GRÜNE

Sie wollen nur noch „Realos“ sein

NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet kommentiert

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Die Personaldebatte bei den Grünen macht klar: Die Flügelkämpfe von früher sind Vergangenheit. Sie wollen die Klischees hinter sich lassen.

Es ist schon ein wenig tragisch: Da sondieren die Grünen mit Union und FDP fast bis zur Selbstaufgabe, damit das erste „Jamaika“-Bündnis der Bundesrepublik zustande kommen kann – und dann macht ihnen FDP-Lindner alles kaputt. Damit konnten auch sie nicht rechnen.

Doch es war erstaunlich, wie gefasst die Parteibasis den Dämpfer verkraftete; Vorwürfe gegen die Verhandlungsführer blieben aus. Genauso unaufgeregt wechseln die Grünen nun ihr Führungspersonal aus. Die Zeiten, in denen sich „Fundis“ und „Realos“ knüppelhart beharkten und die Spitze nach Flügel-Proporz auswählten, scheinen vorbei. Die Grünen geben sich verantwortungsvoll und staatstragend, da könnte sich manch andere Partei etwas von abschauen.

Simone Peter und Cem Özdemir haben den Platz frei gemacht für Robert Habeck aus dem Norden und Annalena Baerbock aus Brandenburg, beide gehören dem Realoflügel an. Der linken Niedersächsin Anja Piel werden wenig Chancen zugerechnet. Zwei Realos, das stellt prinzipiell einen grundlegenden Wandel dar.

Allerdings scheint diese Bezeichnung nicht mehr zeitgemäß. Denn die Grünen lassen sich nicht mehr in Schubladen stecken; die Zeit der Klischees wollen sie hinter sich lassen. Dennoch: Sie stellen nun nur die kleinste Oppositionsfraktion im Bundestag. Hier werden sie ihre neue Rolle finden müssen. Dass sie offen für eine Minderheitsregierung sind, ist aller Ehren wert. Die Frage ist, ob dies die Wähler im Falle einer Neuwahl auch belohnen würden.

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