infizierte Kinder eine geringe Viruskonzentration“, sagt der Mediziner. Sie seien also wahrscheinlich nicht so ansteckend wie Erwachsene.

Erwachsene sollten nicht zu nah an ihre Eltern

Dagegen haben Erwachsene nach bisherigem Wissensstand eine höhere Viruskonzentration – auch wenn sie keine oder milde Symptome zeigen – und können den Erreger entsprechend leichter verbreiten. Für den Besuch bei älteren Menschen heißt das also: „Erwachsene sollten nicht zu nah an ihre Eltern heranrücken – besonders wenn sie selbst krank sind“, sagt Liebert. An der Stelle zählten Eigenverantwortung und ein Gefühl für den eigenen Gesundheitszustand.

Es gibt auch Stimmen, die vor einem engen Kontakt beispielsweise zu Enkelkindern abraten. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité sagte etwa dem NDR: „Die Kinder könnten zum Beispiel bis September oder Oktober nicht mehr zur Betreuung zu den Großeltern gegeben werden.“

Stattdessen könnten die Kinder für Oma und Opa einkaufen, damit diese nicht ständig in den Supermarkt müssten. Es sei jetzt wichtig, mit Eltern oder Großeltern zu sprechen und ihnen den Ernst der Lage zu vermitteln, so Drosten.

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) weist darauf hin, dass Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 das Infektionsrisiko durch allgemeine Verhaltensregeln reduzieren sollten. Dazu kann auch gehören, enge Begrüßungsrituale wie Küsschen oder Händeschütteln zu vermeiden.

Wann sollte man auf einen Besuch verzichten?

Wer Erkältungssymptome wie Schnupfen, Husten, Fieber oder Gliederschmerzen hat, sollte die Großeltern nicht besuchen, sagt Gruber. „Auch das gilt nicht nur aktuell wegen des Coronavirus“, sagt der Pflegewirt. Denn stecken sich die Großeltern dann an und später eventuell mit Sars-CoV-2, muss der Körper gegen zwei Erkrankungen kämpfen.

Feste wie den 90. Geburtstag sollten aber nicht abgesagt werden, sagt Gruber. „Solche Anlässe sind gerade für ältere Menschen wichtig.“ Hier sei auch die Verantwortung der Gäste gefragt: Wer Krankheitssymptome hat, sollte nicht zur Feier kommen.

Wie können Kinder und Enkel das Risiko einer Infektion verringern?

Soziale Unterstützungsleistungen wie Einkaufen gehen und seien sehr wichtig, sagt Gruber. „Die Gefahr einer Infektion ist im öffentlichen Raum natürlich größer. Hier können Angehörige gut unterstützen, indem sie zum Beispiel Besorgungen machen.“

Auch hier gelte: Jeder sollte dann natürlich selbst darauf achten, das eigene Infektionsrisiko zu verringern. „Das gilt übrigens auch für die Grippe“, sagt Gruber. Alle redeten derzeit von einer möglichen Impfung gegen das neuartige Coronavirus, aber: „Warum sind eigentlich nicht alle Menschen gegen Influenza geimpft?“

Wenn Menschen aus der Risikogruppe Menschenansammlungen meiden, sei das sicher sinnvoll, sagt auch Liebert – also etwa nicht Bahn fahren oder gerade zu Stoßzeiten einkaufen gehen, „aber ein Aufenthalt an der frischen Luft ist unbedingt zu empfehlen“.

Experten empfehlen zum Schutz vor Covid-19 Impfungen, etwa gegen Pneumokokken. Ist das nicht riskant?

Sorge vor einer zusätzlichen Schwächung des Immunsystems durch die Impfung müsse in der Regel niemand haben, sagt der Nürnberger All­gemeinmediziner Veit Wambach. „Unser Immunsystem arbeitet ohnehin ständig, es ist immer in Kontakt mit Keimen.“ Auch mit einer Impfung komme der Köper meist gut klar – zumal wenn es sich wie bei Pneumokokken um einen sogenannten Totimpfstoff handelt. Er enthält also abgetötete Erre­ger. Pneumokokken sind Bakterien, die schwere Lungenentzündungen auslösen können. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Pneumokokken-Impfung unter anderem allen Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken vorher.

Eine Impfung gegen Covid-19 wird es nach Angaben von Wissenschaftlern frühestens im Sommer 2021 geben. Ärzte empfehlen jedoch, sich entsprechend den Empfehlungen der Stiko impfen zu lassen – insbesondere gegen Erreger und Erkrankungen, die die Lunge schwächen und den Menschen anfälliger für einen schweren Verlauf mit Covid-19 machen würden. „Die Impfungen gegen Pneumokokken und Influenza können sehr viele Todesfälle verhindern“, sagt Allgemeinmediziner Wambach, „auch unabhängig von Corona.“

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