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Wohn-Studie: Keiner in NRW will in einem Hochhaus wohnen

NRW-Bürger wollen am liebsten in einer ruhigen Stadtteillage wohnen, auf keinen Fall aber in Hochhäusern.

NRW-Bürger wollen am liebsten in einer ruhigen Stadtteillage wohnen, auf keinen Fall aber in Hochhäusern.

Foto: dpa

Essen/Münster.   Eine Wohn-Studie zeigt: NRW-Bürger mögen ruhige Stadtteile und schnelles Internet. Die Drei-Zimmer-Wohnung liegt im Trend. Aber die Suche dauert.

NRW-Bürger wollen am liebsten in einer ruhigen Stadtteillage wohnen, auf keinen Fall aber in Hochhäusern. Sie bevorzugen mehrheitlich kurze Wege zum Einkaufen, ein schnelles Internet in der Wohnung ist ihnen inzwischen aber genau so wichtig. Beim Wohnumfeld genießen Sicherheit, Ruhe und gute Nachbarschaft oberste Priorität. Das sind die zentralen Ergebnisse der von der Bausparkasse LBS West in Auftrag gegeben Studie „Wohnwünsche 2017“. Darin wurden die NRW-Bürger repräsentativ befragt, wie sie morgen wohnen wollen.

Hochhäuser haben dabei nach wie vor das schlechteste Image aller Wohnformen. Zu oft werden sie mit Berichten über soziale Brennpunkte in Verbindung gebracht. Städtebauliche Maßnahmen wie Rückbau und ein verbessertes Wohnumfeld haben daran bisher offensichtlich wenig ändern können, glauben die Studienautoren.

„Alle, die einen Umzug in eine Etagenwohnung planen, möchten maximal im dritten Stock in einem Block mit höchstens zwölf Wohnungen leben“, sagte dazu der LBS-Vorstandsvorsitzender Jörg Münning am Dienstag bei der Vorstellung der Studie in Münster. Interessanterweise suchten Mieter meist noch kleinere Einheiten als Eigentümer, so Münning.

Drei-Zimmer-Wohnungen sind am beliebtesten

Bei den Wohnungsgrößen sind laut der Studie Drei-Zimmer-Wohnungen am beliebtesten. Sie werden besonders von kinderlosen Doppelverdienern und Familien mit einem Kind nachgefragt. Danach folgen die Zwei-Zimmer-Wohnung, die bei Singles und jüngeren Zwei-Personen-Haushalten beliebt sind.

Vier-Zimmer-Wohnungen kommen vor allem für Eigentümer in Frage, bei den Mietern sind sie schon wegen der Kosten deutlich weniger gefragt. Bei den Fünf-Zimmer-Wohnungen wird die Zielgruppe noch enger, das Interesse an Ein-Raum-Appartements tendiert gegen null. Eigenheime erfreuen sich dagegen auch bei Mietern großer Beliebtheit. Immerhin ein Viertel der Befragten kann sich vorstellen, ein Ein- bzw. Zweifamilienhaus oder ein Reihenhaus zu mieten.

Nicht bestätigen kann die Studie überraschenderweise die vermeintliche Beliebtheit von Innenstädten bei der Wohnungssuche. Vor zehn Jahren wollte in einer Vergleichsstudie noch jeder Zweite bei seinem nächsten Umzug in die City ziehen, aktuell sind es gerade noch 19 Prozent. Für die Autoren liegen die Gründe dafür auf der Hand: Hohe Preise und ein oft leergefegter Wohnungsmarkt in den großen Städten seien verantwortlich für diese mögliche Trendwende.

Unbeliebte Stadtteilzentren mittlerweile Wunschziel

Für das ländliche Wohnen gibt es mit 16 Prozent dagegen eine stabile Nachfrage, die sich in den letzten zehn Jahren nicht verändert hat. Am meisten Zuspruch findet mit 40 Prozent die ruhige Stadtteillage. Die ehemals unbeliebten Stadtteilzentren arbeiteten sich vom Schlusslicht (2008: sechs Prozent) auf Platz 2 der Wunschziele vor.

Auch der Trend zur immer mobiler werdenden Gesellschaft findet ihren Niederschlag in der LBS-Studie: Jeder zweite Haushalt plant demnach in den nächsten Jahren einen Umzug oder schließt ihn zumindest nicht aus. Das sind doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Der Wohnort muss dabei keineswegs nahe an der Arbeitsstelle liegen – im Gegenteil:

Im Schnitt pendeln die Befragten pro Weg durchschnittlich 32 Kilometer und damit noch einmal zwei Kilometer mehr als vor fünf Jahren. Soziale Bindung beim Wohnen zählten offensichtlich mehr als kurze Wege zum Job, heißt es in der Studie.

Gründe für einen Umzug sind in erster Linie familiärer Natur. Oder es ist der Wunsch nach einer größeren Wohnung. Die Suche nach einem neuen Heim dauert dabei immer länger. Der Anteil derjenigen, die angaben, schnell eine passende Wohnung oder ein passendes Haus gefunden zu haben, liegt bei nur noch 35 Prozent. Vor fünf Jahren waren es 52 Prozent.

>> In NRW fehlen jährlich 25 000 neue Wohnungen

In Nordrhein-Westfalen werden laut LBS West Jahr für Jahr 25 000 Wohnungen zu wenig gebaut. Zwar erhole sich seit Beginn der Finanzkrise der Bau von Etagenwohnungen langsam, sagte LBS-Chef Jörg Münning. Der Neubau in NRW gewinne aber nicht wirklich an Fahrt.

Rund 50 000 Neubauwohnungen werden voraussichtlich bis Ende des Jahres gebaut. Der jährliche Bedarf liege aber nach Einschätzung von Fachleuten schon seit einigen Jahren bei 75 000.

Die Ursachen für den hohen Bedarf seien die derzeit wachsende Einwohnerzahl, der Trend zu immer mehr Single-Haushalten, die längere Lebenserwartung, die Zuwanderungswelle sowie der zunehmende notwendige Ersatz für diejenigen Alt-Immobilien, die heutigen Ansprüchen an Energieverbrauch und Barrierefreiheit nicht mehr entsprächen.

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