Fastenzeit

Ramadan: Probleme im Unterricht, weil mehr Schüler fasten

Wenn Schüler schon in jungem Alter fasten, hat das Einfluss auf ihre Leistungsfähigkeit in der Schule.

Wenn Schüler schon in jungem Alter fasten, hat das Einfluss auf ihre Leistungsfähigkeit in der Schule.

Foto: dpa

Essen.  Der Fastenmonat Ramadan hat begonnen. Dass häufiger auch Grundschüler fasten, sehen Lehrer kritisch. Ein Kinderarzt warnt vor zu strengen Regeln.

Der Fastenmonat Ramadan hat am 16. Mai begonnen. Das bedeutet für etwa 1,5 Millionen Muslime in NRW von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang unter anderem auf Essen, Trinken, Sex und Rauchen zu verzichten. Vom Fastengebot sind Kinder, Schwangere, alte und schwer körperlich arbeitende Menschen ausgenommen.

Der Ramadan fällt in diesem Jahr in die Prüfungsphase an den Schulen in NRW. Nach Beobachtung des Deutschen Lehrerverbands nehmen viele muslimische Schüler das Fasten „inzwischen sehr ernst“. Dies könne an Schulen, die viele Schüler mit Migrationshintergrund unterrichten, zu Problemen im Schulalltag führen, beklagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger gegenüber „Welt Online“.

Ramadan in Verbindung mit Hitzewelle war Auslöser der Debatte

„Das Gefühl, dass immer mehr Schüler und auch Grundschüler fasten, ist vor zwei Jahren aufgekommen. Denn da wurde der Ramadan von einer längeren Hitzewelle begleitet und es kam häufiger zu Schwächeanfällen an Schulen als zuvor", erklärt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) dieser Redaktion.

Lehrer hätten in den vergangenen Jahren auch davon berichtet, dass jüngere Schüler die Älteren und ihre Eltern nachahmen und deshalb ebenfalls am Tag nichts essen und trinken. Der VBE forderte jetzt, dass Grundschulkinder gar nicht fasten sollten. „Wir akzeptieren die Ausübung religiöser Pflichten. Grundschulkinder jedoch müssen nicht fasten, und sie sollten es auch nicht", meint Beckmann.

Fürsorgepflicht der Lehrer

Umgekehrt entstünde auch der Eindruck, „dass sich die älteren Schüler, angehalten von ihren Eltern, ebenfalls vermehrt am Ramadan beteiligen.“ Großen Einfluss darauf hätte der jeweilige Imam. „Tolerante Imame verweisen eher darauf, dass es diese Ausnahmen beim Fasten gibt", so Beckmann.

Der VBE-Bundesvorsitzende findet, die Schulen sollten daher klar sagen, dass der Koran auch Ausnahmen zulässt. Zum Beispiel wenn wichtige Prüfungen anstünden. Umgekehrt können die Schulleitungen den Schülern das Fasten ermöglichen, indem sie sie „von einzelnen schulischen Veranstaltungen, wie zum Beispiel einem Sportfest, freistellen".

Beckmann verweist zudem auf die Aufsichts- und Fürsorgepflicht der Lehrkräfte: „Wenn jemand feststellt, dass eine Schülerin oder ein Schüler trotz Konzentrationsschwäche, Dehydrierung oder Erschöpfung nicht isst oder trinkt, müssen die Eltern verständigt werden, damit sie das Kind abholen." In Notfällen solle man den Schulsanitäter oder den Notruf verständigen.

Kinder sollten noch nicht so fasten wie Erwachsene

Der Düsseldorfer Kinderarzt Herrmann Josef Kahl warnt davor, das Fasten bei Kindern unter 14 Jahren zu streng durchzusetzen. „Kinder haben einen großen Bewegungsdrang und benötigen deshalb auch mehr Flüssigkeit." Fehlt ihnen diese Flüssigkeit, könne das zu Kreislaufproblemen führen. Also niedriger Blutdruck, Übelkeit und natürlich Konzentrationsschwierigkeiten. Kahl empfiehlt deshalb, bei Kindern mit den Fastenregeln nicht so streng zu sein.

Bei Jugendlichen ab 14 Jahren, die gesund sind, könnten am besten die Eltern entscheiden, ob ihr Kind fastet oder nicht. „Dabei sollte man auch immer die Temperaturen bedenken. Je wärmer es draußen ist, desto riskanter ist der Verzicht aufs Essen und Trinken", so Kahl.

Beckmann appelliert daher an die Vernunft aller Beteiligten: „Die Schüler sollten sich nicht unnötig in Drucksituationen bringen; obwohl es für sie die Möglichkeit gibt, am Ramadan nicht teilzunehmen, wenn Prüfungen anstehen.“ (mit dpa)

Leserkommentare (43) Kommentar schreiben