Schießerei

Angriff in Halle: Antisemitismus kommt nicht aus dem Nichts

NRZ-Redakteur Jan Jessen kommentiert.

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Foto: NRZ

Nach dem Angriff auf eine Synagoge in Halle ist klar: Der Täter ist ein Rechtsextremer. Es braucht einen Aufstand der Zivilgesellschaft.

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Jom Kippur, das Versöhnungsfest ist der höchste jüdische Feiertag. Es ist ein Tag des Fastens, der Ruhe, der Einkehr. Viele Juden verbringen diesen Tag in der Synagoge. So war es auch in Halle, wo Dutzende Menschen jüdischen Glaubens im Gotteshaus im Paulusviertel zusammengekommen waren, als plötzlich der Horror begann.

Es scheint, als habe nur Glück ein Massaker ähnlich wie das im neuseeländischen Christchurch verhindert, der Täter von Halle schafften es nicht, in die Synagoge einzudringen. Trotzdem mussten zwei Menschen sterben. Auch wenn die Hintergründe dieses Angriffs – Stand Mittwochabend – noch nicht vollkommen ausgeleuchtet sind, ist klar: er richtete sich gegen das jüdische Leben in Deutschland. Klar ist auch: Der Täter ist ein Rechtsextremer.

Verschiebung der Grenzen des Sagbaren und Hetze im Internet

Rassismus und Antisemitismus kommen nicht aus dem Nichts. Es braucht einen Nährboden, auf dem die Menschenfeindlichkeit gedeiht. In den vergangenen Jahren haben die Verschiebung der Grenzen des Sagbaren und die Hetze im Internet diesen Boden fruchtbarer gemacht.

Politiker, die gegen die „dämliche Bewältigungspolitik“ agitieren, wie es der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke getan hat, nehmen dem Antisemitismus seine Ungeheuerlichkeit. Die Verschwörungstheorie, wonach einflussreiche jüdische Menschen einen Bevölkerungsaustausch für Europa anstreben, wird in rechten Kreisen weltweit rezipiert. Rechtsterroristische Massenmörder wie die Täter von Utoya oder Christchurch werden im Internet gefeiert. Auf die Anerkennung fanatisierter Rassisten und Antisemiten hat wohl auch der Täter von Halle gehofft, der seinen Angriff live im Internet sendete.

Rechte Szene vernetzt und radikalisiert sich zusehends

Die rechte Szene vernetzt und radikalisiert sich zusehends. Trotz der Mordtaten des NSU, trotz der Hinrichtung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, wird die Gefahr rechten Terrors noch immer unterschätzt.

Es ist unfassbar, dass beispielsweise eine rechtsterroristische Organisation wie Combat 18 noch nicht verboten ist. In Deutschland müssen Juden wieder um ihr Leben fürchten. Es braucht dagegen einen Aufstand der Zivilgesellschaft.

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