Kommentar

Katholische Kirche kann einen Gegenpapst nicht verkraften

Monika Willer WP

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Foto: Michael Kleinrensing

Benedikt XVI. Wollte beten und schweigen, schießt Papst Franziskus aber munter in den Rücken.

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Unter Benedikt XVI. Ist der Vatikan unregierbar geworden. Als das Ausmaß der damaligen Skandale in die Öffentlichkeit durchgestochen wurde, nahm Ratzinger seinen Hut, er hatte kaum eine Alternative zu diesem Schritt.

In Demut wolle er nun beten und schweigen, verkündete er nach seinem Rücktritt. Stattdessen schießt er seinem Nachfolger munter in den Rücken. In seiner politischen Unerfahrenheit hat Benedikt den Vatikan zur Brutstätte von ungehemmtem Lobbyismus werden lassen, nun lässt er sich von den rechtskatholischen Kräften instrumentalisieren, für die Franziskus’ vorsichtige Interaktion mit der Lebenswirklichkeit der Gläubigen unerträglich ist.

Erschütternde Worte

Erst im Dezember hat der Altpapst eine Medienstiftung gegründet, weil ihm die derzeitigen Angebote der katholischen Journalistenausbildung zu liberal sind. Dahinter steckt das Bemühen der Rechtskonservativen, um jeden Preis an ihrer Parallelwelt festzuhalten. Zum Missbrauchsskandal fand Benedikt ebenfalls erschütternde Worte: erstens sei der Teufel schuld und zweitens die 68er. Kein Wort des Mitleids mit den Opfern.

Nun sollen also im Amazonasgebiet nach dem Willen der Mehrheit der Bischöfe im Einzelfall verheiratete Männer zum Priesteramt zugelassen werden, weil es Katholiken gibt, die andernfalls jahrelang keinen Zugang zu den Sakramenten haben. Die evangelischen Freikirchen stehen in den Startlöchern, diese Lücke zu füllen, die katholischen Ultras geifern. Und Benedikt, einst eine tragische Gestalt und inzwischen nur noch eine peinliche Figur, lässt sich wieder flugs vor den Karren spannen.

Ratzinger wird in seinem Elfenbeinturm und angesichts seines hohen Alters nicht begreifen können, wie fragil der Fortbestand der katholischen Kirche derzeit überhaupt ist. Einen Gegenpapst kann sie nicht auch noch verkraften.

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