Angela Merkel krank?

Über das Zittern der deutschen Bundeskanzlerin

Peter Toussaint kommentiert.

Peter Toussaint kommentiert.

Foto: NRZ

Angela Merkel hat wieder bei einem offiziellen Termin am ganzen Körper gezittert - zum dritten Mal. Viele fragen jetzt nach ihrer Gesundheit.

Angela Merkel ist CDU-Politikerin, sie ist Bundeskanzlerin. Über das, was sie tut, kann man mit guten Gründen streiten. Aber abseits aller Funktionen ist die 64-Jährige zuallererst ein Mensch. Wie wir alle hat sie gute Tage und auch mal schlechte. Wie wir alle fühlt sie sich oft fit und manchmal auch krank. Aber etwas ist grundsätzlich anders: Auf uns sind keine Kameras gerichtet, wenn wir mal Zeichen von Schwäche zeigen.

Während des Abspielens der Nationalhymne beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten war plötzlich wieder dieses Zittern zu sehen. Es war das dritte Mal in kurzer Zeit. Ihr Umfeld beruhigte die Öffentlichkeit sofort wieder und betonte, dass es ihr gut gehe.

Ist das ein Thema für die Medien? Geht es die Öffentlichkeit etwas an, wie gesund oder wie krank eine Politikerin ist? Jeder Praktikant hat einen Anspruch darauf, dass der Chef nichts über seine Krankheit erfährt. Das ist Privatsache. Bei Politikern ist es das nicht. Das weiß auch Angela Merkel. Sie könne die Frage nach ihrer Gesundheit verstehen, sagte sie Journalisten nach ihrem Zitteranfall beim Gipfel in Osaka – und sagte dann nichts.

Politiker müssen ein kräftezehrendes Programm absolvieren

Politiker, dazu zählen auch Bürgermeister, stehen unter enormem Druck, absolvieren oft ein kräftezehrendes Mammutprogramm. In der Öffentlichkeit wollen, müssen sie stark dastehen. Wenn’s geht, verschieben sie Eingriffe in die Sommerpause. Nur wer gesund und stark ist, gilt auch als politisch tatkräftig. Diese ungeschriebene Regel des politischen Geschäfts ist erbarmungslos. Und sie ist unmenschlich, weil Schwäche und Krankheit zum Leben gehören. Niemand ist unverwundbar. Keiner ist Superman. Keine ist Superwoman. Auch eine noch so starke Bundeskanzlerin nicht.

Weil das so ist, ist es auch nicht schlimm, dass wir Angela Merkel zittern sehen. Vermutlich könnte sie mehr Ruhe brauchen, als sie sich jetzt nehmen kann. Und vielleicht setzt die Sorge vor einem erneuten Zittern sie bei solchen Empfängen nun zusätzlich unter Druck. Hoffentlich kann sie sich in den kommenden Wochen mal eine Auszeit zur Entspannung nehmen, mal für ein paar Tage nicht Bundeskanzlerin, sondern einfach nur Mensch sein. Ich wünsche schöne Ferien!

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