Technik

Im Test: So gut sind die Lite-Smartphones teurer Hersteller

Googles Pixel 3a (Mitte) ist ein Tipp. Doch auch das Huawei P30 Lite (oben links), das Samsung Galays S10e und das Lenovo Moto G7 Plus haben ihre Stärken.

Googles Pixel 3a (Mitte) ist ein Tipp. Doch auch das Huawei P30 Lite (oben links), das Samsung Galays S10e und das Lenovo Moto G7 Plus haben ihre Stärken.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin  Viele Smartphone-Hersteller bieten abgespeckte Varianten ihrer Flaggschiffe an. Das Google Pixel 3a und das Huawei P30 Lite im Test.

Smartphones werden von Jahr zu Jahr leistungsfähiger – und teurer. Bei Preisen von mittlerweile 1000 Euro und mehr ist für viele Verbraucher aber die Schmerzgrenze erreicht. Um diese dennoch zu erreichen, bieten fast alle großen Anbieter mittlerweile auch Geräte an, die ebenfalls den Namen des Flaggschiffs tragen, durch einen Zusatz aber als abgespeckte Variante erkennbar sind.

Doch sind diese Geräte Schnäppchen mit Oberklassefunktionalität oder Aufschneider mit großem Namenszug und wenig Leistung? Wir haben zwei seit gestern erhältliche Vertreter dieser Gruppe vorab getestet – das Pixel 3a (399 Euro) und das Huawei P30 Lite (369 Euro).

Die Smartphones aus Googles Pixel-Reihe zählen seit fast drei Jahren zu den festen Bestandteilen von Handy-Bestenlisten. Mit dem Pixel 3a kündigte Google am Dienstagabend auf seiner Entwicklerkonferenz i/O in Kalifornien erstmals ein Mittelklassegerät an, das ebenfalls den Namen Pixel trägt.

Mit 399 Euro kostet das Gerät im 5,6-Zoll-Format – das Pixel 3a XL mit 6-Zoll-Display kostet 479 Euro – nicht einmal die Hälfte der Summe, die Google für das Pixel 3 verlangt (849 Euro). Trotzdem wurde beim neuen Gerät erstaunlich wenig gestrichen. Zwar müssen Kunden auf kabelloses Laden verzichten und sich mit einem langsameren Mittelklasseprozessor (einem Snapdragon 670) anfreunden. Auch müssen Nutzer mit 64 Gigabyte Speicher auskommen – eine Erweiterungsmöglichkeit fehlt.

Viel wichtiger ist aber, was bleibt: Google verbaut im kleinen Pixel 3a genau dieselbe rückwärtige Kamera wie im Pixel 3 und bietet auch dieselben Bildoptimierungsfunktionen wie das teurere Gerät. Auch wird weiterhin ein OLED-Display verbaut. Ein Detail ist sogar dazugekommen: Im Pixel 3a gibt es einen 3,5-Millimeter-Anschluss für Kopfhörer, der bei den modernen Geräten mittlerweile häufig fehlt.

Leistung: Im Alltag fühlt sich das Gerät nicht wie Mittelklasse an: Egal ob man sich durch die Menüs wischt, Apps startet oder im Netz surft: Das alles klappt schnell und zügig. Selbst grafisch aufwendige aktuelle Spiele wie „The Elder Scrolls – Blades“ laufen flüssig auf dem Gerät.

Die Kamera ist hervorragend: Obwohl der 12.2-Megapixel-Sensor auf dem Papier wenig beeindruckend aussieht, leistet Googles Optimierungssoftware Erstaunliches. Die Fotos sind scharf und kontrastreich, auf Porträtaufnahmen gelingt die Trennung von scharfem Vorder- und unscharfem Hintergrund ausgezeichnet. Zudem sorgt der Nightmode selbst bei schummriger Beleuchtung oder Dunkelheit noch für beachtlich gut belichtete Bilder.

Fazit: Die Kamera des Pixel 3 für knapp unter 400 Euro – das allein ist schon ein Kaufargument für Googles neues Mittelklasse-Handy. Das Gesamtpaket stimmt, aktuell gibt eigentlich keinen wichtigen Anwendungsfall, für den man das teurere Pixel 3 benötigen würde. Allerdings ist das natürlich längst im Preis gefallen. Derzeit bekommt man das Flaggschiff im Netz bereits für 530 Euro. Wer 130 Euro zusätzlich ausgeben kann, sollte dies erwägen, denn die spürbar höhere Prozessorleistung gibt mehr Spielraum für die Zukunft.

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Huawei führt mit seinem technisch aufwendigen P30 Pro gerade etliche Smartphone-Bestenlisten an. Das liegt unter anderem auch an der komplexen Vierfach-Kamera, die sogar einen optischen Fünffach-Zoom integriert. Die sensationelle Kamera muss allerdings mit rund 1000 Euro bezahlt werden. Eine Alternative kann das P30 Lite sein, das seit Mittwoch offiziell erhältlich ist.

Anders als bei Google wurde hier die komplizierte Kamera-Hardware des teuren Vorbilds spürbar beschnitten. Der Time-of-Flight-Sensor, der die Entfernung von Objekten ausmisst, wurde komplett gestrichen, statt des beeindruckenden Fünffachzooms steckt nur eine zweifache Zoomlinse im Gerät. Und die Kamerasensoren haben insgesamt eine niedrigere Auflösung. Huawei verbaut hier seinen eigenen Mittelklasseprozessor, den Kirin 710. Der Speicher ist mit 128 Gigabyte sehr großzügig für die Mittelklasse und lässt sich zudem per MicroSD-Karte um bis zu 512 Gigabyte erweitern.

Leistung: Auch beim P30 Lite merkt man bei typischen Alltagsanwendungen nichts vom schwächeren Prozessor, auch wenn es im direkten Vergleich einen Wimpernschlag langsamer beim Öffnen von Webseiten im Internetbrowser ist. Anders sieht es bei der Grafikleistung aus. Die ist erheblich schwächer als beim Google-Gerät. „Elder Scrolls Blades“ etwa lässt sich gar nicht erst starten, wer mehr als „Candy Crush“ auf seinem Smartphone spielen möchte, sollte besser auf ein anderes Gerät setzen.

Dafür macht die Dreifach-Kamera sehr gute Bilder. Insbesondere die Wahl zwischen Zoom und Weitwinkel bieten sonst nur die teuren Top-Geräte. Dem Vergleich mit den Bildern des P30 Pro hält das günstigere Gerät jedoch nicht stand – auch dem Vergleich mit den Bildern des Pixel 3a nicht. Innerhalb der Mittelklasse sind die Ergebnisse jedoch ausgezeichnet.

Fazit: Das P30 Lite ist ein schickes Mittelklassegerät, das für die meisten Nutzer ausreichend Leistung und eine im Preissegment hervorragende Kamera bietet. Zudem könnten der zusätzliche Weitwinkel und das Zoomobjektiv nicht wenigen Nutzern im Alltag wichtiger sein als die insgesamt bessere Bildqualität des Pixel 3a.

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Wer maximal 300 Euro fürs neue Smartphone bezahlen will, liegt mit dem Lenovo Moto G7 Plus (ab 270 Euro) richtig. Es ist zwar etwas langsamer als das Pixel 3a und das P30 Lite, bietet im Alltag aber noch ausreichend Leistung. Eine insgesamt gute Ausstattung und die ebenfalls gute Doppelkamera machen dieses Gerät zu einem risikofreien Schnäppchen.

Wer nur schweren Herzens und vor allem des Preises wegen kein Flaggschiff-Smartphone kauft, sollte sich das Samsung Galaxy S10e (ab 600 Euro) anschauen. Im Vergleich zu den drei anderen Modellen ist es zwar spürbar teurer, dafür aber auch eigentlich ein Oberklassegerät. Zum einige Hundert Euro teureren Schwestergerät S10+ fehlt nur die Dreifachkamera und der ins Display integrierte Fingerabdrucksensor. Darüber hinaus erhält man für einen angemessenen Preis eines der schnellsten Smartphones auf dem Markt mit toller Kamera und umfangreicher Ausstattung.

(Jan Mölleken)

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