Kommentar

Rente mit 63? Länger arbeiten, nicht kürzer!

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NRZ-Kommentar_von Peter Toussaint

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Foto: Peter Toussaint / funkegrafik nrw

Viel mehr Menschen als gedacht nutzen die Möglichkeit, nach 45 Jahren früher in Rente zu gehen. das bringt Probleme mit sich.

Wer 45 Jahre gearbeitet hat, hat es sich verdient, in Rente zu gehen. Wer würde da widersprechen. Die Frage ist, ob wir es uns leisten können, dass viele schon mit 63 aufhören zu arbeiten – obwohl sie eigentlich noch fit genug wären, um bis 67 weiterzumachen.

Wer sich mit 63 Jahren abschlagsfrei von seinen Kolleginnen und Kollegen verabschieden möchte, muss mit 18 angefangen haben, in die Rentenkasse einzuzahlen. Wenn es darum geht, die Regelung als soziale Errungenschaft zu preisen, wird dann gerne auf den Dachdecker verwiesen, dem es nach jahrzehntelangem Abmühen kaum noch zuzumuten sei, auf dem First herumzubalancieren. Aber längst nicht alle sind körperlich und mental ausgelaugt. Aber wer so lange „an der Schüppe“ war, dem winkt in der Regel eine ordentliche Rente, weshalb die Verlockung groß ist, sich zwei, drei oder vier Jahre früher zur Ruhe zu setzen.

Die Dauer des Rentenbezugs steigt ständig weiter an

Auf der anderen Seite der Gleichung steht: Die Deutschen werden immer älter. Ohnehin steigt die Dauer des Rentenbezugs ständig weiter an. Das ist schön für jeden einzelnen Rentenbezieher. Das ist schlecht für die Rentenversicherung, die sehen muss, wo sie das Geld herbekommt. Und das ist schlecht für die junge Generation, die nun das Geld für die in die Jahre gekommenen Babyboomer aufbringen muss – ohne sicher sein zu können, dass sie noch eine gute Rente bekommt, wenn sie dann mal dran ist. Man wird ja das Gefühl nicht los, dass wir in Zukunft in Deutschland mehr und länger werden arbeiten müssen. Es wird schwierig für eine Volkswirtschaft, international konkurrenzfähig zu bleiben, wenn der Wunsch nach einer freizeitorientierten Work-Life-Balance weiter um sich greift. Das Geld, das der Staat für Renten, Sozialleistungen, Schulen, Kitas und Straßen ausgibt, muss ja erst mal jemand erwirtschaften.

Derzeit werden 1,2 Millionen Arbeitskräfte gesucht, davon zwei Drittel Fachkräfte. Zur Lösung des Problems trägt es wenig bei, wenn immer mehr Menschen immer früher in Rente oder in Pension gehen.

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