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Ein ziemlich perfekter Skitag im österreichischen Wagrain

Foto: Selina Flasch Photography / Selina Flasch

Wagrain  Nach dem Gondelfrühstück eine Abfahrt auf unberührter Piste mit Begleitung: Im österreichischen Wagrain wird Wintersport zelebriert.

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Die Tür geht auf – und alle so: „Wow!“ Solche Szenen kennt man aus dem Theater oder der Oper, wenn sich der Vorhang öffnet und ein überraschend opulentes Bühnenbild erscheint. Selten bis nie passiert so etwas üblicherweise beim Skifahren.

Damit soll jetzt nicht der Panoramablick über schier endlose Alpengipfel oder mächtige Gletscherzungen geschmälert werden. Es fehlt aber meistens die Tür, die den Blick auf Unerwartetes freigibt. In diesem Fall gehört sie zu einer großen Gondel, in der sonst bis zu 130 Leute von einem Berg zum anderen geschaufelt werden.

Es ist 7.30 Uhr, eine Stunde vor offiziellem Bergbahnbetriebsstart im österreichischen Wagrain. Als die Stahlelemente zur Seite gleiten, geben sie den Blick auf eine etwa vier Meter lange, herrlich gedeckte Frühstückstafel frei.

Da stehen Platten mit luftgetrocknetem Schinken und verschiedenen Käsesorten, Körbchen voll appetitlichem Gebäck, Marmelade, Butter, Honig, Tassen und Gläser für Kaffee, Orangensaft und Prosecco. Durch die leicht beschlagenen Scheiben ist die Bergkette über Wagrain im Salzburger Land zu sehen. Der Hochkönig schimmert golden-orange in den ersten Sonnenstrahlen.

Das Unterbewusstsein verknüpft mit Bergbahn eher Gedränge

Das Unterbewusstsein ist zunächst irritiert. Frühstück in der Gondel? Schließlich werden mit Bergbahnen oft ganz andere Assoziationen verknüpft. Drängelei mit bunten Skianoraks beispielsweise und die stille Hoffnung, einen Platz neben einem frisch gewaschenen Wintersportler zu ergattern.

Doch stattdessen herrscht in dieser Gondel entspannte Gastlichkeit. Der morgendliche Trubel unten im Tal ist weit weg. Für eine Stunde wird an diesem Morgen der sogenannte G-Link, der den Grafenberg (1702 Meter) und das Grießen­kareck (1991 Meter) verbindet, zum Frühstückscafé. Schnell ein paar Handyfotos von dem opulent gedeckten Tisch machen, an dem Stühle mit Fellen und Decken zum Verweilen einladen, dann heißt es: Bitte einsteigen!

Die morgendliche Gästegruppe trappelt, noch etwas verschlafen, mit Skischuhen in die Gondel. Die Skier werden am Boden abgelegt, Gondelführer Werner drückt den Knopf, und die Tür schließt sich. Mit kaum merklichem Ruckeln löst sich die zehn Tonnen schwere Kabine aus dem Gondelhaus, während die Gäste zu knackfrischen Brötchen und Croissants greifen.

Seit Ende 2017 fährt der G-Link zwischen den Mittelstationen der Grafenberg- und der „Flying Mozart“-Kabinenbahn hin und her. Doch statt mit flotten zwölf Metern pro Sekunde im Normalbetrieb gleitet die Gondel jetzt nur mit zwei Metern pro Sekunde voran. Der Kaffee soll bei diesem himmlischen Frühstück ja schließlich in den Tassen bleiben.

„Made my day“ wird in den Regionen des Ski amadé angeboten

Das Gondelfrühstück ist der Auftakt zu einem ganz besonderen Skitag, der, etwa eine Autostunde von Salzburg entfernt, unter dem Stichwort „Made my day“ in den Regionen des Verbundes Ski amadé angeboten wird. In schnelllebigen Zeiten, wo besondere Erlebnisse oft höher im Kurs stehen als der reine Besitz, setzen die Tourismusverantwortlichen auf den „Wow“-Effekt.

In Wagrain heißt das: erst das Gondelfrühstück, dann darf man als Erster auf die Piste, es gibt ein kleines Spaßrennen, bei dem auch Erinnerungsfotos gemacht werden. Wer will, leistet sich zusätzlich noch ein professionelles Fotoshooting.

Der ganze Ausflug wird von einem erfahrenen Guide begleitet, der den Skifahrern Geheimtipps und -strecken zeigt. An diesem Tag ist es Rudolf „Rudi“ Huber (55), der nach dem Frühstück mit den gesättigten, inzwischen munteren Skifahrern kurz vor halb neun Uhr zum noch völlig leeren Sessellift Grafenberg Express strebt. Kein Warten, kein Anstehen – wunderbar.

Rudi, der ehemalige Rennläufer, der in den 80er-Jahren mehrere Top-Ten-Platzierungen im Weltcup erreichte, hat ein großes Sportcenter in Wagrain, ist einer der vier Leiter der örtlichen Skischule und war lange Jahre für eine österreichische Skimarke tätig. Als „alter Hase“ kennt er nicht nur das Gebiet, sondern analysiert auch mit Profiblick das Fahrkönnen seiner Gäste.

Das Risiko auf der Piste droht meist von oben

Charmant-höflich und fokussiert wird er die Gruppe in den nächsten Stunden entspannt von Piste zu Piste „dirigieren“, Hüttenstopp inklusive. Ganz nebenbei gibt Rudi Tipps für den Skialltag. „Beim Liftanstehen immer auf der von den Ankommenden abgewandten Seite anstellen“, wird er am späten Vormittag seinem Grüppchen raten, als sich die Masse am Sonntagskogel-1-Lift drängt.

Das Risiko droht meist von oben: „Die, die nicht bremsen können, fahren einem unter Umständen sonst rein.“ Spricht’s – und keine 30 Sekunden später rumpelt einer, der sein Können völlig überschätzt hat, in die Liftschlange. Glücklicherweise gehen die kleinen Stürze im Domino-Prinzip glimpflich aus.

Doch noch ist die Masse fern. Um kurz nach halb neun Uhr erreicht die „Made my day“-Gruppe die Bergstation des Grafenberg Express. Sonne, blitzblauer Himmel. Nicht nur die Pisten sind bestens präpariert, sondern es hat auch ausreichend geschneit, um die Hänge schön weiß aussehen zu lassen. Nachdem der Bauch gefüllt ist, kommt der Heißhunger auf die Abfahrt. Und was für eine!

„First Track, also die erste Spur zu ziehen, ist einfach klasse. Es gibt nix Schöneres“, bringt es Rudi auf den Punkt. Bevor es auf die breite, mittelschwere Piste geht, macht Fotografin Selina Flasch noch ein paar Aufnahmen von den Skifahrern. Nahaufnahme mit quietschrosa Mütze oder ein bisschen Posing mit Brettln und Stöcken im Schnee, mit und ohne Helm, mit und ohne Sonnenbrille, gerne natürlich die Berge der Salzburger Sportwelt im Hintergrund.

Auf den Rillen der Pistenraupe Bögen in den Schnee fräsen

Dann, ein paar Meter weiter, stehen die Skifahrer fast andächtig vor stiller Begeisterung am Beginn der Piste. Schneekristalle glitzern in der Sonne, die reinweiße Oberfläche lockt mit verheißungsvollen, talwärts gerichteten Rillen, die die Pistenraupe in der Nacht gezogen hat. Gleich werden die Kanten der Riesenslalomski gleichmäßige Bögen in diese Konturen fräsen! Gänsehaut ... Tief durchatmen – und los geht’s!

Glücksgefühle durchströmen den Körper. Abwechselnd ein paar Kurzschwünge, dann ausholen, die Kurven weiter fassen. Dort, wo die Piste die ideale Neigung hat, gehen sich auch ein paar Carvingschwünge aus. Yippiee! Nein, wer nicht Ski fährt, wird an diesem Punkt des Textes irritiert bis mitleidsvoll den Kopf schütteln. Doch für mich ist der Tag an dieser Stelle perfekt – Wagrain, you made my day!

Alles, was später kommt, ist auch hübsch. Das kleine Rennen auf der Zeitmessstrecke und die Einkehrschwünge zur Sonnalm (schöne Terrasse), zur Auhofalm (Riesengaudi) und der Kogelalm (sensationeller und wirklich noch selbst gemachter Kaiserschmarrn). Doch es ist diese erste Spur in der Morgensonne, die im Gedächtnis bleibt.

Später an diesem Tag ist dieselbe Piste zu Schneehügeln aufgeworfen, links und rechts streben jede Menge Wintersportler talwärts. Aufpassen, dass keiner einem die Vorfahrt nimmt, Vorsicht, dass man selbst die Linien sorgsam zieht.

In der Salzburger Sportwelt findet jeder sein Fleckchen zum Skifahren

Bis mittags ist Rudi mit der Gruppe unterwegs, dann ist der offizielle Teil zu Ende. Die Gruppe genießt den sonnigen Tag und weitere Abfahrten und lässt den Tag dann nahe der Talstation der Flying-Mozart-Gondelbahn ausklingen. Fans des gehobenen Alpinstyle gehen ins Almmonte-Restaurant, Après-Ski-Gaudi gibt’s wenige Skischuhschritte weiter im „Kuhstall“.

In den nächsten Tagen ist noch genügend Zeit, sich die Gegend näher anzusehen. Skifahrerisch findet in den Orten der Salzburger Sportwelt jeder sein Fleckchen. Die Familien zum Beispiel in St. Johann-Alpendorf oder die Freestyler am Shuttleberg Flachauwinkl-Kleinarl mit Europas größtem Snowpark („Absolut Park“). Anspruchsvolle Genussfahrer lieben die Weltcupstrecke Zauchensee.

Wer einen Blick wie die Profis haben will, fährt mit einem Schrägaufzug die letzten Meter auf 2176 Meter hinauf. Dort, wo bei den Welt- und Europacupwettbewerben das Starthäuschen steht. Bloß gut, dass man sich nicht selbst von ganz oben hinunterwagen muss, der Rest der Strecke tut’s auch. Langläufer sind auf der Wanderloipe zum Jägersee richtig.

Ob Pisten-Crack oder Winterwanderer – für alle empfiehlt sich abends eine zünftige Rodeltour in Kleinarl mit Start in der Jausenstation Ennskraxn: Bei Familie Paßrugger gibt’s die besten Schweinshaxn und Rippchen mit Knödel und Kraut weit und breit! So angenehm beschwert rodelt es sich wie von selbst rund 2,5 Kilometer über eine Höhendifferenz von dezenten 230 Metern zu Tal.

Das Foto der deftigen Köstlichkeit eignet sich hervorragend für einen kleinen Facebook-Insta­gram-Post an die Daheimgebliebenen. Ins Gedächtnis aber haben sich andere Bilder eingebrannt. Erinnerungen an ein ungewöhnliches Frühstück, Pisten-Premieren-Gefühle bei Sonnenschein. Dass Letzterer nicht auf Bestellung kommt, ist vielleicht das einzige Manko.

Tipps & Informationen

Anreise z. B. Flug mit Eurowings oder Easyjet nach Salzburg, weiter mit Airport-Taxi ab 50 Euro hin und zurück (über www.salzburg-airport.com).

Unterkunft z. B. Wagrainer Hof, Ü/F ab 105 Euro, wagrainerhof.at, Tel. 0043/ 6413/8204; Appartement Knappensteig, 4 P. ab 152 Euro, www.knappensteig.com.

Auskunft Package „Link to heaven day“ für 65 Euro, über www.snow-space.com, Tel. 0043/6457/2221. Optional: Fotosession für 75 Euro, www.selinaflasch.com.

(Die Reise wurde unterstützt von Ski amadé.)

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