Kommentar

Der Terror wird wiederkommen

Foto: Anna Stais / FUNKE Foto Services

Die islamistische Szene wird durch die IS-Gefangenen zusammengehalten und motiviert. Das liegt auch an den Versäumnissen westlicher Regierungen.

Die Razzien gegen mutmaßliche Unterstützer des sogenannten Islamischen Staates zeigen: Die Gefahr des islamistischen Terrors ist längst nicht gebannt. Fanatiker, die mit Gewalt ihre pervertierte Vorstellung von einem gottesfürchtigen Leben herbeibomben wollen, beherrschen nicht mehr die Schlagzeilen, seit das Terror-Kalifat des IS im Irak und in Syrien vernichtet wurde; sie sind aber noch da.

Noch immer verüben Kämpfer des IS im Nahen Osten Anschläge auf Sicherheitskräfte und Zivilisten. In Afghanistan wird die dortige IS-Filiale immer stärker, auch, weil die Welt das Land am Hindukusch und seine Menschen so schmählich im Stich lässt. In der afrikanischen Sahel-Zone beherrschen IS-Anhänger und andere Dschihadisten ganze Regionen.

In Deutschland ist es derzeit vor allem das Schicksal der gefangenen Islamisten, das die Szene zusammenhält, bestärkt und rekrutieren lässt. Im Nordosten Syriens sitzen Zehntausende IS-Mitglieder und ihre Angehörigen unter prekären Bedingungen in Haftanstalten und Camps wie Al-Hol ein. Die am Mittwoch festgenommenen sieben mutmaßlichen IS-Sympathisanten sollen Geld zur Unterstützung dieser Gefangenen gesammelt haben.

Dass die Gefangenen zu einem wirkmächtigen Symbol für die Szene werden konnten, liegt auch an den Versäumnissen westlicher Regierungen. Seit Jahren bittet die kurdisch dominierte Selbstverwaltung in Nordost-Syrien inständig, aber meist vergebens darum, ausländische Gefangene zu repatriieren.

Weil Länder wie Deutschland sich weigern, alle eigenen Staatsbürger zurückzuholen und sie in der Heimat zur Rechenschaft zu ziehen, sind Camps wie Al-Hol zu Pulverfässern geworden, in denen eine neue Generation von Dschihadisten aufwächst. Dass die Gefangenen dort verrotten, spornt die Szene hier an. Irgendwann wird das Pulverfass explodieren.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Terror wieder in Europa zuschlägt.

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