Streit um Zölibat

Der Machtkampf in der katholischen Kirche

Peter Toussaint kommentiert.

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Foto: NRZ

Ex-Papst Benedikt spricht sich in seinem neuen Buch für den Zölibat aus und mischt sich damit aktiv in den Streit in der katholischen Kirche ein.

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Es ist sieben Jahre her, dass der deutsche Papst sich in den Ruhestand verabschiedete. Die weiße Soutane trägt Benedikt immer noch. Er wird weiter mit „Euer Heiligkeit“ angeredet, und er lebt weiter im Vatikan. Aber es gibt nur einen Papst: Franziskus.

Trotzdem mischt sich der 92-Jährige ein. Das Buch erscheint erst morgen, aber einige Zitate wurden schon veröffentlicht – und die haben es in sich. „Der Zölibat wird zur Grundvoraussetzung dafür, dass unsere Annäherung an Gott die Grundlage unseres Lebens bleibt“, schreibt er über das Priestertum.

Es ist unerheblich, ob der greise Ex-Papst aus eigenem Antrieb in die schwelende Diskussion eingreift – oder ob er von erzkonservativen Bischöfen und Kardinälen instrumentalisiert wird. Klar wird: In der katholischen Kirche tobt ein Glaubenskampf um den richtigen Weg in die Zukunft. Die katholische Kirche tut sich da schwerer als andere, denn sie ringt um einheitliche Lösungen, die auf der ganzen Welt gültig sein sollen. Für regionale Sonderwege ist da wenig Platz.

Ruhrbischof Overbeck will mit den Kirchenmitgliedern über den Zölibat diskutieren

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat am Sonntag ein langes Hirtenwort in allen Kirchen verlesen lassen. Auch da war der Zölibat ein Thema in Zusammenhang mit dem dramatischen Priestermangel: „Deshalb müssen wir danach fragen, ob es auf Dauer wirklich Gottes Wille ist, den priesterlichen Dienst ausnahmslos auf zölibatär lebende Männer zu beschränken...“ Das ist eine revolutionäre These, diplomatisch kaum verschleiert mit einem Fragezeichen.

Overbeck wirft auch die Frage nach Macht und Ämtern für Frauen auf: „Ich sehe mit großer Sorge Verbitterung und wachsenden Zorn vieler Frauen in unserer Kirche, die das alltägliche pastorale Leben entscheidend tragen, während ihnen aber gleichzeitig die wichtigsten Ämter in unserer Kirche niemals übertragen werden sollen.“ Verheiratete Pastoren und Priesterweihe für Frauen – vieles wird nun plötzlich denkbar. „Weil die meisten von uns Bischöfen die Größe der Zeitenwende erahnen“, leitet Overbeck seinen Text ein. Das ist auch als Kampfansage gegen die Konservativen zu verstehen. Auch gegen Ratzinger, den Ex-Papst.

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