Der groteske Streit um die Plastiktüte im Supermarkt

Peter Toussaint kommentiert.

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Foto: NRZ

Die Umweltministerin will Plastiktüten ab 2020 verbieten. Die Umwelt wird das nicht retten, aber es macht auch nichts kaputt. Alibi-Politik!

Wird mal Zeit, dass der Bürger was Energisches, was Tatkräftiges, was Positives von der nordrhein-westfälischen Bundesumweltministerin in Berlin hört … Das hat sich vermutlich Svenja Schulze auch gedacht und nun einen Gesetzesentwurf für ein Plastiktüten-Verbot ins Spiel gebracht. Die organisierte und medial bestens vernetzte Umweltlobby wird’s bejubeln, schließlich hat sie es lange gefordert.

Ob die Einmischung des Staates, ob das Verabschieden neuer Gesetze und das Drohen mit harten Strafen wirklich notwendig sind, kann man mit guten Gründen bezweifeln. Schließlich hat die Selbstverpflichtung des deutschen Handels große Erfolge erzielt. In den vergangenen vier Jahren ist der Verbrauch an Plastiktragetaschen um fast zwei Drittel zurückgegangen. Die Kunden haben das mitgemacht – wohl nicht nur aus vollem grünen Herzen, sondern eher ihrem Portemonnaie zuliebe, denn die Tütchen kosten inzwischen Geld. Eigentlich ein gutes Beispiel dafür, wie etwas sich in eine gute Richtung entwickelt, ohne dass sich der Staat einmischt.

Da ist arg viel deutsche Öko-Romantik im Spiel

Bei dem Thema ist in Deutschland wie so oft arg viel Öko-Romantik dabei. Selbstverständlich wird sich nie eine vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröte in den Weiten der Ozeane in einer Aldi-Tasche aus Castrop-Rauxel verheddern. Aber weil die Plastiktüte so selbstverständlich zu unserem Alltag gehört, eignet sie sich gut als Projektionsfläche für umweltpolitische Glaubenskämpfe – da ist es auch eher nebensächlich, dass auch so mancher Alternativ-Tragesack durch energieaufwendige Produktion nicht ökologisch unbefleckt daherkommt.

Von einer Umweltministerin darf erwartet werden, dass sie sich mit den großen Themen auseinandersetzt, statt sich mit symbolpolitischem Schnickschnack aufzuhalten. Wann werden die staatlichen Subventionen für viel zu große, viel zu schwere Drecksschleudern aus deutschen Autofabriken gestrichen? Wann wird das Flugbenzin versteuert? Wann werden Stromtrassen für die Windparks durchgesetzt? Und wann sagt uns Svenja Schulze, wie sie die fest zugesagten Klimaziele erreichen will?

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