Bildungspolitik

Pisa – oder: Die Schieflage nimmt wieder zu

NRZ Redakteur Stephan Hermsen kommentiert die neueste Pisa-Studie.

NRZ Redakteur Stephan Hermsen kommentiert die neueste Pisa-Studie.

Foto: Kitschenberg

Die neueste Pisa-Studie zeigt: Deutschland fällt im internationalen Vergleich wieder zurück. Aber wundert das eigentlich irgend jemanden?

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Wer zum Zeitpunkt der ersten Pisa-Studie geboren wurde, hat mittlerweile Abitur: Vor 18 Jahren musste das Land der Dichter und Denker fahren, dass es eine Nation der Diskutierer und Debattierer geworden war.

Und heute? Diese Tendenz hat in wieder zugenommen. Der erste Pisa-Schock hatte noch dazu geführt, dass das Bildungssystem hinterfragt wurde, weil klar war: So, wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen. Die Ergebnisse sind beachtlich. Deutschland hat sich im OECD-Schnitt deutlich verbessert.

Allen Sonntagsreden zum Trotz wird der Bildungsspagat immer größer

Indes: Die Tendenz ist bedenklich. Mittlerweile gehen die absoluten Werte wieder zurück, in Sachen Lesekompetenz und mathematisch-naturwissenschaftlicher Kompetenz sinken die gemessenen Leistungen wieder. Und was noch weitaus bedenklicher ist: Allen Sonntagsreden zum Trotz wird der Bildungsspagat immer größer: Wer es einmal aufs Gymnasium geschafft hat, wer ein Elternhaus mit hoher Bildungs- und Sozialkompetenz hat, dessen Lernerfolge sind ziemlich sicher auch im internationalen Vergleich gut.

Dass der Bildungserfolg eben nicht von der Schule, sondern wesentlich vom Elternhaus beeinflusst wird, ist allerdings der fortdauernde Skandal. Hinzu kommt: Die Lehrenden – von den Professoren an den Hochschulen bis zu den Referendaren – können weder von der Ausbildung noch von ihrer eigenen Bildungsbiografie den veränderten Bedingungen in den Klassenzimmern Rechnung tragen.

Lehrermangel macht vor allem den schwierigen Schulstandorten zu schaffen

Außerdem: Der zunehmende Lehrermangel trägt dazu bei, dass die Pädagogen sich die Schulen aussuchen können und gerade an schwierigen Standorten der Mangel an guten Lehrenden besonders groß ist und weiter wachsen wird.

Der Abwärtstrend bei der Pisa-Studie, der jetzt sichtbar ist, wird weiter zunehmen, wenn da nicht entscheidend gegengesteuert wird. Dazu bräuchte es zur Abwechslung mal Denker und Lenker.

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