Kommentar

Manager-Phantasien auf dem Rücken der Beschäftigten

Ein Kommentar von NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet.

Ein Kommentar von NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet.

Foto: NRZ

Thyssenkrupp kommt nicht zu Ruhe. Nach dem Desaster in den Sümpfen von Brasilien sind die Mitarbeiter in großer Sorge. Tausende Stellen fallen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Als Thyssen-Krupp 2017 den Bau seines Stahlwerks in Brasiliens Sümpfen abschreiben musste, da sprach man vom größten Desaster in der Geschichte des Traditionsunternehmens. Acht Milliarden Euro wurden damals versenkt, weil Manager unvernünftig handelten. Die Zeche zahlten damals viele Mitarbeiter, ihr Arbeitsplatz war weg. Niemand ahnte, dass es noch schlimmer kommen könnte.

Vorstand und Aufsichtsrat versprachen damals die große Wende. Chef Heinrich Hiesinger galt als Heilsbringer. Doch nicht nur aus Geldsorgen verkaufte er die Edelstahlsparte, was zur Schließung des Werks in Krefeld führte. Er wollte vom übrigen Stahlgeschäft nichts mehr wissen.

Als Hiesinger im vergangenen Jahr Hals über Kopf die Flucht ergriff, gefolgt vom Aufsichtsratsvorsitzenden, da waren Tausende Arbeitnehmer erneut in Unruhe. Denn Nachfolger Guido Kerkhoff kam mit der Idee, den Konzern aufzuspalten. Dass dafür allein eine knappe Milliarde Euro nur an Nebenkosten anfallen sollten, machte schon viele stutzig. An der Fusion mit Tata hielt er fest.

Gefordert ist auch die Landesregierung

Dass Kerkhoffs Pläne nun zerplatzt sind, lässt die Mitarbeiter wieder zittern. Die mit der IG Metall ausgehandelte Job-Garantie bis 2026 ist dahin. Und nur Minuten nach der Absage von Fusion und Aufspaltung hatten die Manager parat, dass nun Tausende Stellen fallen müssen. - Wer soll in diesem Chaos einen Plan erkennen? Verständlich, das die Beschäftigten die positiv klingenden Botschaften nicht mehr glauben wollen. Die Zukunft des Konzern ist ungewiss.

Thyssenkrupp steht nicht allein vor großen Umbrüchen. Gleich nebenan verabschiedet sich Siemens von der einst stolzen Kraftwerkssparte. Viele qualifizierte und gut bezahlte Arbeitsplätze fallen weg. Für unsere Industrieregion mit ihren finanziell eh gebeutelten Städten sind das keine guten Nachrichten.

Gefordert ist daher auch die NRW-Landesregierung. Wer von Strukturwandel spricht, muss auch aktiv mitgestalten.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben