Insekten

Wen Mücken besonders gerne stechen und was vor ihnen schützt

Mücken lieben es warm und feucht. Deshalb sind sie vor allem im Sommer aktiv.

Mücken lieben es warm und feucht. Deshalb sind sie vor allem im Sommer aktiv.

Foto: Foto: Patrick Pleul / dpa

NRW.  Mücken stechen bei einigen Menschen lieber zu als bei anderen. Ein Forscher erklärt, woran das liegt und räumt dabei mit so manchem Mythos auf.

Eigentlich ist der Stich einer Mücke nur ein Liebesbeweis, denn nicht jeder Mensch schafft es auf ihre Speisekarte. Die Freude hält sich jedoch bei all jenen in Grenzen, die im Gegensatz zu manch anderem nach gefühlt jeder Gartenparty mit juckenden Liebkosungen nach Hause gehen.

Einer, der sich mit dem Phänomen bestens auskennt, ist Andreas Rose. Gemeinsam mit seinen Kollegen von Biogents erforscht er seit Jahren das Insekt, dessen stechende Zuneigung auch tödlich enden kann. Denn, das betont Rose direkt zu Beginn: „Die Mücke ist das gefährlichste Tier, das unser Planet zu bieten hat.“

Mücken lieben Gießkannen und Regentonnen

Doch zunächst einmal zu den Mücken, die uns hierzulande das tägliche Leben schwer machen. Während die Überschwemmungsmücke vor allem nach starkem Regen milliardenfach umherschwirrt, ist die Hausmücke schwerpunktmäßig zwischen Mai und September aktiv. „Hausmücken suchen sich feuchte Orte wie eine Regentonne oder eine Gießkanne, um dort ihre Eier abzulegen“, erklärt Rose. Ist es so warm wie in diesem Sommer, entwickeln sich aus den länglichen Päckchen mit je bis zu hundert Eiern besonders schnell die kleinen Insekten.

Rose rät daher, Gießkannen und Regentonnen regelmäßig zu leeren. Da das vor allem bei Letzterem schwierig werden könnte, gibt er direkt noch einen weiteren Tipp: „Wenn man das Eiweißmittel BTI in die Regentonne gibt, tötet das die Larven. Für uns und gegossene Pflanzen ist es aber unschädlich.“ Wer einen Teich besitzt, sollte außerdem „Biotop-Management“ betreiben und so die natürlichen Feinde der Mückenlarven anlocken. Dazu zählen beispielsweise die Larven von Libellen oder kleine Fische.

Die Mythen der Mückenbekämpfung

Um Mücken fern zu halten, stellen sich manche auf Terrassen und Balkone zitronig duftende Anti-Mücken-Kerzen. Ausreichend abschreckend für Stechmücken seien die aber nicht. Auch von Fallen mit UV-Licht hält Rose nichts: „Solche Lichtfallen sind für Stechmücken nicht effektiv, stattdessen werden eher andere Insekten damit eingefangen.“ In Zeiten des großen Insektensterbens sei also eher davon abzuraten. Ebenfalls im Trend liegen sogenannte Mücken-Apps, die einen angeblich abschreckenden Piepston von sich geben. Die Meinung vom Experten: „Können Sie knicken.“

Wesentlich effektiver sei dagegen etwas anderes, erklärt Rose: „Es gibt Fallen, die Kohlendioxid ausstoßen. Die müssen dann nur noch an den richtigen Stellen stehen.“ Denn Kohlendioxid sei ein wichtiger Reiz für die Mücke, die dahinter stets einen menschlichen Gaumenschmaus vermutet. Wer also einen regen Stoffwechsel hat und dementsprechend viel Kohlendioxid ausstößt, erscheint der Mücke besonders attraktiv. Ob das Insekt einen verkostet oder verschmäht, hängt allerdings von einer Reihe weiterer Faktoren ab.

Mücken stehen auf bestimmte Duftcocktails

„Jeder Mensch hat einen eigenen Cocktail an Duftstoffen“, erklärt Rose. Die Mischung von Stoffen wie Milchsäure, Ammoniak und Fettsäuren sei der entscheidende Faktor, ob ein Mensch bevorzugt gestochen wird oder nicht. Selbst Duschen helfe nur kurzzeitig, dann überwiege wieder der körpereigene Geruch. Und einige solcher Duftcocktails schmecken den Mücken eben besser als andere, manche Substanzen auf der Haut wirken gar abschreckend. „Das ist dann so, als ob ein schönes Gesicht entstellt sei“, so Rose. Bevor die Mücke allerdings nichts anderes findet, schlägt sie im Notfall selbst hier zu. Alkohol im Blut oder hohe Körpertemperaturen steigern zudem die menschliche Attraktivität für Mücken.

Wer unterwegs ist und sich vor Mücken schützen möchte, sollte sich Schreckstoffe direkt und flächendeckend auf die Haut sprühen. „Es gibt aber immer noch viele Mittel, die viel versprechen und wenig halten“, warnt Rose. Der „Goldstandard“ sei dabei das in den 1940ern vom US-Militär entwickelte Insektenabwehrmittel DEET. „Viele fragen bei dem Thema nach natürlichen Mittel. Es gibt aber nur eine Substanz, die gut funktioniert“, sagt er. Der Wirkstoff PMD werde aus ätherischen Ölen hergestellt und spiele in der gleichen Liga wie chemisch hergestellte Produkte.

Hausmittel vertreiben keine Mücken

Alle anderen Hausmittelchen würden schlicht nicht helfen, so Rose. „Jedes Jahr sterben noch immer eine halbe Millionen Menschen an einer von der Mücke übertragenen Krankheit, die meisten an Malaria“, betont er. „Wenn es so einfach wäre, hätten wir das Problem nicht.“ In Deutschland gebe es zwar ebenfalls Malaria-Mücken, aber die Krankheit gelte hier längst als ausgerottet.

Zu einem größeren Problem könnte dagegen die asiatische Tigermücke werden, die einige Krankheitserreger aus den Tropen übertragen kann. „Durch vermehrten Reiseverkehr steigt auch das Risiko, dass die verschiedenen Fieber auch hier eingeschleppt werden“, so Rose. Bisher seien aber noch keine Fälle in Deutschland bekannt.

Gegen einen Mückenstich hilft nur Kälte oder Hitze

Wenn auch nicht gefährlich, so kann der Stich einer Hausmücke dennoch zur echten Plage werden. Dabei sticht nur das Weibchen zu, das neben Zucker aus Blüten und anderen Pflanzensäften auch Eiweiß aus Blut benötigt. Erst so kann es Eier produzieren. Hat es mit seinen feinen Rezeptoren eine Blutkapillare angezapft, saugt es das Blut und injiziert gleichzeitig seinen Speichel. So verhindert das Weibchen, dass das Blut gerinnt.

Der menschliche Körper reagiert auf das körperfremde Eiweiß im Speichel allergisch, schüttet Histamine aus und bildet eine Quaddel (die kleine Schwellung des Mückenstichs). Das juckt. Dagegen helfe vor allem eines, weiß Rose: Kühlen – sei es durch Salben oder eine Zwiebel aus dem Kühlschrank. „Außerdem hat es bei einigen Versuchspersonen gut funktioniert, wenn die Stichstelle kurz hoch erhitzt wird. Dadurch wird die Histaminausschüttung unterbrochen.“

Doch wie steht eigentlich ein Mückenforscher zu Mückenstichen? „Man gewöhnt sich dran“, antwortet Rose. Immerhin steckt er selbst regelmäßig seinen Arm in einen sogenannten Mückenkäfig, um Schreckstoffe zu testen. Und so auf dem Silbertablett serviert, schlägt irgendwann wirklich jede Mücke zu. Egal, ob es die große Liebe ist oder nicht.

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