Kommentar

Lockdown: Warum drei Wochen Einsperren keine gute Idee ist

NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet kommentiert.

NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet kommentiert.

Foto: NRZ

Ab Montag gilt für alle Schüler in NRW der Distanzunterricht. Die Schulministerin lässt mit dieser Entscheidung viele Alternativen links liegen.

„In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten“ hat der kluge Albert Einstein einmal gesagt. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer lässt leider die vielen Möglichkeiten, die Schulen in schwierigen Zeiten haben, einfach links liegen. In den nächsten drei Wochen gibt es nichts anderes als Distanzunterricht, hat sie angeordnet.

Ohne Rücksicht darauf, dass es doch gute Ideen und Konzepte in nahezu allen Schulen gibt, die einen klugen Mix aus Präsenz und Distanz anbieten. Sie nutzt nicht das Engagement und die Kreativität vieler Lehrerinnen und Lehrer.Es ist phantasielos und zu starr gedacht, wenn die Schüler bis zum 31. Januar die Schulen nicht mehr von innen sehen.

Dürfen sie dann noch nicht einmal ihre Zeugnisse abholen? Warum wartet Gebauer nicht den 16. Januar ab, wenn das RKI genauere Zahlen über das Infektionsgeschehen vermelden kann? Wenn die Lage dann weiter schlimm sein sollte, muss weiter auf Abstand gelehrt werden. Wenn aber nicht, dann sollte es auch wieder Unterricht im Klassenzimmer geben. Natürlich mit Maske und Abstand. Zumal gerade für die schwächeren Schüler (die oft aus benachteiligten Familien stammen) der Präsenzunterricht nicht zu ersetzen ist.

Verlängerter Lockdown in den Schulen ist für alle Beteiligten belastend

Überhaupt nicht im Blick hat Gebauer die vielen Berufsschüler in NRW, deren Prüfungstermine früher als die von anderen Schülern liegen und deren Unterrichtsinhalte eben nur selten im Fernunterricht vermittelt werden können. Die Arbeit an der Drehbank oder im Labor muss praktisch und vor Ort erfolgen.Und noch was: Die jungen Menschen kommen nun so gut wie gar nicht mehr vor die Tür.

Das ist keine gute Nachricht und auf Dauer für alle Beteiligten belastend. Wenn selbst ein Ausflug in den Schnee den medialen Zorn und politischen Eifer auslöst, dann stimmt etwas nicht mehr. Kein Missverständnis: Es geht nicht um die Missachtung von Abstands- und Hygieneregeln. Aber gerade die Kinder und Jugendlichen nur noch einzuhegen und via Bildschirm zu beschulen, ist für die nächsten drei Wochen keine gute Idee.

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