Missbrauchs-Studie

Monströses Ergebnis

Michael Minholz kommentiert

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Michael Minholz kommentiert

Der Missbrauch durch katholische Priester hat monströse Ausmaße. Die Kirche muss nun endlich klar machen, wie sie dem Problem Einhalt bieten will.

Legt man die nachweisbaren Taten auf den Untersuchungszeitraum um, dann reden wir von 54 Missbrauchsfällen pro Jahr, in die ein katholischer Priester in Deutschland verwickelt war. Monströs ist das einzige, was einem zum Ergebnis der Studie zu den sexuellen Übergriffen durch Kleriker einfällt. Zumal zwischen den Zeilen der Forscher nachzulesen ist, dass die belegten Fälle vermutlich nur einen Teil der schlimmen Wahrheit ausmachen. Viele Übergriffe wurden aus Scham und Angst gar nicht erst angezeigt.

Als vor acht Jahren die Debatte um Missbrauch in der katholischen Kirche richtig hochkochte, hat die Kirchenleitung immerhin reagiert und ließ diese Vergangenheit aufarbeiten. Die Bischöfe tragen seither auch vor sich her, dass sie sich dafür schämen.

Aber an den Strukturen und Handlungsweisen hat sich laut Studie wenig verändert. Priester, die sich an Kindern vergangen hatten, wurden oft nur versetzt statt angezeigt. Intern regeln, unter der Decke halten, hat immer noch vielfach Priorität. Bis heute.

Die Bischöfe haben nun eine Chance für einen Neuanfang. Sie müssen deutlich machen, wie durchaus vorhandene Präventionsprogramme besser umgesetzt werden können, wie man übergriffige Priester effektiver aufspüren und bestrafen lassen will. Dass der Chefaufklärer, Bischof Stephan Ackermann, sich gestern per Pressemitteilung zuvorderst über die Vorabveröffentlichung der Studie verärgert zeigte, legt nahe, dass er jedenfalls nicht verstanden hat, worum es eigentlich geht.

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