Verkehrsplanung

Stadtplaner, vergesst die Fußgänger nicht!

Denise Ludwig kommentiert.

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Foto: Kerstin Bögeholz / Funke

Was der eine gewinnt, muss der andere verlieren: Der Kampf um den Platz auf der Straße ist im vollen Gange.

Es ist Sommer, wir sitzen gern draußen im Café oder Restaurant – und damit nicht selten auf dem Gehweg. Schön für den einen, ein Hindernis für den anderen. Wenn die betagte Dame mit dem Rollator oder die Mutter mit Kinderwagen erst Stühle, Tische und Werbetafeln umkurven muss, ist die Lust am Laufen schnell verflogen.

Lange Zeit haben die Städte die Interessen der Fußgänger aus dem Blick verloren. Dabei braucht man nicht einmal Absicht zu unterstellen. Fußgänger kommen in der Regel „irgendwie“ an Hindernissen vorbei, huschen noch schnell irgendwo durch.

In Zeiten, in denen wir über Fahrverbote, begrenzte Flächen in den Städten und über den Klimawandel diskutieren, entdecken die Städte auch die Fußgänger wieder.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Es ist die natürlichste aller Fortbewegungsarten, hält Körper und Geist fit, kostet nichts und schont die Umwelt. Am Rande: Kein Fortbewegungsmittel kommt ohne Fußverkehr aus – sei es der Weg zur Bahn oder vom Parkplatz zum Büro.

Fußgänger sind gefährdet

Zur Wahrheit gehört aber auch: Fußgänger zählen zu den gefährdeten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone, werden beim Abbiegen oder Überqueren von Straßen vor allem in der dunklen Jahreszeit übersehen.

Wollen Städte mehr Fußgänger auf die Straße bringen, muss zuvorderst die Sicherheit stimmen. Dazu gehören ausreichend breite Fußwege, auf denen auch zwei Spaziergänger mit Rollator Platz finden. Dazu gehören Gehwege, die frei von hochstehenden Pflastersteinen, Schlaglöchern oder hohen Bordsteinen sind. Manche Städte richten Strecken für Spaziergänger ein, die den Blick nicht vom Smartphone nehmen. Auf dem Boden aufgemalte Pfeile oder Linie weisen ihnen dann die Richtung.

Aber: Wer Fußgänger in den Blick nimmt, muss anderen etwas wegnehmen. Es ist davon auszugehen, dass Städte nicht unbedingt bei der Fahrradfreundlichkeit sparen werden, weil auch die zur nachhaltigen Mobilität beiträgt. Wer also Raum für Fußgänger gewinnen möchte, könnte den Radweg auf die Straße verlegen. Die Autofahrer wird’s nicht freuen.

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