Absurdes „Kumpel“-Theater im Landtag

Peter Toussaint kommentiert.

Peter Toussaint kommentiert.

Foto: NRZ

Bei den Protesten im NRW-Landtag gegen Entlassungen bei der RAG sollen auch als Bergleute verkleidete Demonstranten teilgenommen haben.

Der Fall wird immer bizarrer. Ist es denkbar, dass jemand Statisten in Bergmannskluft steckt, um im Landtag medienwirksam Rabatz zu machen? Sind Linksextremisten dafür verantwortlich? Oder Abgeordnete von der AfD, die in der turbulenten Sitzung schreiend eine „Schande“ des Parlaments angeprangert hatten? Und wenn es so gewesen ist: Warum haben die echten Bergleute das Kasperle-Theater mit den falschen Kumpeln mitgemacht? Das würde den ganzen Protest doch diskreditieren. Die Öffentlichkeit wartet gespannt auf die Aufklärung der Vorwürfe.

Viel Verständnis dürfen die protestierenden Bergleute ohnehin nicht erwarten. Seit Jahren war das Ausstiegsdatum bekannt. Es gab viele Angebote zur Umschulung. Keine Branche ist so gepampert worden wie der Bergbau, in vielen anderen Wirtschaftszweigen werden Leute entlassen, ohne dass ein Hahn danach kräht.

„Brüllen, Anfeinden und Hetzen ist nicht der richtige Ton“

Dass sich die streitbaren Kumpel nun ausgerechnet der AfD zuwenden, hat wohl auch damit zu tun, dass sich die Sozialpolitiker der anderen Parteien nicht um diese Gruppe gekümmert haben. Das war ein Fehler, wie sich jetzt herausstellt. Die Fähigkeit zuzuhören, ist ja nicht die schlechteste Qualifikation für Abgeordnete.

Die AfD füllt die Lücke und nutzt sie für absurdes Theater. „Brüllen, anfeinden und hetzen – das ist nicht der Ton, in dem Demokraten miteinander diskutieren“, hat der Landtagspräsident gemahnt. Das durchzusetzen ist schwieriger geworden mit AfD-Leuten in den Parlamenten.

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