Kommentar

Wo sind die Mails? Drängende Fragen an Wüst

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Peter Toussaint kommentiert.

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Foto: Anna Stais / FUNKE Foto Services

Welche Verantwortung trägt der heutige Ministerpräsident Hendrik Wüst für die Verzögerung beim Neubau der A45-Brücke? Die SPD hat viele Fragen.

Wie wichtig ein funktionierendes Autobahnnetz ist, wissen die Menschen an Rhein und Ruhr nur zu gut. Wer über die Brücke Neuenkamp zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein pendelt, steht seit Jahren im Stau. Dabei ist die Brücke für Pkw zum Glück noch befahrbar – wenn auch nur im Schneckentempo. Da bekommt man eine Ahnung von den Zumutungen, denen sich jetzt die Pendler, die Lieferanten und die Anwohner an und unterhalb der gesperrten Brücke auf der Sauerlandlinie ausgesetzt sehen. 20.000 Fahrzeuge quälen sich nun von früh bis spät über Umleitungsstrecken durch Lüdenscheid, davon sind 6000 Lastwagen. Da möchte man kein Brummifahrer sein. Und Lüdenscheider auch nicht. Es wird Jahre dauern, bis der Verkehr über eine neue Brücke rollt.

Schon 2012 war eine Sanierung der Rahmede-Talbrücke empfohlen worden, dann gab es Pläne für einen Neubau – aber passiert ist nichts. Bis dann feststand: Ingenieure und die Politik haben sich verzockt. Die Schäden sind schlimmer als zunächst gedacht.

Über viele Jahrzehnte wurde die Erneuerung der Infrastruktur verschoben

Im Prinzip kann das überall passieren. Die Substanz des Landes zerbröselt. Über viele Jahrzehnte wurde die Erneuerung der Infrastruktur verschoben. Autofahrer und Wirtschaft müssen das nun ausbaden. Auf der A1 in Leverkusen, auf der A40 in Duisburg und jetzt auch auf der zerschnittenen Sauerlandlinie.

Was wusste der jetzige Ministerpräsident in seiner Zeit als nordrhein-westfälischer Verkehrsminister davon? Hat er falsche Prioritäten gesetzt? Trifft ihn Mitschuld an der Misere? Die SPD will dazu eine Aktuelle Stunde im Landtag. Recht hat sie! Es ist klar, dass die Opposition nun danach fragt. Und auch der gutmütigste Bürger muss misstrauisch werden, wenn es plötzlich in der Staatskanzlei heißt, dass entscheidende Teile des E-Mail-Verkehrs in dieser Sache plötzlich nicht mehr zu finden seien.

Es ist nicht auszuschließen, dass die Lücke im elektronischen Gedächtnis der Landesregierung für den Ministerpräsidenten mindestens so nervend werden könnte wie die Lücke auf der A45 für die vielen Autofahrer.

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