Hochschulen

Professoren kämpfen gegen Bachelorabschluss

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Essen. Professoren machen gegen die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge mobil. Bei Studenten kommt das gut an – im NRW-Innovationsministerium nicht. Eine Gesetzesänderung zu Gunsten des Diploms sei ausgeschlossen, heißt es offiziell aus dem Hause Pinkwart.

Erstmals machen Professoren im Ruhrgebiet massiv Front gegen die seit zwei Jahren an allen nordrhein-westfälischen Hochschulen geltenden Bachelor- und Masterstudiengänge. Die Dekane der Technischen Universität Dortmund führen den Protest an. Acht von insgesamt 16 fordern die Rückkehr zum Diplom in ausgewählten Studiengängen – als Alternative zu Bachelor- und Masterabschlüssen. Bei Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) jedoch stoßen sie auf taube Ohren.

Der Initiator des Professorenprotestes, Walter Krämer, sagt: „Bachelor und Master sind Micky-Maus-Abschlüsse, gesichtslos und nicht zu unterscheiden.” Krämer ist Dekan der Fakultät Statistik an der TU Dortmund. Ihn stört vor allem, dass die Studenten in Raster und Muster eingezwängt werden, der Studienverlauf ganz eng geregelt ist. „Diese Zwangsbeglückung geht mir gegen den Strich.”

Reif für das Berufsleben?

Unterstützung kommt von der SPD im Landtag. „Es gibt deutlichen Nachbesserungsbedarf”, meint deren hochschulpolitischer Sprecher Karl Schultheis. Professoren wie Studenten klagten über die komprimierten Studiengänge, unnötige Einschränkungen und mangelnde akademische Qualität. Für Schultheis steht fest: „Der Druck auf die Studenten ist zu stark.” Die Verschulung in Bachelor- und Masterstudiengängen verschlechtere die Berufsfähigkeit der Absolventen. Auch der Bochumer Volkswirtschafts-Professor Wim Kösters sorgt sich um die Persönlichkeitsbildung der Studenten. Er sage Firmenvertretern stets, dass sich diese „noch wundern werden”, wer da an Bewerbern auf sie zukommt, so Kösters, Vorstandsmitglied beimRheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Das Diplom dagegen biete die Möglichkeit, „die Persönlichkeit reifen zu lassen, außerhalb des Studiums Engagement an den Tag zu legen und dadurch für den Beruf wichtige Selbstständigkeit zu erwerben”.

Das für Hochschulen zuständige NRW-Innovationsministerium indes blockt ab. Eine Gesetzesänderung zu Gunsten des Diploms sei ausgeschlossen, heißt es offiziell aus dem Hause Pinkwart: Diplom- und Magisterstudiengänge wiedereinzuführen, „widerspräche der hochschulpolitischen Verpflichtung, die NRW im Rahmen des 'Bologna-Prozesses' eingegangen ist.” Dieser Prozess soll in Europa international vergleichbare Studiengänge schaffen. Zudem, so sagt der Minister selbst, habe „die Landeswissenschaftskonferenz der Rektoren der NRW-Universitäten erst kürzlich einmütig festgestellt, dass wir beim Bologna-Prozess auf einem sehr guten Weg sind.” Die Uni-Leiter stünden hinter dem neuen Studiensystem, ist Pinkwart überzeugt.

Kritiker jedoch wenden ein: Das Immatrikulationsverbot, das es Studenten in NRW untersagt, sich neu in einen Diplomstudiengang einzuschreiben, gibt es in verschiedenen anderen Bundesländern nicht. Dort scheint man den „Bologna-Prozess” nicht so streng zu nehmen. In Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch nicht einmal verbindliche Vorgaben, bis wann Bachelor und Master als einzige Studienabschlüsse eingeführt sein müssen. Das macht es etwa möglich, dass Studenten an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern noch immer ein BWL-Studium auf Diplom beginnen können.

„Ohne Master geht nichts”

Bei vielen Studenten kommt die Initiative der Dortmunder Professoren gut an. Sie zweifeln, ob sie mit dem Bachelortitel etwas anfangen können, ohne den darauf aufbauenden Masterabschluss in mehreren Semestern nachzuziehen. „In den Sozialwissenschaften kann man mit dem Bachelorabschluss direkt Hartz IV beantragen, ohne Master geht eh nichts”, sagt etwa Patrick Hinze, Vertreter der Studenten an der Uni Duisburg-Essen. Die Plätze für Masterstudiengänge aber sind begrenzt.

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