Regeln für Schlachthöfe

Es muss nicht jeden Tag ein Schnitzel sein

Jan Jessen kommentiert.

Jan Jessen kommentiert.

Foto: NRZ

Schlachthöfe sollen strengere Regeln bekommen, um Mitarbeiter vor Ausbeutung zu schützen. Das ist nicht das einzige Problem der Fleischindustrie.

Für Menschen, die wegen der Corona-Krise über ein geringeres Einkommen verfügen, wird diese Nachricht eine gute sein: Der Discounter Aldi will die Preise für Wurstprodukte massiv senken und macht entsprechenden Druck auf die Fleischbranche. Tatsächlich aber zeigt diese Nachricht ein Dilemma auf, das schwer zu lösen ist. Niedrige, ja skandalös tiefe Preise für Lebensmittel, in diesem Fall: für Fleisch, haben Konsequenzen. Sie verfestigen den Trend zur Massentierhaltung, in der Tiere leiden und die mitverantwortlich ist für die Ausbreitung krankmachender Keime und die Erhöhung des Ausstoßes von klimaschädlichen Treibhausgasen. Niedrige Preise kann es nur geben, wenn Menschen in der Fleischproduktion ausgebeutet werden.

Auf der anderen Seite ist die Forderung nach Mindestpreisen für Fleisch schnell erhoben, wenn man wie Grünen-Chef Robert Habeck keine finanziellen Sorgen hat. Natürlich sind Appelle für einen bewussteren Konsum insbesondere von Fleischprodukten richtig. Es muss nicht jeden Tag ein Minuten-Schnitzel in der Pfanne brutzeln. Richtig ist auch, dass der Handel in die Verantwortung genommen wird und die kalten, ja gewissenlosen Mechanismen des Marktes durchbrochen werden. Es gibt keine Verpflichtung dazu, ein Kilo Gehacktes zu einem Dumpingpreis von fünf Euro anzubieten.

Ökologische Frage und Tierwohl sind untrennbar verknüpft mit der sozialen Frage

Es gibt aber aktuell mehr denn je Haushalte, die knapp bei Kasse sind und in denen die Erleichterung über Preissenkungen groß sein wird. Die ökologische Frage und die Frage des Tierwohls sind untrennbar verknüpft mit der sozialen Frage. In einer Gesellschaft, in der Einkommen und Vermögen gerechter verteilt sind, lässt es sich leichter über die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln sprechen, weil sich die dann jeder leisten kann.

Das Verbot von Werkverträgen für Beschäftigte in Schlachthöfen, das nun die Regierung beschlossen hat, ist nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Theoretisch kann es der unwürdigen modernen Sklaverei einen Riegel vorschieben. Praktisch drohen aber eine durch erhöhten Druck auf die Landwirte verursachte Verschärfung der Massentierhaltung und eine Abwanderung der Produktion ins Ausland, wenn das Preisniveau für Fleischprodukte nicht insgesamt angehoben wird.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben