Weihnachtsmarkt

So scharf achten Weihnachtsmarkt-Betreiber auf Hygiene

Reibekuchen sind auf dem Weihnachtsmarkt eine beliebte Leckerei. Für die Betreiber der Stände gelten Hygienevorschriften.

Reibekuchen sind auf dem Weihnachtsmarkt eine beliebte Leckerei. Für die Betreiber der Stände gelten Hygienevorschriften.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Essen.  Nach dem Ärger um die „Peru-Kartoffel“ zeigt sich nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt in Bochum: Mangelnde Hygiene ist ein Ausschluss-Kriterium.

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Was in Peru als „Papa Rellena“ in aller Munde ist, ist offenbar ein anspruchsvolles Gericht - und war in Bochum aus Sicht der dortigen Lebensmittelkontrolle für den Weihnachtsmarkt 2018 zu anspruchsvoll: Wegen Hygienemängeln musste der Stand mit der "Peru-Kartoffel“ zwischenzeitlich schließen. Für die Ausrichter des Weihnachtsmarktes, der Bochum Marketing GmbH, war das Grund genug, dem Standbetreiber in diesem Jahr keinen neuen Auftritt zu gewähren: „Hygiene-Mängel dulden wir nicht“.

Das sagen auch andere Weihnachtsmarktveranstalter: „Die ordnungsgemäße Handhabung von Lebensmitteln und damit die Gesundheit unserer Besucher haben für uns oberste Priorität“, erklärt ein Sprecher der Düsseldorf Tourismus GmbH, die die insgesamt sieben Weihnachtsmärkte in der Düsseldorfer Innenstadt organisiert. Fällt ein Standbetreiber negativ auf, droht wie in Bochum der Ausschluss: „Hygienevorschriften sind Vertragsbestandteil“.

Hygiene okay? Alle Weihnachtsmarktstände werden überprüft

Experten stellen Weihnachtsmärkten mit Blick auf die Einhaltung der Hygienevorschriften insgesamt ein gutes Zeugnis aus. Auf den großen Weihnachtsmärkten an Rhein und Ruhr seien in der Regel gewerbliche Betreiber aktiv, „die das seit Jahren machen“, sagt Hans Peter Riedmiller, Vorsitzender des Landesverbands der Lebensmittelkontrolleure in NRW: „Die wissen meist genau, worauf es in Sachen Hygiene ankommt“.

Auf dem Weihnachtsmarkt in der Duisburger City habe es im vergangenen Jahr drei Beschwerden wegen Hygienemängel gegeben. „Bei den daraufhin durchgeführten Kontrollen wurden allerdings keine Verstöße festgestellt“, teilte die Stadt auf Anfrage mit. Dort versichert man zudem: „Alle Stände auf dem Weihnachtsmarkt, die mit Lebensmitteln umgehen, werden routinemäßig überprüft“. Auch in Essen sagt die Stadt: „Die Weihnachtsmarktstände werden grundsätzlich zu Beginn des Weihnachtsmarktes systematisch überprüft.“ Danach gebe es „außerplanmäßige Kontrollen“, bei denen auch, je nach Risikoeinschätzung, Lebensmittelproben entnommen und analysiert werden.

Neun Lebensmittelkontrolleure für mehr als 4300 Betriebe

Die Hygiene überall im Blick zu haben, ist für die Behörden nicht einfach. Insgesamt 358 Vollzeitstellen für Lebensmittelkontrolleure gibt es in NRW; zwischen 2013 und 2018 kamen nur elf neue Stellen hinzu, kritisiert Hans Peter Riedmiller vom Verband der Lebensmittelkontrolleure in NRW. Die Stadt Duisburg etwa hat nach eigenen Angaben neun Mitarbeiter im Außendienst, die die Hygiene in 4328 Lebensmittelbetrieben in der Stadt überwachen sollen. In Düsseldorf sind es 14 Stellen im Bereich Lebensmittelkontrolle - und 5300 Lebensmittelbetriebe. Weihnachtsmarktstände kommen da noch oben ‘drauf.

Der Anteil an Essens-Angeboten ist auf den Weihnachtsmärkten hoch: Der Essener Weihnachtsmarkt (Start am 15. November) bietet nach eigenen Angaben 250 Stände, davon über 80 aus dem Bereich Glühwein, Waffeln, Bratwurst, Pommes Frites und Co. Bochum (Start am 21. November) kommt auf 190 Stände, darunter sind 57 Imbiss- und 18 Glühwein-Buden. Die Weihnachtsmärkte in der Düsseldorfer Innenstadt (Start 21. November) zählen insgesamt 220 Stände, darunter ein Drittel mit Speisen oder Glühwein.

Stand mit Peru-Kartoffel fiel bis dato nur in Bochum negativ auf

Während das Essens-Angebot sich von dem auf Jahrmärkten und Kirmes-Veranstaltungen kaum unterscheidet, haben Weihnachtsmärkte in punkto Hygiene einen Vorteil, sagt Lebensmittelkontrolleur Hans Peter Riedmiller: Sie laufen vielfach über mehrere Wochen. „Deshalb ist die technische Ausrüstung auf solchen Weihnachtsmärkten meist besser“, sagt Riedmiller. Gut aus Sicht der Verbraucher sei zudem: Anders als in Gaststätten, wo man meist nicht überblickt, wie sauber die Küche ist, „kann man an Imbiss-Ständen sehen, was gemacht wird“.

Das war allerdings bei der Peru-Kartoffel in Bochum anders: Wesentliche Teile der Speise wurden offenbar nicht am Stand selbst, sondern in einer Privatwohnung zubereitet, bemängelte das Veterinäramt der Stadt im vergangenen Jahr. Währenddessen rühmt man sich beim Essen Marketing, dass die Peru-Kartoffel auf dem Weihnachtsmarkt dort noch keinen Anlass zu Beschwerden geführt hätte. Auch wenn sich die Zubereitung, einem Zeitungsbericht aus dem Jahr 2014 nach, in Essen offenbar nicht von der in Bochum unterschieden hat.

Essen Marketing-Sprecherin Ina Will freut sich jedenfalls, dass der Weihnachtsmarkt in der Essener Innenstadt in diesem Jahr wieder weithin der einzige sei, auf dem man die Peru-Kartoffel serviert bekomme. Seit inzwischen mehr als 35 Jahren. So ganz hält das der Prüfung dann aber nicht stand. „Auf unserem Weihnachtsmarkt gibt es seit 2005 einen Peru-Kartoffel-Stand, der sehr beliebt ist“, teilt die Düsseldorf Tourismus GmbH mit. Von Hygienmängeln war dort bis dato ebenfalls nichts bekannt.

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