Zustand der CDU

Friedrich Merz ist ein Risiko für die Union

Peter Toussaint kommentiert.

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Foto: NRZ

Die ersten CDU-Politiker kommen aus der Deckung und machen sich für Friedrich Merz als CDU-Chef und Kanzlerkandidat stark. Warum nur?

Es kommt einem in den Sinn, den Reim aus der alten Kölner Heinzelmännchen-Geschichte umzuwandeln: „Wie war es bei uns doch vordem – mit Volksparteien so bequem ...“ Die Mehrheiten waren noch stabil und einfach zu bilden. Die FDP koalierte mal mit dem einen oder mal mit dem anderen Großen. So ging das gut, bis die SPD als erste Volkspartei angezapft wurde – erst von den Grünen, dann von den Linken. Droht jetzt der CDU das gleiche Schicksal?

Die AfD knabbert am konservativen Rand der CDU. Rechts von der Union dürfe nur noch die Wand sein, hat einst CSU-Übervater Franz Josef Strauß gesagt. Seine Forderung: Die Union müsse nach rechts alles integrieren, was nicht verfassungsfeindlich und rechtsradikal ist.

Das ganze Spektrum – von Alfred Dregger bis zu Norbert Blüm

Das ist CDU und CSU lange gelungen, weil es stets wertkonservative Bannerträger gab, auch in der Riege der Minister und Ministerpräsidenten. Und links fischten die von der katholischen Soziallehre inspirierten „Herz-Jesu-Marxisten“ vom Schlage eines Norbert Blüm im Forellenteich der Sozialdemokratie. Finden Wähler in einer solch großen Bandbreite heute keine Heimat mehr? Die sinkende Bereitschaft, sich mit Kompromissen anzufreunden, steht der Idee der Volkspartei im Weg.

Angela Merkel hat die CDU nach links verschoben. Abschaffung der Wehrpflicht, Ehe für alle, Mindestlohn und Öffnung der Grenze für Flüchtlinge waren für die Konservativen in der CDU eine schwer verdauliche Kost. Aber sie hat der CDU Mehrheiten in der Mitte gesichert. Die geraten jetzt in Gefahr, weil die AfD immer stärker wird.

In der Mitte könnten viele Wähler verloren gehen

Die Konservativen setzen auf Friedrich Merz. Er soll die Wähler von der AfD zurückholen. Ein Rätsel, warum so viele CDUler große Stücke auf ihn setzen. Lange war er weg, hat als Wirtschaftslobbyist viel Geld gemacht. Zwei enttäuschend schwache Reden hat er bei Bundesparteitagen abgeliefert, wo doch eigentlich Großartiges angekündigt worden war. Als AKK jetzt strauchelte, auch mit seinem Zutun, hat er rasch seinen Posten beim Vermögensverwalter Blackrock gekündigt. Er will unbedingt Kanzler werden. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht.

Mag sein, dass er am rechten Rand Stimmen für die CDU zurückgewinnt. Aber das Risiko ist groß, dass er in der linken Mitte viel mehr Wähler verliert. Die Sorge davor ist in der Union Armin Laschets stärkster Trumpf im Rennen um die Kanzlerkandidatur.

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