Klimaschutz

Der „Klimanotstand“ darf keine Showveranstaltung sein

NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet kommentiert.

NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet kommentiert.

Foto: NRZ

Über den Begriff „Klimanotstand“ wird ausgiebig gestritten. Politiker müssen zeigen, dass sie das Thema Klimaschutz wirklich begriffen haben.

In NRW haben jetzt 25 Städte den Klimanotstand ausgerufen. Über den Begriff wurde in vielen Kommunen ausgiebig gestritten. Doch am Ende wird es darauf ankommen, was damit eigentlich wirklich bewegt werden soll. Bislang fällt den allermeisten Städten dazu leider wenig Konkretes ein. Das ist gefährlich, denn Showveranstaltungen oder nicht nachvollziehbare Zusammenhänge belasten nur die Glaubwürdigkeit von Politik und Verwaltung.

Politiker müssen das Thema Klimaschutz wirklich begreifen

Das sieht man zum Beispiel an der Kfz-Steuer. Laut Gesetz soll mit dem vielen Geld repariert werden, was der Autoverkehr an Straßen und Umwelt anrichtet. Doch kein Mensch kann diese Kompensationsleistungen wirklich erkennen. Ähnlich sieht’s beim Soli aus. Anfangs als nötige Aufbauhilfe für den Osten gedacht, wirkt er vor allem in Teilen des Ruhrgebiets nur noch zynisch. Kein Wähler kann das verstehen.

Politiker aller Parteien müssen daher zeigen, dass sie das Thema Klimaschutz wirklich begriffen haben. Das gilt auch für die Diskussion über eine künftige CO2-Steuer. Sie wird nur dann akzeptiert werden, wenn dahinter konkrete Projekte stehen. Nur so wirkt man glaubwürdig.

Viele Menschen haben begriffen, was nötig

Viele Menschen im Land sind da in ihrem persönlichen Handeln schon viel weiter, angespornt auch durch die jugendlichen Proteste. Sie nutzen keine Plastiktüten mehr für den Einkauf, sie vermeiden Müll, essen weniger Fleisch, erledigen kurze Wege mit dem Rad, verzichten auf die chemische Keule im Garten, nehmen nach Berlin lieber die Bahn als den Flieger, und sie leben das alles auch ihren Kindern vor. Das wirkt allemal überzeugender als der erhobene Zeigefinger.Kreis Wesel wählt „Klimaoffensive“ statt „Klimanotstand“

Genauso glaubwürdig müssen die Ideen der Politik sein. Falsch ist es, wenn sie Elektroautos lobt, aber der Strom weitgehend aus Kohlekraftwerken stammt. Überhaupt kann sie das Autofahren oder das Fliegen nicht verteufeln, wenn es keine umweltschonenden Alternativen im Öffentlichen Nahverkehr gibt. Genau hier können die Städte ansetzen, wenn sie es mit dem Klima wirklich ernst meinen. Was nötig ist, haben viele Menschen vor Ort längst begriffen.

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