Pandemie

Biontech, Moderna, Curevac: So funktionieren mRNA-Impfstoffe

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Curevac: Weiterer Impfstoff Made in Germany

Curevac: Weiterer Impfstoff Made in Germany

Neben Biontech steht mit Curevac ein weiteres, deutsches Unternehmen vor der Impfstoffzulassung. Stimmen aus der Politik fordern bereits eine Notfallzulassung für das mRNA-Präparat gegen Coronaviren, das derzeit abschließend klinisch geprüft wird.

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Berlin.  Die Corona-Impfstoffe von Biontech, Morderna und Curevac sind mRNA-Vakzine. Wie genau wirken sie und wie effektiv sind die Präparate?

  • Im Kampf gegen die Corona-Pandemie setzt Deutschland unter anderem auf die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna
  • Die Vakzine sind genbasierte Impfstoffe und werden auch mRNA-Impfstoffe genannt
  • Wie funktionieren diese Präparate? Wir haben die wichtigsten Infos zur Wirkungsweise zusammengefasst

Es ist eine ganz neue Art von Impfstoff, die die Unternehmen Biontech/Pfizer und Moderna gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 auf den Markt gebracht haben: mRNA-Impfstoffe. Mit Curevac könnte bald ein weiteres Mittel der Bauart zugelassen werden. Wie funktionieren die Präparate? Und wirken sie besser als herkömmliche Vakzine? Wir beantworten die wichtigsten fragen. Lesen Sie auch: Biontech, Moderna, Astrazeneca – Die Impfstoffe im Vergleich

Corona-Impfstoff: Was bedeutet mRNA und wie ist die Wirkungsweise?

Bei dem Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und dem noch nicht zugelassenen Curevac handelt es sich um sogenannte genbasierte Impfstoffe, auch mRNA-Impfstoffe genannt. Dabei erhält der Körper genetisches Material des Virus, eine Art Bauplan in Form von RNA für den Bau von Virusteilen, sogenannten Virusproteinen. Auf diese Virusproteine reagiert dann das Immunsystem – etwa mit der Bildung von Antikörpern.

Corona-Impfung - Mehr zu den Impfstoffen:

Die Funktionsweise der Vakzine ist gleich: Nach der Impfung stellt der Körper das sogenannte Spike-Protein her, das an der Oberfläche des Virus sitzt und mit dessen Hilfe es in die Körperzellen eindringt. Bei den Präparaten handelt es sich um Totimpfstoffe, es werden also keine Viren übertragen.

Lesen Sie hier: Alle wichtigen Fragen und Antworten zu den Corona-Impfstoffen und der Impfung.

Auch die Wirksamkeit ist bei den Vakzinen ähnlich. Der Impfstoff von Biotech/Pfizer hatte in klinischen Studien eine Wirksamkeit von 95 Prozent, sieben Tage nach der zweitem Dosis. Bei Moderna waren es 94,1 Prozent – gemessen 14 Tage nach der zweiten Dosis. Lesen Sie hier: Corona: Wann gilt ein Impfstoff eigentlich als "wirksam"?

Impfstoff von Biontech und Moderna – Wie lange hält die Wirkung an?

Da die Impfstoffe in Rekordzeit entwickelt und kurz nach der Zulassung bereits eingesetzt wurden, gibt es noch keine Langzeitstudien zur Wirksamkeit der Präparate. Eine Studie des kalifornischen La-Jolla-Instituts für Immunologie lässt jedoch vermuten, dass es einige Monate sein könnten.

Bei mit dem Coronavirus infizierten Probanden waren noch fünf Monate nach dem Einsetzen von Symptomen Antikörper und auch T-Zellen nachgewiesen worden. Das heißt: Bei Impfstoffen, die eine Immunreaktion hervorrufen, könnte die Antikörper-Antwort noch besser sein als bei einer natürlichen Infektion.

Welche Nebenwirkungen gibt es bei den mRNA-Impfstoffen?

Die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna haben ähnliche Nebenwirkungen. Dazu zählen etwa Schmerzen an der Einstichstelle, ein allgemeines Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Schwindel, Hautreizungen und Magen-Darm-Beschwerden. Auch allergische Reaktionen können nicht ausgeschlossen werden, treten aber nur in sehr seltenen Fällen auf. Mehr zum Thema: Das sind mögliche Nebenwirkungen der Corona-Impfung

Die Nebenwirkungen unterscheiden sich nicht stark von denen anderer Impfungen, etwa der Grippeschutzimpfung. "Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass der Beobachtungszeitraum für relevante Impfnebenwirkungen noch zu kurz ist", sagt Leif-Erik Sander von der Charité.

Erste Beobachtungen aus Studien deuten darauf hin, dass die Nebenwirkungen von Curevac ähnlich sind, wie Studienleiter Professor Peter Kremsner von der Uni Tübingen gegenüber n-tv sagte.

Mehr zum Thema: So viele Menschen wurden in Deutschland gegen Corona geimpft – Interaktive Anwendung

Biontech und Moderna: Warum ist die Bereitstellung so schwierig?

Ein mRNA-Impfstoff bringt Besonderheiten mit sich: Die RNA kann kaputt gehen, wenn sie zum Beispiel warm wird. Deswegen ist für die Aufbewahrung und den Transport eine sehr gute Kühlkette notwendig. Das Präparat von Moderna muss -20 Grad transportiert und gekühlt, das Vakzin von Biotech/Pfizer sogar bei -70 Grad.

Auch bei der Nutzung gibt es Besondersheiten. Der Moderna-Impfstoff ist nach dem Auftauen 30 Tage bei Kühlschranktemperatur und sogar zwölf Stunden bei Raumtemperatur stabil. Das Biontech/Pfizer-Präparat kann der "Pharmazeutischen Zeitung" zufolge zwei Wochen bei -25 bis -15 Grad gelagert werden - also bei "normalen" Gefrierschranktemperaturen. Aufgetaut hält sich das Vakzin demnach 120 Stunden bei Temperaturen von zwei bis acht Grad.

Curevac: Wann kommt der dritte mRNA-Impfstoff?

Das Vakzin des Tübinger Unternehmens Curevac könnte in den kommenden Wochen von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen werden. Das Unternehmen selbst rechnet mit einer Zulassung im Juni.

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