Karriere

Vorstellungsgespräch: Was Ihnen keinesfalls passieren darf

Neuer Job: So gelingt das Vorstellungsgespräch

Wenn die Bewerbung gut war, folgt ein Gespräch beim Wunsch-Arbeitgeber. Wie Sie sich dort präsentieren und was Sie besser nicht machen sollten, zeigen wir im Video.

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Berlin.  Einen neuen Job zu bekommen, ist nicht leicht. Berater Jürgen Hesse gibt sieben Tipps fürs Bewerbungsgespräch. Sogar Lügen ist erlaubt.

Den Job fürs Leben, von der Ausbildung bis zur Rente? Ihn wünschen sich viele, nur verlassen die Arbeitnehmenden in Deutschland im Schnitt alle sechs Jahre ein Unternehmen. Dabei gilt: Je jünger, desto häufiger. Auch die Branche entscheidet: Im öffentlichen Dienst ist die Zugehörigkeit zu einem Arbeitgeber länger als etwa in der Gastronomie.

Ein Effekt der wechselhaften Arbeitswelt: An Werktagen zwischen sieben Uhr morgens und sieben Uhr abends werden jede Stunde rund 6000 Vorstellungsgespräche geführt.

Das rechnet einer der namhaftesten Experten Deutschlands für Bewerbungen vor, der Berliner Psychologe und Karriereberater Jürgen Hesse. Zugrunde legt er Zahlen des Statistischen Bundesamtes und seine langjährige Erfahrung: Bevor es mit einem neuen Job klappt, braucht es meist drei bis vier Gespräche. Hesse sagt: „Die Spielregeln zu kennen ist wichtig, es wird immer wichtiger.“

Denn: Auf der einen Seite suchen Optiker, Baufirmen und die Deutsche Bahn Leute. Zugleich streicht aber der Flugzeugbauer Airbus Stellen, müssen Mitarbeitende der vom Handelskonzern Metro abgestoßenen Supermarktkette Real um ihre Jobs bangen, machen der deutschen Industrie Handelskonflikte, der Brexit, eine schwächere Weltkonjunktur zu schaffen.

Der Kampf um die Plätze sei hart, aber zu meistern, sagt Hesse. Zusammen mit seinem Kollegen Hans Christian Schrader hat er das Büro für Berufsstrategie gegründet und seit 1985 mehr als 200 Bücher veröffentlicht. Er gibt sieben entscheidende Tipps – und startet mit dem Ende des Vorstellungsgesprächs.

Vorstellungsgespräch: Wer keine Fragen hat, verliert

„Haben Sie noch Fragen an uns?“ - das ist am Ende des Vorstellungsgesprächs der freundliche Aufruf, sich zu interessieren für das Unternehmen. „Och, ich glaube nicht, alles gut!“ sei die falsche Antwort, so Hesse. Auch nicht besser: „Wo ist denn hier die Kantine?“ Der Experte rät: „Ziehen Sie ruhig einen Zettel aus der Tasche, auf dem Sie vorher Notizen gemacht haben, gehen diese durch, sagen ‘Hatten wir schon, das auch, aber könnten Sie mir noch sagen..?’“ Darf man nach dem Gehalt fragen? „Ja“, sagt Hesse. Die Frage zeige, dass „Sie ganz normal ticken.“

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Vorstellungsgespräch Tipp 2: Riechen Sie nach „frisch gewaschen“

Doch wie geht es los, wenn das Bewerbungsschreiben gut angekommen ist, der Tag des Vorstellungsgesprächs da ist? Essen Sie vorher nicht noch fix einen Döner, Sie sollten nicht nach Frittenbude riechen, auch nicht nach Rauch. Checken Sie vorsichtshalber auch Ihre Schuhsohle, sind Sie sicher nicht in Hundekacke getreten?

Geruch ist wichtig, meint Hesse. „Sie dürfen ganz dezent nach Parfüm riechen und ihre Klamotten nach ‘frisch gewaschen’“. Zudem gelte: Kommen Sie nicht rein geschlichen, gestürmt, gestolpert, auch nicht abgehetzt, nach Luft schnappend, verschwitzt. Der andere wolle sich einen Eindruck verschaffen. Das fängt in dem Moment an, in dem Sie in der Tür auftauchen.

Tipp 3: Hände weg vom Kopf, selbst wenn die Nase juckt

Auf den Boden gucken? Macht einen schlechten Eindruck. An die Decke starren auch. Der Bewerbungscoach sagt: „Sie müssen ihr Gegenüber anschauen. Lächeln Sie freundlich. Geben Sie herzlich die Hand, wenn der andere Ihnen die Hand gibt zur Begrüßung, sagen Sie ‘Guten Tag und vielen Dank für die Einladung.’“ Warten bis einem der Platz angeboten wird. Nur: Was dann?

„Nehmen Sie nicht den entferntesten Stuhl, bleiben Sie nah dran“, sagt Hesse. Und: „Achten Sie auf ihre Hände, legen Sie sie vor sich auf den Tisch oder in den Schoß, kein Däumchen drehen und nie mit der Hand ins Gesicht fassen, auch nicht wenn Ohr oder Nase jucken.“ Unsicher wirke das, komme nicht gut an, eine breitbeinige Macho-Pose übrigens auch nicht. Dann kann es losgehen.

Tipp 4: Sparen Sie sich: „Mein Name ist...“

Was können Sie? Was haben Sie schon geleistet? Wie ticken Sie? Auf diese drei Fragen suchten Personaler Antworten, erklärt der Psychologe, sie checkten Kompetenz, Leistungsmotivation, Persönlichkeit. Sein Appell: „Überlegen Sie vorher gut, wie Sie kurz und knackig, in 30 Sekunden, Interesse wecken können. Fangen Sie nicht an mit ‘Mein Name ist Juergen Hase, mit ue.’ Da schläft jeder ein.“

Vorstellungsgespräch Tipp 5: Sie dürfen lügen!

Wie sieht es mit Kindern aus? „Sagen Sie es nicht“, meint Hesse. Fragen zur Lebensplanung, zur Parteizugehörigkeit, zu allem, was nicht direkt mit dem Arbeitsplatz zu tun hat, sind unzulässig. Laut dem Bundesarbeitsgericht gibt es bei ihnen ein Recht auf Notlüge. „Geben Sie eine Antwort von der Sie glauben, dass sie ihre Chancen auf die Stelle erhöht“, so der Jobprofi.

Etwa: Jetzt mache ich erst mal Karriere. Hesse: „Zeigen Sie, dass sich sich klug aus der Affäre ziehen können. Das spricht nur für Sie.“ Noch ein Beispiel. Der Personaler fragt: „Was halten Sie vom Abschneiden der AFD bei der letzten Wahl?“ Sie sagen: „Ein ganz schwieriges Thema, das sollten wir hier besser nicht vertiefen.“

Bereiten Sie sich vor Tipp 6: Wer will, nimmt einen Stimmtrainer

Dabei die Stimme zu kontrollieren, nicht zu leise zu sprechen, auch nicht zu blöken, fällt manchen schwer. Bei Frauen, die von Natur aus eine höhere Stimme haben als Männer, heißt es zudem gern, sie seien zu piepsig. Haben Sie schon mal schlechte Erfahrungen mit ihrer Stimme gemacht, fühlen sich damit unwohl, können Sie ein paar Stunden bei einem Stimmtrainer nehmen.

Hesse rät aber vielmehr: „Stehen Sie zu sich. Gewinnen Sie Sympathie, Vertrauen und damit das notwendige Zutrauen. Und vergessen Sie nicht: Auch Sie wählen aus, schärfen Sie Ihren Blick, ob Sie gerne mit Ihrem Gegenüber und für das Unternehmen arbeiten möchten.“

Beim Abschied Tipp 7: Gehen Sie – souverän

Das Gespräch sei im Grunde „Marketing in eigener Sache“, meint Hesse, „man muss sich mental darauf einstellen, sich gut vorbereiten und recherchieren, gucken Sie, was das Gegenüber genau braucht, verstehen Sie sich als Problemlöser.“

Dazu gehöre auch ein guter Abgang. Bringen Sie am Ende also nochmal auf den Punkt, was für Sie spricht: „Mich interessiert an Ihrem Unternehmen dies und dies und ich denke, ich kann Ihnen das und das bieten.“ Fragen Sie zudem: „Was schlagen Sie vor? Soll ich mich melden? Wie machen Sie das hier?“ Sie bedanken sich für das Gespräch, verabschieden sich.

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