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Dabei sein ist alles

Teamchef Dirk Ströter (mit Bart) ist stolz auf seine Sportlerinnen und Sportler.

Teamchef Dirk Ströter (mit Bart) ist stolz auf seine Sportlerinnen und Sportler.

Foto: WAZ FotoPool

Rheinberg/Kreis Wesel. Es muss ein Gefühl wie Weihnachten gewesen sein. Oder sogar noch schöner. Der Moment, als Jan Mätzkow auf das Siegertreppchen stieg. Nicht bis nach ganz oben, aber das lässt den jungen Mann kalt.

Weil es bei den Special Olympics Deutschland wirklich noch um den olympischen Gedanken, ums Dabeisein geht. Wobei Jan weit gekommen ist. Der Neu-Rheinberger ist Kugelstoßer und brachte unter anderem eine Silbermedaille aus München mit nach Hause.

Der 24-Jährige kam mit Downsyndrom zur Welt. Er lebt erst seit kurzem im Caritas-Haus am Außenwall. Jan wollte selbstständiger werden, und als seine Brüder und seine Schwester das Elternhaus in Moers verließen, war es für ihn auch irgendwann so weit. Und er fühlt sich auch erwachsener, seit er nicht mehr daheim wohnt, sagt er.

Erfolgreiches Teamder CWWN

Früher war Jan im Ballwurf aktiv, eine technisch nicht so anspruchsvolle Disziplin für Jugendliche mit Handicap. Als er dafür zu alt wurde, wechselte er zum Kugelstoßen - der Erfolg hat ihm Recht gegeben. Jan ist Sportfanatiker, sein Terminkalender gut gefüllt. Tanzen, Fußball, Kegeln, zählt er auf, dann das wöchentliche Training beim VfL Repelen, zu dem nicht nur Kugelstoßen gehört, sondern auch das Laufen. In München gewann er auf der 75-Meter-Strecke die Bronzemedaille.

Der junge Mann, der sich in Rheinberg schnell eingelebt hat, arbeitet in der Werkstatt der Caritas Wohn- und Werkstätten am Nordring, im Metallbereich, erklärt er. Kommt er nachmittags nach Hause, und hat Zeit für sich, hört er gerne Musik, alles, was Popmusik ist, und kümmert sich um seine Autosammlung. Früher hatte er ein Faible für Playmobil-Figuren, „aber das ist jetzt vorbei“. Natürlich fährt Jan Mätzkow auch noch zu seinen Eltern, alle zwei Wochen besucht er sie. Jans Eltern waren in München mit dabei - und sind immer noch begeistert. „Eine tolle Atmosphäre“, schwärmt Vater Rolf. Was ihn am meisten angesprochen hat, ist, dass der olympische Gedanke bei den Special Olympics wirklich noch Gewicht habe.

Im jährlichen Wechsel veranstalten Special Olympics Deutschland Sommer- und Winterspiele. Natürlich würde Jan Mätzkow auch gerne einmal zu den internationalen Wettkämpfen fahren. Allerdings sind die nächsten in Seoul in Korea...

Die Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN) können zufrieden mit der Bilanz der Special Olympics in München sein. Denn Jan Mätzkow ist nicht ihr einziger erfolgreicher Athlet. Dagmar Hildebrandt (51) belegte den dritten Platz beim Boccia, Hans-Wilhelm Fokken (52) holte Bronze beim 1500-Meter-Lauf und wurde Sechster beim Weitsprung, Thorsten Mende (38) wiederum belegte beim Weitsprung den dritten Platz und schaffte es beim Laufen bis ganz nach oben aufs Treppchen, sprich, er holte die Goldmedaille. Mario Bockermann (33) wurde mit den Fußballern Fünfter, Anke Neumann (42) belegte in zwei Disziplinen einen ersten und einen fünften Platz, und Horst Eich (60) wurde Vierter beim Boccia. „Ein bisschen mehr Üben“, sagt er im Nachhinein selbstkritisch, „wäre vielleicht nicht verkehrt gewesen“.

Egal, eigentlich sind alle sehr zufrieden. Weil es ein tolles Erlebnis war. Die vielen Sportler , die Wettkämpfe, das schöne Hotel, das Essen, die Ausflüge nach München. Und natürlich die Medaillen, die sie mit nach Hause gebracht haben. Die bekommen einen Ehrenplatz, irgendwo da, wo sie bestimmt keiner übersehen kann. Einer aus der Truppe hat schon gehandelt und die Medaillen zu Hause aufgehängt. Und wie das aussieht, kann er jedem zeigen. Mit seinem Handy hat er bereits Fotos gemacht.

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