Arbeitszeit

Zeiterfassung: Ohne Vertrauen geht es sowieso nicht

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Der Europäische Gerichtshof will, dass Unternehmen die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter genau erfassen. Unternehmen befürchten viel Bürokratie.

Der Europäische Gerichtshof will, dass alle Arbeitgeber die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter erfassen. Das hört sich ganz vernünftig an, weil es doch im Ziel darum geht, dass die vereinbarten Verträge eingehalten werden und die dem Betrieb zur Verfügung gestellte Zeit entlohnt wird. Dass dies nicht selbstverständlich ist, weiß auch jeder. In vielen Unternehmen wird nicht auf die Uhr geguckt, leisten die Beschäftigten unbezahlte Überstunden – sei es aus Begeisterung für den Job, sei es aus Angst vor drohendem Job-Verlust.

Dass nun in den Chefetagen mittelständischer Betriebe Bedenken geäußert werden, hat nichts damit zu tun, dass man dort die Mitarbeiter gerne weiter unbelästigt ausbeuten möchte. Die Sorge vor einem Bürokratiemonster sind ja nicht unbegründet. Eine Dokumentationspflicht bindet Zeit und Mitarbeiter. Wertvolle Ressourcen werden so gebunden.

Das neue Urteil scheint im Widerspruch zu stehen zu einer auch von Arbeitnehmern gewünschten Flexibilisierung von Arbeitszeiten. Bürozeiten wechseln mit der Arbeit im „Home Office“ zu Hause. Der digitale Fortschritt ermöglicht es vielen, von jedem Ort auf den Rechner im Büro zuzugreifen. Das kann ein Segen sein, weil sich dadurch das Verteilen von Arbeit und Freizeit flexibel nach individuellen Bedürfnissen aufteilen lässt. Das kann – und auch das haben wir oft beschrieben – auch ein Fluch sein, weil es zu einer ständigen Verfügbarkeit des Mitarbeiters für die Firma führen kann.

Mit dem Urteil muss nun umgegangen werden. Moderne digitale Technologie sollte es möglich machen, unkomplizierter als ehedem Arbeitszeiten zu erfassen. Doch auch da ist Vertrauen zwischen Chefs und Mitarbeitern gefragt. Das ist sowieso unverzichtbar. Weil unterm Strich weniger entscheidend ist, wie viele Stunden man im Büro verbringt. Entscheidender ist, was in dieser Zeit geschafft wird.

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