Kommentar

Alle Menschen haben die gleichen Rechte

Ein Kommentar von NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet.

Ein Kommentar von NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet.

Foto: NRZ

Am Montag wird die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte 70 Jahre alt. Schöne und richtige Worte, die leider nicht in alle Köpfe wollen.

Es war die grauenvolle Erfahrung des 2. Weltkriegs, die am 10. Dezember 1948 zur Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen (UN) führte. 48 Staaten unterzeichneten diese Erklärung. Viele Menschen auf der Welt glaubten damals, dass die Lehren aus Unterdrückung, Terror und Vertreibung zu einer besseren Welt führen werden. Doch leider hat sich der Traum in den folgenden 70 Jahren nicht erfüllt.

Nicht nur, dass die Würde der Menschen in vielen Staaten mit Füßen getreten wird, dass allerorten Kriege wüten und daher mehr Menschen als je zuvor auf der Flucht sind. Hinzu kommt, dass die Menschenrechte immer weniger Freunde finden. Selbst die USA, die die Rechte des Einzelnen in ihrer Unabhängigkeitserklärung von 1776 ausdrücklich hervorheben, garantieren die Rechte nicht mehr jedem, zum Beispiel an der mexikanischen Grenze.

Auch in Europa ist die Riege der Menschenrechtsfreunde klein geworden: Die Staatschefs von Ungarn oder Polen wollen die Rechte vor allem auf die eigene Bevölkerung beschränkt wissen. Manche Politiker bei uns in Deutschland denken genauso.

Erdogan spielt die Karte der Relativierung

Ziemlich unwichtig sind die Menschenrechte den Machthabern in China oder Russland, in Saudi-Arabien sowieso. Bei jedem Staatsbesuch wird das zwar erwähnt, aber leider meist so leise, dass es die Geschäfte nicht sonderlich stört.

Besonders zynisch legte am Sonntag der türkische Präsident Erdogan die Menschenrechte aus: Er verglich den Einsatz der französischen Polizei gegen die Demonstranten in Paris mit den Verhaftungen in der Türkei während der Gezipark-Proteste. Das ist schäbig und zugleich wohl kalkuliert. Erdogan spielt eben die Karte der Relativierung. Genau das machen alle, für die Menschenrechte nicht universell sind.

Es geschieht nicht zufällig, dass am 70. Jahrestag der „Erklärung der Menschenrechte“ in Marrakesch der Migrationspakt unterzeichnet werden soll. Schließlich ist hier aufgeschrieben worden, dass auch Zuwanderer eine Würde und Rechte haben. Doch die unwürdigen Diskussionen im Vorfeld des Paktes haben gezeigt, dass längst nicht alle Politiker hinter den weltweit geltenden Rechten stehen. Das ist keine gute Nachricht für die Verfolgten und Unterdrückten auf unserem Planeten.

Im Eingang der vor 70 Jahren unterzeichneten Erklärung heißt es: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“ – Schöne und richtige Worte, die leider nicht in alle Köpfe wollen.

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