Ein unglaublicher Quantensprung

Foto: Fremdbild

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HANDBALL. Reinhard van der Heusen katapultiert sich von der Kreisliga ohne Zwischenstation in die Bundesliga.

Begeisterung, Hingabe, Disziplin. Bereit sein, Grenzerfahrungen zu machen – Reinhard van der Heusen hat es in seiner Karriere wie nur Wenige verstanden, diese Tugenden in sich zu vereinen. Sonst wäre seine Geschichte vielleicht nicht die zahlreicher großer Erfolge. Der ehemalige Bundesligaspieler, der privat eher als ruhig und zurückhaltend gilt, verwandelte sich auf dem Feld in einen kompromisslosen Kämpfer. Dann blühte der muskelbepackte Athlet richtig auf. Er liebte seine Sportart und brachte dafür zahlreiche Opfer. Als Lohn wurde er mit unzähligen einmaligen Momenten und Erlebnissen beschenkt. ZunächstZehnkämpferIn Kleve geboren und aufgewachsen stand zunächst die Leichtathletik im Vordergrund. In vielen Disziplinen erwies sich van der Heusen als talentiert. Schnell war für ihn klar, dass er ein Zehnkämpfer war. Und die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Bei den Niederrheinmeisterschaften 1971 baumelte die Bronzemedaille um seinen Hals. Dennoch blieb er nicht bei der Leichtathletik. „Über meinen Vater bin ich zum Handball gekommen”, erinnert sich der inzwischen 55-jährige Bauleiter. Die ersten Ballkontakte entwickelten sich zu einer lebenslangen Liebe. Reinhard van der Heusen mischte die 1. Kreisklasse auf. Mit reichlich Talent ausgestattet, hielt es ihn dort jedoch nicht lange. Der Linkshänder hinterließ im Meisterschaftsspiel gegen den OSC Rheinhausen III einen so bleibenden Eindruck, dass einige Spieler des Gegners ihn im Verein ins Gespräch brachten – und zwar für die „Erste”, die damals Bundesliga spielte. Auch Hans-Dieter Schmitz – Trainer in Vennikel – empfahl ihn nach Rheinhausen. Van der Heusens Karriere nahm von da an einen nahezu märchenhaften Verlauf. Von der Kreisklasse in die Bundesliga – ein schier unglaublicher Quantensprung. Reinhard van der Heusen bekam eine Einladung, wurde für gut befunden und gleich dabehalten. In den ersten fünf Spielen war sein Platz ausschließlich auf der Bank. Doch Rheinhausen startete mit 0:10 Punkten. Das war seine Chance: bei seiner Premiere gegen Wellinghofen erzielte er gleich zwei Tore. Nur wenige Wochen später, beim Auswärtsspiel in Bremen, beobachtete ihn der damalige Bundestrainer Vlado Stenzel scharf von der Tribüne aus. Wenig später hatte Reinhard van der Heusen eine Einladung zu einem Lehrgang der Nationalmannschaft im Briefkasten. Am 4. Januar 1974 trug er gegen Schweden erstmals den Bundesadler auf der Brust. Ihm zur Seite Teamkollegen wie Heiner Brand, Joachim Deckarm, Kurt Klühspies oder Gerd Rosendahl. Bis zum Februar 1983 spielte der Niederrheiner 14 Mal für Schwarz-Rot-Gold. Nur zu den großen Turnieren, wie den Olympischen Spiele (1976/Montreal) und Weltmeisterschaften (1978/Dänemark) war er tragischerweise immer verletzt. Seinen Spitznamen „Nurmi” bekam er beim OSC Rheinhausen. „Wir waren im Trainingslager in Galtür”, erinnert sich Reinhard van der Heusen noch heute mit einem Schmunzeln auf den Lippen. „Dort gab es zahlreiche konditionelle Einheiten, so auch einen Trimmdichpfad, den wir immer dreimal umrunden mussten. Ich stand schon unter der Dusche, als meine Kameraden noch schwitzten.” Die benannten ihn daraufhin nach dem finnischen Langstreckenläufer Paavo Nurmi, der neun Goldmedaillen bei Olympischen Spielen gewonnen hatte. Nach seiner Zeit beim OSC Rheinhausen wechselte van der Heusen zum Revier-Klub Tusem Essen. Dort feierte „Nurmi” in neun Jahren seine größten Erfolge auf Vereinsebene. Neben den beiden Deutschen Meisterschaften, sind ihm vor allem die Europapokalspiele gegen SKA Minsk und ZSKA Moskau in Erinnerung geblieben.Freizeitmit JoSeit 1999 gehörte van der Heusen wieder der 78-Weltmeisterschafts-Truppe an. Die „alten Herren” geben im Jahr zehn Benefizspiele. Die Einnahmen fließen in den Joachim-Deckarm-Fonds. Der Teamkollege von einst hatte sich 1979 in einem Handball-Spiel so schwer verletzt, dass er 136 Tage im Koma lag und seitdem ein Pflegefall ist. „Wir haben noch regen Kontakt untereinander”, betont „Nurmi”. „Einmal im Jahr gibt es ein gemeinsames Treffen, das wir Freizeit mit Jo nennen.” Reinhard van der Heusen hat die Handball-Schuhe 2007 endgültig in den Schrank gestellt. Um dennoch nicht einzurosten, trifft er sich mit seinem alten Weggefährten HD Schmitz zum Tennis.

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