Schulen in schwieriger Umgebung brauchen Hilfe

Peter Toussaint kommentiert.

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Foto: NRZ

20 Schulleiter klagen über fehlende Unterstützung und sprechen von „Apartheid“. Sozial benachteiligte Kinder hätten keine Chance auf gute Bildung.

Es ist schon ungewöhnlich, was gestern in Düsseldorf passierte. 20 Schulleiter meldeten sich zu Wort, um auf die Probleme ihrer Schulen in einem schwierigen Umfeld aufmerksam zu machen. Das ist in sofern bemerkenswert, als dass Schulämter, Regierungspräsidien und Schulministerium es gar nicht mögen, dass sich das Personal vor Ort mit Kritik an die Öffentlichkeit wendet. Schließlich sind Beamte zu Gehorsam gegenüber dem Staat verpflichtet.

Erstaunlich ist die Initiative auch deshalb, weil Schulleiter in der Regel bemüht sind, Probleme an ihrer Schule unter den Teppich zu kehren. Berichte über schwierige Zustände sorgen ja eher dafür, dass Eltern aus dem bürgerlichen Milieu ihre Kinder an anderen Schulen anmelden – was wiederum die Schieflage bei der sozialen Durchmischung einer Schule verstärkt.

An manchen Schulen sprechen 80 Prozent der Kinder zu Hause kein Deutsch

Der Leidensdruck muss also groß sein, wenn Schulleiter sich nun an die Öffentlichkeit wenden. Es sind „nur“ 20, aber man kann davon ausgehen, dass das, was gestern sichtbar wurde, nur die Spitze eines Eisbergs ist. Denn die Situation haben wir ja schon oft beschrieben: Es gibt Grundschulen, an denen Kinder aus 30 Nationen unterrichtet werden. An manchen Schulen sprechen 80 Prozent der Kinder zu Hause nicht deutsch, in oft viel zu großen Klassen an Gesamt- und Sekundarschulen sitzen bis zu drei Kinder mit besonderem Förderbedarf, die früher in Förderschulen intensiv betreut wurden.

Es spricht sich bei den Bewerbern für den Schuldienst schnell herum, dass es bequemer ist, Kinder in gutbürgerlichen Vierteln zu unterrichten. Wo die Mieten hoch sind, sprechen fast alle Deutsch, und die Kinder werden zu Hause gefördert und zum Lernen angehalten. Kein Wunder also, dass in schwierigen Vierteln freie Stellen lange unbesetzt bleiben, weil viele Lehrer kein Interesse haben, sich für solche Arbeitsplätze zu bewerben.

Das Wort von der „Apartheid“ ist eine polemische Zuspitzung und historisch arg unsensibel. Allerdings macht es das Problem deutlich und weist den einzig gangbaren Weg: Schulen in schwieriger Umgebung brauchen mehr Lehrer, Sozialarbeiter und Inklusionshelfer als das Gymnasium im Villenviertel.

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