Pflege braucht mehr als nur bessere Bezahlung

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Der Bedarf an Pflegekräften wird steigen. Es reicht aber nicht, nur den Beruf attraktiver zu machen. Es braucht auch Innovationen in der Pflege.

Prognosen, die weit in die Zukunft reichen, haben häufig etwas von einem Blick in die Kristallkugel. So ist das auch bei der Entwicklung der Pflege und der Frage, ob sich Deutschland sehenden Auges in Richtung Pflegenotstand bewegt. In zwanzig Jahren soll es allein in NRW eine Million Pflegebedürftige geben, schreibt die AOK. In dreißig Jahren werde eine Million Pflegende gebraucht, um den Bedarf zu decken.

Richtig ist: Der Pflege wird heute nicht die Wertschätzung zuteil, die geboten wäre. Vergleichsweise geringes Gehalt, wenig Aufstiegschancen, dafür viel Verantwortung und Stress. Es ist nicht verwunderlich, dass noch immer weit unter Bedarf ausgebildet wird. Der Beruf muss attraktiver werden, und dazu gibt es derzeit in der Pflegeberufreform die richtigen Ansätze.

Neben der Generalisierung der Ausbildung und der Schaffung von Ausbildungsplätzen für Assistenzkräften braucht es aber auch die Ausweitung von Fortbildungsmöglichkeiten, und die Schaffung neuer Kompetenzen für Pflegende. So bindet man auch junge Menschen mit ehrgeizigen Karriereplänen.

Eine Million professionell Pflegende wird es aber auch in dreißig Jahren nicht geben. Das wird vermutlich, trotz aller Kassandra-Rufe, nicht nötig sein. Die Pflege wird sich in den kommen Jahrzehnten deutlich verändern. Moderne Technik wird immer häufiger zum Einsatz kommen und Pflegende entlasten. Stichwort: Robotik. Die Digitalisierung wird möglicherweise dazu beitragen, den bürokratischen Wust zu minimieren, mit dem sich Pflegende derzeit herumplagen müssen. Nicht zuletzt wird der medizinische Fortschritt vielleicht dazu beitragen, dass nicht mehr so viele Menschen wie bislang im Alter pflegebedürftig werden.

Gleichwohl sollten die Alarmsignale nicht einfach ignoriert werden. Mit einer höheren Attraktivität des Pflegeberufes allein ist es allerdings nicht getan. Pflegende Angehörige brauchen deutlich mehr Unterstützung als jetzt, auch finanzielle.

Neue Formen des Zusammenlebens müssen stärker gefördert werden; wenn mehrere Generationen unter einem Dach leben, ist häusliche Pflege auch jenseits von Familienstrukturen vorstellbar.

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