Gewalt am Hindukusch

Abschiebungen nach Afghanistan müssen gestoppt werden

Foto: Stryewski

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Wenn die Staatengemeinschaft die Gewalt am Hindukusch nicht beenden kann, sollte Deutschland aufhören, Menschen zurück in Krieg zu schicken.

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Nach dem verheerenden Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat die Bundesregierung eine geplante Sammelabschiebung in das Land am Hindukusch ausgesetzt. Nicht etwa, weil sie umgedacht hätte, sondern aus Rücksichtnahme auf die Mitarbeiter der in Mitleidenschaft gezogenen deutschen Botschaft. Das ist purer Zynismus. Sie sollte stattdessen die einzig richtige Entscheidung treffen und die Abschiebungen nach Afghanistan vollends stoppen. Es gibt dort zurzeit keine Sicherheit. Selbst in der schwer gesicherten Hauptstadt nicht.

Ein Drittel des Landes ist nicht mehr unter der Kontrolle der Regierung in Kabul. Die Taliban rücken vor, Terrorgruppen wie der sogenannte „Islamische Staat“, Al Kaida und 18 weitere sind in der Region aktiv, die Zahl der zivilen Opfer steigt, die afghanische Armee und Polizei sind heillos überfordert. Selbst wenn ein Menschenschlächter wie Gulbuddin Hekmatjar, dessen Miliz Hisb-i Islami für zahlreiche Anschläge auf die Bundeswehr verantwortlich war, nun öffentlich zum Frieden aufruft und sich wieder mit der afghanischen Regierung versöhnt hat, wird das den Mahlstrom der Gewalt nicht stoppen.

Die zerbombte Fassade der deutschen Botschaft in Kabul steht sinnbildlich für die desaströse Afghanistan-Politik der internationalen Gemeinschaft. Sie kann wenig tun, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen; es sei denn, erneut mit einer großen Streitmacht in das Land einzurücken, dort dauerhaft zu bleiben und es so zu befrieden. Das wird nicht geschehen. So bleibt nur, wenigstens die Menschen nicht in den Krieg zurückzuschicken, die sich aus ihm flüchten konnten.

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