Energiekosten

Stadtwerke ziehen Strompreise an: Was Betroffene tun können

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Gas- und Strompreisbremse soll rückwirkend ab Januar greifen

Gas- und Strompreisbremse soll rückwirkend ab Januar greifen

Die von der Regierung geplante Deckelung der Gas- und Strompreise soll schon im Januar greifen. Die Preisbremse soll zwar erst am 1. März 2023 starten, die Entlastungbeträge sollen dann aber auch rückwirkend für Januar und Februar angerechnet werden.

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Berlin.  Mehrere Stadtwerke in Deutschland wollen ab Januar 2023 ihre Strompreise verdoppeln. Erfahren Sie hier, wo es bald teurer wird.

Der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehende Energie- und Preiskrise ist in Deutschland ein wichtiges Thema. Allein die Kosten für Energieprodukte wie Heizöl oder Gas belasten in vielen Haushalten das finanzielle Budget – dazu kommen noch Mehrausgaben für Lebensmittel und viele weitere Alltags-Produkte. Dass der Heizölpreis in Deutschland aktuell sinkt und auch der Gaspreis bei rund 19 Cent pro kWh stagniert, ist für viele Verbraucher daher eine freudige Nachricht. Für die derzeit sinkenden Energiepreise in Deutschland gibt es mehrere Gründe.

Strompreis in Deutschland teuer denn je – was die kWh Strom aktuell kostet

Zum einen sind die Gasspeicher voll und zu anderen ist die Nachfrage nach Heizöl aktuell größtenteils befriedigt. Meldungen über Flüssiggasschiffe in Spanien und die milde Wetterlage im Oktober 2022 könnten ebenfalls zur Beruhigung der Marktsituation beigetragen haben, vermuten Branchen-Experten wie Ludwig Möhring vom Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG). Für den aktuellen Energiepreistrend nach unten macht der Experte im Interview mit der "Bild" insgesamt drei "Sondereffekte" verantwortlich, die wir im Folgenden näher ausgeführt haben:

  1. Die milden Temperaturen im Oktober – es wurde weniger geheizt und folglich weniger Gas benötigt.
  2. Die Wirtschaft verbraucht weniger Gas – für sie rechnet sich die Produktion in Deutschland aktuell oftmals nicht.
  3. Die Gasspeicher in Deutschland sind fast komplett befüllt.

Im Gegensatz zu Heizöl und Gas entwickeln sich die Strompreise in die entgegengesetzte Richtung. Der aktuelle Strompreis von heute (22. November) zeigt, dass in einem neuen Grundtarif im Schnitt 42,52 Cent pro kWh fällig werden – in Ökostrom- oder Alternativtarifen ist es sogar noch mehr. Der genannte Preis gilt erst einmal nur bei Neukunden – doch auch Bestandskunden mit festen Verträgen müssen sich bei mehreren Grundversorgern auf eine saftige Strompreis-Anpassung ab Januar 2023 gefasst machen. Rund sechs Millionen Haushalte sollen ab 2023 mit teureren Strompreisen konfrontiert sein.

Anbieter ziehen Strompreise an: Hier wird es extrem teuer – über 5000 Euro pro Jahr

Die Gründe für die teureren Strompreise ab 2023 sind gestiegene Einkaufspreise an der Börse, höhere Entgelte für die Netzbetreiber und Berichten von "Chip 365" zufolge auch eine höhere gesetzliche Umlage. Wie teuer es bei einigen Grundversorgern ab Januar 2023 wird, zeigt eine exklusive Auswertung des Vergleichsportals "Check24" für unsere Redaktion. Demnach planen zehn Anbieter ihre Strompreise zu über 100 Prozent anzuheben. Spitzenreiter ist der Grundversorger "Ports GmbH & Co.KG" in Niedersachsen. Die Daten in der Tabelle basieren auf Grundlage eines Verbrauchs von 5000 kWh pro Jahr.

Grundversorger Stromkosten (5.000 kWh) ab 2023
Niedersachsen Ports GmbH & Co.KG (Emden) 5017 Euro pro Jahr (alt: 1493 EUR)
Stadtwerke Haslach 4617 Euro pro Jahr (alt: 1382 EUR)
Energiewerk Meckenheim 3458 Euro pro Jahr (alt: 1149 EUR)
Aschaffenburger Versorgungs-GmbH 3416 Euro pro Jahr (alt: 1262 EUR)
Stadtwerke Neuffen AG 4703 Euro pro Jahr (alt: 1758 EUR)
Stadtwerke Finsterwalde GmbH 4085 Euro pro Jahr (alt 1547 EUR)
Stadtwerke Baiersdorf Kommunalunternehmen AdöR 3857 Euro pro Jahr (alt: 1468 EUR)
Elektrizitätsgenossenschaft Hasbergen e.G. 3006 Euro pro Jahr (alt: 1148 EUR)
Gebr. Heinzelmann Stromhandels- und Vertriebs-GmbH & Co. KG 4612 Euro pro Jahr (alt: 1763 EUR)
Stadtwerke Velten GmbH 3500 Euro pro Jahr (alt: 1375 EUR)

Zum Vergleich: Im bisherigen allgemeinen Tarif von "Ports" haben die Kunden bei gleichem Verbrauch (5000 kWh) nur 1493 Euro pro Jahr bezahlt – das macht eine Differenz von 3525 Euro. Genauso drastisch fallen die Preisanpassungen bei den anderen neun Anbietern aus. Stehen solche Preisanpassungen an, muss der Stromanbieter seine Kunden schriftlich darüber informieren. Als Verbraucher sollte man sich das Schreiben dann erst einmal ganz genau durchlesen, empfehlen die Verbraucher-Experten von "Chip 365".

Viele interessante Fragen und Antworten zur Strom- und Gaspreisbremse haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Neue Strompreise ab Januar 2023 für Millionen Verbraucher: Was Betroffene tun können

Ein besonderes Augenmerk sollte man dabei auf die Abschlagszahlungen legen und prüfen, ob diese vom Stromanbieter korrekt ermittelt wurden. Steigt der Preis pro Kilowattstunde, steigen automatisch auch die monatlichen Abschlagszahlungen. Was nicht geht: Dass der Stromanbieter noch einmal zusätzlich zum Preis für eine kWh die Abschlagszahlungen erhöht. Stimmen der neue Preis pro kWh und die Höhe der Abschlagszahlungen nicht überein, sind die neuen Preise ab Januar 2023 unter Umständen unwirksam. Daher kann es sich lohnen, im individuellen Fall nachzurechnen.

Ebenfalls unwirksam können die neuen Tarife sein, wenn im Vertrag eine Preisgarantie verankert ist. Nur, wenn es eine solche Preisgarantie nicht gibt oder diese abgelaufen ist, sind neue Strompreise wirksam. Bei Unstimmigkeiten sollte man zuerst in Kontakt mit seinem Anbieter treten. Reagiert er nicht oder lehnt ab, kann eine Beratung in einer Verbraucherzentrale oder bei einem Anwalt der nächste Schritt sein. Gerade, wenn es um Beträge in drei bis vierstelliger Höhe geht, kann sich der Aufwand lohnen.

Der Artikel "Stadtwerke ziehen Strompreis massiv an: Was Betroffene tun können" ist zuerst auf morgenpost.de erschienen.

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