Öffentlicher Dienst

Zu viele Überstunden: Spart nicht auf Kosten der Mitarbeiter

Denise Ludwig kommentiert.

Denise Ludwig kommentiert.

Foto: Kerstin Bögeholz / Funke

Die Mitarbeiter machen so viele Überstunden, dass sie sogar verfallen. Das muss sich ändern.

Eine gewisse Flexibilität im Berufsleben ist für Arbeitnehmer attraktiv: etwa Gleitzeit oder die Arbeit von zu Hause aus. Auch das Land eröffnet seinen Mitarbeitern die Möglichkeit, in einem gewissen Rahmen die Arbeit selbst einzuteilen.

Einerseits gut, anderseits hat das auch Tücken: Zu gewissen Stichtagen, die mindestens einmal im Jahr, einmal pro Quartal oder auch monatlich vereinbart sein können, darf ein festgelegtes Stundenkonto nicht überstiegen werden. Wer mehr Stunden als in der Dienstvereinbarung angesammelt hat, hat Pech gehabt. Dafür ist kein Freizeitausgleich, keine Bezahlung vorgesehen.

Die unbezahlten Überstunden sind nur ein Teil des Ganzen. Beispiel Bezirksregierung Düsseldorf: Zum Stichtag 31. Mai 2019 gab es allein hier ein Guthaben von 63.034 Überstunden. Davon sind 750 Stunden verfallen.

Ja, Mitarbeiter können sich auf diese Regelungen einstellen. Nur: Wenn es so viel Arbeit gibt, die nicht mehr ohne Überstunden zu schaffen ist, wird es heikel und geht im schlimmsten Fall auf die Gesundheit der Mitarbeiter.

Der Ruf nach schlanken Verwaltungen

Das Problem ist auch ein Stück weit hausgemacht. Die Politik setzt auf schlanke Verwaltungen – sei es im Land oder auch in den Kommunen. Der Spardruck führt zu Personalabbau – doch die Aufgaben bleiben oder nehmen gar zu. Die Sozialgerichte stöhnen unter den vielen Verfahren, immer wieder wird der Ruf nach mehr Polizisten für eine bessere Sicherheit laut. Das alles gibt es nicht zum Nulltarif.

Dank der detaillierten Aufgliederung der Landesregierung können Personalräte, Gewerkschaften und Arbeitgeber nun genauer hinsehen, um die Gründe für die vielen Überstunden, vor allem in den Justizbereichen zu erfragen. Stimmt die Arbeitsorganisation vielleicht nicht? Gibt es viele Fehlzeiten? Falls ja: Warum?

Vielleicht müssen die Dienstverordnungen, die Stichtage und die Kappungsgrenzen überdacht werden, wohl eher aber müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden – zum Beispiel mit mehr Personal. Es kann nicht sein, dass sich das Land auf dem Rücken der Mitarbeiter kaputt spart.

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