Sicherheit

Heimweg-Apps: So kontrollieren Eltern den Heimweg der Kinder

Unabhängig von speziellen Heimweg-Apps haben Smartphones Not-Funktionen bereits vorinstalliert.

Unabhängig von speziellen Heimweg-Apps haben Smartphones Not-Funktionen bereits vorinstalliert.

Foto: Vesnaandjic / iStock

Berlin.  Digitale Schutzengel auf dem Smartphone versprechen Hilfe, wenn der Nutzer alleine unterwegs ist. Im Test überzeugte nur ein Angebot.

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Nachts unterwegs – und ganz allein: Viele Menschen, vor allem Frauen oder Kinder, beschleicht ein mulmiges Gefühl, wenn sie ohne Begleitung in der Dunkelheit sind. Sogenannte Heimweg-Apps versprechen Sicherheit. Doch bringen die elektronischen Helfer wirklich etwas? Oder ist der Handy-Notruf besser?

Die Polizei rät, im Ernstfall gleich die 110 zu wählen – und sich sicherheitsbewusst zu verhalten. Die 16-jährige Lisa war bei einer Freundin, es ist spät geworden. Beim Nach-Hause-Gehen fühlt sie sich plötzlich beobachtet. Sie wird unruhig, läuft schneller und greift zum Smartphone, um notfalls Hilfe zu rufen.

Heimweg-Apps: Nur eine von vier Anwendungen wird empfohlen

Aber wer kann rasch kommen, falls es brenzlig wird? Für solche Situationen sind Heimweg-Apps gedacht. Deren Grundprinzip: Sie halten ständigen Telefon- und GPS-Kontakt zu einem virtuellen Begleiter, der in Notfällen eingreifen kann.

Das vom Bundes-Verbraucherministerium finanzierte Portal Mobilsicher.de hat vier bekannte Heimweg-Apps aktuell untersucht. Nur eine davon – die kostenlose Anwendung WayGuard – wird empfohlen. Begründung: „WayGuard bietet einen 24-Stunden-Begleitservice für den Heimweg und beschäftigt dazu ein eigenes Team.“

Datenschutzbestimmungen nicht tadellos

Daher müssten nicht immer Freunde gebeten werden, als Kontakt zu fungieren, erklärt Mobilsicher-Expertin Inga Pöting. Für nicht tadellos, aber akzeptabel halten die Prüfer die WayGuard-Datenschutzbestimmungen.

Die drei anderen Angebote fallen aus unterschiedlichen Gründen durch. Als „praktisch, aber nicht sehr sicher“ bewertet das Testportal die App Glympse. Der Standort des Nutzers könne leicht ohne dessen Wissen an Dritte weitergegeben werden, lautet ein Kritikpunkt. Außerdem speichere der Anbieter Daten auch über die Kontaktperson. Ein Glympse-Vorteil: Der virtuelle Begleiter muss die App nicht ebenfalls installieren.

Kein gutes Haar lässt Mobilsicher an den Apps Vivatar („Teurer Dienst mit Funktionsschwächen“) und KommGutHeim („Veraltet und dysfunktional“). Große Prüfinstitutionen wie Stiftung Warentest oder Ökotest haben Heimweg-Apps bislang nicht untersucht.

So funktionieren die Heimweg-Apps

Wann immer gewünscht, steht die App-Nutzerin oder der App-Nutzer auf dem Heimweg in Verbindung mit dem WayGuard-Team oder einem persönlich befreundeten Kontakt. Löst sie oder er die Notfunktion aus, kennt diese Kontaktstelle den jeweiligen Standort per GPS-Anzeige und kann Hilfe organisieren, das heißt bei Bedarf Polizei oder Rettungsdienst alarmieren.

Aufrollbare Fernseher und faltbare Smartphones
Aufrollbare Fernseher und faltbare Smartphones

„Das ist noch ein bisschen genauer, als wenn die Polizei selbst versucht, über Mobilfunk zu orten“, erklärt Expertin Pöting. Dass der Versicherer AXA hinter dem Angebot steht, beurteilt Mobilsicher.de als hinnehmbar: „Marketing, von dem alle profitieren“, lautet die Einschätzung. Erhältlich ist die App für Android und iOS.

Kriminalexperten winken in puncto Sicherheit ab: „Spezielle Apps für einen sicheren Heimweg sind kein Ersatz für sicherheitsbewusstes Verhalten und das Verständigen der Polizei“, sagt Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart.

Alternativen zu Heimweg-Apps

Er betont: „Die Betreiber sämtlicher angebotener Heimweg-Apps müssen die Polizei vor Ort verständigen.“ Das sei „vielleicht ein bisschen mit der ,stillen Post‘ zu vergleichen“, meint Kriminaloberrat Schmidt.

Eine Alternative zu Heimweg-Apps sind Not-Funktionen am Mobilgerät. Sowohl für Android (ab Version 5.0) als auch iOS (ab Version 11) gibt es einen vorinstallierten SOS-Schnell-Notruf zum Anfordern rascher Hilfe.

Das Problem hierbei: Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Verivox-Vergleichsportals würde nur rund jeder siebte Mobilfunkkunde (15 Prozent) diese Möglichkeit im Ernstfall nutzen – vermutlich aus Unkenntnis.

So funktioniert das SOS bei Android und Apple

72 Prozent bevorzugen die manuelle Wahl des Notrufs – und der Rest würde erst in der Kontaktliste nach der Nummer suchen oder weiß gar nicht, wie er mit dem Handy einen Notruf absetzen kann. „So geht wertvolle Zeit verloren“, warnt Verivox-Telekommunikationsexperte Eugen Ostasch.

Der sogenannte Notfallassistent bei Android wird durch dreimaliges schnelles Drücken des Hauptschalters gestartet. Er schickt dann eine SOS-Nachricht mit Fotos oder Audio-Nachrichten an zuvor hinterlegte persönliche Notfallkontakte. Das Einrichten des Assistenten erfolgt über die Systemeinstellungen.

iPhone-Besitzer erreichen mit der Funktion Notruf-SOS direkt den Rettungsdienst. Haben sie persönliche Notfallkontakte angegeben, geht auch dort eine SOS-Nachricht hin, die Standortdaten inklusive. Tipps zum Einrichten der Funktion gibt Apple unter https://apple.co/34CWBNf. Dort sind auch Notrufvarianten für ältere iPhones aufgeführt.

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