Gesundheit

So kann man Blasenentzündungen verhindern und behandeln

Blasenentzündungen treten oft nach dem Schwimmbadbesuch auf.

Blasenentzündungen treten oft nach dem Schwimmbadbesuch auf.

Foto: iStockphoto/AleksandarNakic / iStockphoto

Berlin  Vor allem Frauen leiden unter Blasenentzündungen. Antibiotika sind bei der Therapie nicht immer das Mittel der Wahl, sagen Urologen.

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Einen Moment zu lange mit dem nassen Badeanzug im kühlen Wind gesessen, und schon ist es passiert: Beim Wasserlassen brennt und juckt es, man „muss“ immer häufiger und es kommen doch nur ein paar Tropfen, in die sogar etwas Blut gemischt sein kann.

Eine Blasenentzündung hat sich im Körper breitgemacht, dessen Immunsystem durch die Unterkühlung geschwächt ist. „Wenn die Blasenschleimhaut dadurch empfindlich geworden ist, dann finden Bakterien ein gutes Umfeld, um sich zu vermehren“, erklärt Mohammed Al-Shurbaji die Hintergründe. Der frühere Oberarzt ist heute niedergelassener Urologe in Mülheim an der Ruhr und kümmert sich intensiv um eine angemessene Behandlung von Blasenentzündungen – denn er weiß, wie seine Patientinnen darunter leiden.

Betroffen sind nämlich meistens Frauen, weil ihre Harnröhre nur rund drei Zentimeter lang ist. Deshalb ist es vor allem für Darmbakterien mit Namen Escherichia coli leicht, auf diesem kurzen Weg in die Blase vorzudringen und sie zu reizen. Die Techniker Krankenkasse (TK) untermauert dies mit Zahlen: Über die Hälfte aller Frauen erkrankt mindestens einmal im Leben an einem Harnwegsinfekt (Zystitis). Wiederum die Hälfte aller Frauen, die eine akute Blasenentzündung hatten, bekommt innerhalb eines Jahres eine weitere Infektion.

Auch Jungen und ältere Männer sind betroffen

Vor allem Blut im Urin macht den Frauen Angst, die in die Sprechstunde von Mohammed Al-Shurbaji kommen – meist kann der Arzt beruhigen. Denn die akute Entzündung heilt nach einigen Tagen Behandlung ab. Und nur wenn dann noch Blutspuren bleiben, kann ein Blasenkrebs die Ursache sein. Mit Inkontinenz hat eine Blasenentzündung im Übrigen nichts zu tun, erklärt Al-Shurbaji. Der Unterschied sei leicht erklärt: „Dann muss man plötzlich schnell rennen und hat nicht dieses immer wiederkehrende, schmerzhafte Gefühl des Wasserlassens“, sagt der Urologe.

Nicht nur der nasse Badeanzug kann eine Ursache für eine Blasenentzündung sein. Kinder bekommen Blasenentzündungen, weil sie noch nicht wissen, dass sie sich auf der Toilette die Darmbakterien nicht in den vorderen Intimbereich reiben sollen. Mädchen halten vor lauter Scham den ganzen Tag über den Urin ein und schaffen so ein Umfeld für Infektionen in der Blase.

Bei Jungs kann eine Fehlbildung der Harnröhre oder eine Störung des Verschlussmechanismus der Grund sein – der Urin fließt in die Blase zurück und dort verbreiten sich Bakterien. Bei älteren Männern geschieht Ähnliches, weil sich ihre Prostata stark vergrößert hat. Die Blase kann nicht richtig entleert werden, und ein Rest Harn bleibt im Körper. Landet der Urin in einer Vorlage, weil jemand inkontinent ist, und wird diese nicht rechtzeitig gewechselt, dann kann die Infektion auch von dort kommen.

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Durch Antibiotika entstehen schnell Resistenzen

Dieser mangelnden Hygiene steht aber auch die übertriebene als Ursache gegenüber: „Vor allem ältere Frauen versuchen, mit ausgiebiger Reinigung etwas gegen die wiederkehrenden Entzündungen zu unternehmen, und stören so erst recht die empfindliche Scheidenflora“, sagt Alexander Göll, Leitender Oberarzt der Klinik für Urologie und urologische Onkologie am Alfried Krupp Klinikum Essen-Steele. Dabei bedürfen die Schleimhäute jenseits der Wechseljahre besonderer Pflege, weil sie durch hormonelle Veränderungen dünner und trockener werden. „In solchen Fällen kann eine Hormonsalbe hilfreich sein, die nur an der Scheidenschleimhaut wirkt und sie festigt“, erklärt Göll.

Er und sein Kollege Al-Shurbaji treten dafür ein, Patienten mit Blasenentzündung nicht einfach nur ein Antibiotikum zu verschreiben – denn so entstehen schnell Resistenzen. „Bei einem akuten Fall sollte erst einmal eine Bakterienkultur angelegt und über 24 Stunden beobachtet werden“, sagen die Urologen übereinstimmend. Idealerweise wird der Urin dafür über einen Katheter entnommen. Anhand der Zahl und Art der Bakterien bestimmen die Experten, ob ein Antibiotikum notwendig ist und welches wirksam sein kann.

„Manchmal muss aber auch gar keines eingenommen werden, wenn die Betroffene viel trinkt und dazu Präparate mit einem Extrakt aus Beerentraubenblättern oder Senföl einnimmt“, führt Al-Shurbaji aus. Zu einer ausführlichen Urindiagnostik gehört für ihn auch eine Ultraschalluntersuchung der Blase und der Nieren, um festzustellen, ob es Nierensteine gibt. Kehrt die Entzündung immer wieder, muss die Harnblase gespiegelt werden (Cystoskopie) – so stellt der Fachmann eine Harnröhrenverengung oder einen Blasenstein fest.

Al-Shurbaji macht gute Erfahrungen damit, Frauen zu impfen, die alle paar Wochen mit Entzündungen zu kämpfen haben. Innerhalb von drei Wochen wird ein Wirkstoff aus fünf abgetöteten Keimen dreimal in die Muskulatur gespritzt. Dadurch werde das Immunsystem gestärkt – und ein Jahr lang könnten Infektionen ausbleiben, bis die Impfung wieder aufgefrischt werden muss. Den Wirkstoff müssen Patienten selbst zahlen, er kostet rund 110 Euro beim ersten Mal, rund 45 Euro bei der Wiederholung.

Eins sollte man auf keinen Fall tun: abwarten

Alexander Göll rät ergänzend: Zur Vorbeugung eine Wasserflasche auf den Schreibtisch stellen, damit man ans Trinken denkt. Und es gibt noch weitere Möglichkeiten, Blasenentzündungen zu verhindern. Das gilt zum Beispiel für diejenigen, die sich nach dem Geschlechtsverkehr entwickeln. „Duschen oder zur Toilette gehen kann das anschließende Aufsteigen der Bakterien im Körper verhindern. Wir können aber auch ein Pulver verschreiben, welches das Immunsystem stärkt“, erläutert Urologe Alexander Göll.

Eins sollte man auf keinen Fall tun: abwarten. Denn eine unbehandelte Blasenentzündung kann sich bis in die Nierenbecken ausbreiten, Fieber und Schüttelfrost sind die Folge. „Sogar eine Blutvergiftung ist möglich“, warnt Göll, der schon mancher Patientin mit einer Nierenbeckenentzündung über drei Tage hinweg Antibiotika in die Vene träufeln lassen musste.

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