Hackathon

24 Stunden lang Ideen finden für die Zukunft des Reviers

Die ganze Nacht hindurch arbeiteten die Teams an ihren Ideen und Präsentationen für die Zukunft des Ruhrgebiets.Foto:RAG-Stiftung

Die ganze Nacht hindurch arbeiteten die Teams an ihren Ideen und Präsentationen für die Zukunft des Ruhrgebiets.Foto:RAG-Stiftung

Oberhausen.  Die RAG-Stiftung bat zum ersten Ruhr- „Hackathon“. Dabei erarbeiteten 87 junge Leute Konzepte, um die Region attraktiver zu machen.

Blass und erschöpft sehen die meisten aus in dem Raum, der einmal ein Kesselhaus war. Wie das so ist, wenn man die Nacht fast durchgemacht hat. Aber die knapp 90 jungen Männer und Frauen haben nicht gefeiert, sie haben gearbeitet, die Zukunft des Ruhrgebiets im Blick. Und das an einem Ort, der die Vergangenheit bewahrt. Im Rheinischen Industriemuseum in Oberhausen, wo einst die Zinkhütte Altenberg untergebracht war, hat die RAG-Stiftung zum „Hackathon“ geladen.

Kreatives Denken ist gefragt beim ersten „Hackathon“

„Ja“, sagt Werner Müller, Vorsitzender der Stiftung, „ich musste mich auch erst einmal schlau machen, was genau das ist, so ein Hacka­thon.“ Der Begriff kommt aus der IT-Branche und setzt sich zusammen aus „to hack“ und Marathon“. Es ist ein Format, mit dem man möglichst schnell neue Ideen finden können soll. In diesem Fall haben die Teilnehmer 24 Stunden Zeit, ihre Antwort auf die Frage zu geben, was zu tun ist, damit das Ruhrgebiet innerhalb von zehn Jahren für junge Menschen attraktiver wird. „Wir wollten“, sagt Stiftungssprecherin Sabrina Manz, „alle Menschen ansprechen, die kreativ denken können.“

Exakt 87 Interessenten kommen am Samstagmorgen ins Industriemuseum. Mehr Männer als Frauen sind es, viele aus dem Ruhrgebiet, überraschend viele aber auch aus dem Rest des Landes, die meisten zwischen Anfang 20 und Mitte 30, fast alle Studenten, ein paar auch Auszubildende oder Jungunternehmer. Die einen haben einen Plan und schon eine Gruppe, mit dem sie ihn umsetzen wollen, andere kommen nur mit einer Idee. Ein paar sind auch da, die „einfach mitmachen“ wollen. Am Ende reicht es, um 14 Teams zu bilden, die innerhalb eines Tages, ihre Visionen entwickeln wollen.

Im ehemaligen Kesselhaus schließen sie Laptops an, pflastern Wände mit farbigen Klebezetteln und schreiben Tafeln voll. „Noch zu tun“, „in Arbeit“ und „erledigt“ steht darüber. Es wird recherchiert, diskutiert, nachgedacht.

„Die Stimmung war gut“, zieht ein Teilnehmer am nächsten Morgen Bilanz. „Alles ging sehr kollegial zu.“ Für kurze Pausen geht es in den Ruhebereich, wo Feldbetten stehen oder in eine „Gaming Area“, in der Videospiele für Zerstreuung sorgen. Beides wird selten genutzt. 24 Stunden sind nicht viel Zeit. Da darf man nicht trödeln.

Ein Tag mit Teamarbeit, Ideenfindung und Studentenfutter

Als die Nacht anbricht, kämpfen auf den Tischen Kaffeetassen mit Energy-Drink-Dosen um den knappen Platz. Natürlich hat die Stiftung für Essen gesorgt, aber viele stillen ihren Hunger lieber mit Müsli-Regeln und, ja, Studentenfutter. Am Sonntag dann ist High Noon – ausnahmsweise erst um 13 Uhr. Vor einer siebenköpfigen Jury, zu der auch WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock gehört, haben die Gruppen in der „Elektrozentrale“ jeweils fünf Minuten Zeit. Manchmal erinnert das ein wenig an die Vox-Show „Die Höhle der Löwen“, wahrscheinlich auch, weil deren Moderator Amiaz Habtu durch das Programm führt.

Schon bei den ersten Vorträgen merkt man, dass die Hackathon-Teilnehmer die Probleme des Ruhrgebietes kennen. Mit nicht auffindbaren Freizeitangeboten haben sie sich ebenso beschäftigt wie mit der Vereinfachung von Behördengängen oder den Sorgen der kleinen Einzelhändler und Unternehmen im Revier. Um sie zu lösen, sollen die Möglichkeiten der virtuellen Welt helfen. Viele Gruppen haben Ideen für Apps entwickelt oder schlagen die Gründung von Start-ups vor. Manche aber sind auch in der realen Welt geblieben. „Die taffen Giraffen“ etwa wollen Bienkörbe aufstellen, die – unter Aufsicht von Imkern – zu Treffpunkten der verschiedenen Kulturen werden sollen, andere haben Idee für gemeinsames Wohnen und Leben.

Am Ende siegt die Gruppe „AI Ruhr“, deren fünf Mitglieder sich erst am Vortag kennengelernt haben. Sie stellen eine App vor, die bei der Wohnungssuche helfen soll. Sie zeigt nicht nur freie Wohnungen an, sie informiert auch über Infrastruktur in der Umgebung. Wo gibt es Kindergärten, wo gute Nahverkehrsverbindungen? Die fünf jungen Männer zwischen 22 und 35 Jahren dürfen sich dafür über 5000 Euro freuen.

Aber auch die Arbeit der anderen Gruppen soll nicht vergeblich gewesen sein. „Wir werden uns anschauen, welche Ideen sich möglicherweise umsetzen lassen“, sagt Werner Müller: „Es wird nichts sang- und klanglos in irgendeiner Schublade verschwinden.“

>> Info: Das Programm „Glückauf Zukunft!“

Der „Hackathon“ ist Teil des 28-Millionen-Euro-Programms „Glückauf Zukunft!“ mit dem RAG-Stiftung, RAG, Evonik und die Gewerkschaft IG BCE bis Ende 2018 viele Projekte anstoßen wollen, die das Revier nach dem Kohlebergbau thematisieren.

Der Hackathon lief unter dem Titel „#NextLevelRuhr“.

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