55 Jahre Elysée-Vertrag

Neuer Schwung für diese Freundschaft

NRZ-Redakteur Stefan Endell.

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Warum wir im 55. Jubiläumsjahr des Elysée-Vertrages eine Fortschreibung dieses Jahrhundertvertrages gut gebrauchen könnten, erklärt NRZ-Redakteur Stefan Endell.

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Mehr als ein halbes Jahrhundert ist der Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit, kurz „Élysée-Vertrag“, nun alt, und jetzt gehen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages untergehakt mit den Kollegen der französischen Nationalversammlung her und fordern in einer gemeinsamen Erklärung eine veritable Neuauflage dieses Vertrages. Schon alleine diese erfrischende Initiative der Parlamente ist nur möglich, weil Deutsche und Franzosen schon eine so lange Strecke der Versöhnung und des Vertrauens gemeinsam zurückgelegt haben. Die Freundschaft begann in den 50er- und 60er-Jahren mit den Städtepartnerschaften, besiegelt wurde sie mit der berühmten Umarmung der beiden betagten Staats- und Regierungschefs.

Aber ist denn der Élysée-Vertrag des Jahres 1963 heute nicht mehr tragfähig? Brauchen wir etwas Neues? Der Élysée-Vertrag war das Ergebnis einer Politik von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle. Beide sind nicht mehr auf dieser Welt. Damals ging es um die Situation, so wie man sie damals gesehen hat. Heute haben wir eine globalisierte Welt, in der alles anders aussieht als in der Welt von 1963. Wenn man Deutschland und Frankreich heute als den „Motor für eine Erneuerung“, für eine Vertiefung des großen Projektes Europa versteht, dann brauchen wir heute tatsächlich auch etwas Neues.

Neuer Élysée-Vertrag mit klarer Vision

Wir brauchen einen neuen Élysée-Vertrag, gestützt auf die Versöhnung und das Vertrauen der Väter, der eine klare Vision von der Welt der Kinder und Enkel hat. Deutsch-französische und somit auch europäische Zukunftsthemen gibt es ja genug: die Digitalisierung, der deutsch-französische Wirtschaftsraum, die E-Mobilität, die bilingualen Schulklassen, die Infrastruktur in den Grenzregionen – aber auch eine einheitliche Asylpolitik, gemeinsame Bekämpfung von Fluchtursachen und und und.

Die gestern verabschiedete Resolution der Parlamente ist aber nicht nur ein Handlungsauftrag an die Regierungen, sondern sie ist auch ein Impuls an die Zivilgesellschaft in Frankreich und Deutschland. Die Politiker beider Parlamente fordern die Regierungen auf, in diesem Jahr 2018 die Bürger zur Zukunft von Europa zu befragen. Bürgerkonvente, so das Stichwort. Das Netzwerk der über 2200 deutsch-französischen Städtepartnerschaften soll hier behilflich sein. Heute wie 1963 gilt nach wie vor: Ohne zivilgesellschaftliches Fundament wird Politik keine nachhaltigen Erfolge erzielen. Also frisch ans Werk, allons-y!

Stefan Endell ist NRZ-Redakteur in Duisburg und das für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Vorstandsmitglied der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa.

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