Clankriminalität

Keine politische Schauveranstaltung

Jessen Kommentarbild

Jessen Kommentarbild

Foto: Stryewski

Der Kampf gegen kriminelle Elemente in türkisch-arabischstämmigen Familienverbänden ist wichtig und wirkt. Er hat aber auch Schattenseiten.

Bei der bundesweit ersten Vorstellung eines Lagebilds zur sogenannten Clankriminalität demonstrierte Landesinnenminister Herbert Reul einmal mehr Entschlossenheit. Man „schwurbele“ nicht mehr länger herum, sondern handle.

Der Kampf gegen die kriminellen Elemente in türkisch-arabischstämmigen Familienverbänden ist das Thema, das sich Reul zu eigen gemacht hat, so wie sein Vorgänger Ralf Jäger sich den Kampf gegen kriminelle Rocker auf die Fahnen geschrieben hatte.

Kein Vertun: Das ist nicht nur eine politische Schauveranstaltung. Die Sicherheitsbehörden haben in Kooperation mit den Kommunen speziell im Ruhrgebiet, mit dem Zoll und anderen Behörden in den vergangenen Monaten in der Szene für einige Unruhe gesorgt.

Regelmäßige Razzien sind schlecht fürs Geschäft und wirken: Polizisten berichten, dass die Staatsverachtung und das Machogehabe früherer Tage nicht mehr so offensiv zur Schau getragen werden.

Trotzdem ist der Staat weit entfernt davon, einen wirklich tiefen Einblick in die Strukturen der hermetisch abgeschotteten Familienverbünde zu bekommen. Das zeigt auch das Lagebild, das eine Fleißarbeit darstellt, aber allenfalls an der Oberfläche kratzt.

Die Repression hat zudem eine Kehrseite: Obwohl die Behörden immer wieder betonen, dass die Mitglieder der Familien nicht in Sippenhaft genommen werden dürften, geschieht genau das.

Wer einen bestimmten Nachnamen trägt, hat es häufig schwer auf dem lokalen Arbeitsmarkt, obwohl die Mehrheit der Mitglieder der unter öffentlicher Beobachtung stehenden Familienverbände nicht kriminell ist.

Junge Menschen, die die kriminellen Machenschaften ihrer Verwandten ablehnen, berichten von frustrierenden Erlebnissen bei der Jobsuche.

Das birgt die Gefahr weiterer Abschottung. Was als Parallelwelt angesehen wird, konnte sich auch deswegen entwickeln, weil diese Familien schon in ihren Herkunftsländern als unerwünscht galten und hier in Deutschland keine Heimat finden konnten.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben