Für Brummi-Fahrer wird es eng

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VERKEHR. Mit 600 PS unter der Motorhaube über die Autobahn. Immer auf der Suche nach einem Plätzchen für die Nacht.

HÖSEL. Der Trucker ist mit den Nerven am Ende. Da hat er 600 PS unter dem Hintern, und die nutzen ihm so gar nichts. Denn einen Parkplatz entlang der Autobahn findet er damit nicht. Alles dicht, alles zugestellt. An den Raststätten, an den Autohöfen, weit zurück stauen sich die Sattelschlepper der Kollegen, die auch noch nichts gefunden haben. Unser Trucker gibt wieder Gas, schon mächtig angefressen, denn seine Lenkzeit ist jetzt auch schon überschritten. Das kann kos-ten. Geld und Nerven. Die Fernfahrer in Deutschland haben ein Problem ganz in der Nähe: Wohin mit meinem Las-ter, wenn es Nacht wird in Deutschland? Die NRZ hat an drei Lkw-Türen geklopft.

„Fährst du noch,oder parkst du schon?”

Wolfgang Themsfeld (54) ist viel zwischen Duisburg und Südeuropa unterwegs, Portugal, Spanien, jetzt kommt er gerade aus Frankreich. „Nach viereinhalb Stunden müssen wir Fahrer bekanntlich eine Pause machen. Früher war das so, dass wir in den letzten zehn Minuten anfingen, uns nach einem Parkplatz umzusehen. Heute wirst du nach drei Stunden nervös und guckst. Und wenn du was siehst, dann folgt der Konflikt, fährst du noch, oder parkst du schon? Wenn du dann weitersuchst, kann es dir wie mir passieren: Ich hab' keinen Platz für die Pause gefunden, Autobahn-Streife, zack, 75 Euro. Ende.”

Nicht immer ist die Polizei so knüppelhart. „Hängt von den Beamten ab. Gibt auch Ältere, die wissen, was Sache ist, denen kann ich dann ja anhand der Aufzeichnungen zeigen, wo ich rausgefahren bin und dass ich gesucht habe. Die winken dich durch. Andere kennen keine Gnade.”

Ein weiteres Problem für die Männer in dem rollenden Trumm: Ein Bett haben sie zwar immer dabei, direkt hinter sich im Führerhaus. „Aber du willst ja auch mal duschen. Oder du solltest mal. Man hat vielleicht sogar geladen und geschwitzt. Und dann will man auch mal was Warmes essen. Oder auch mal mit ein paar Kollegen zusammensitzen. Das alles wird immer schwieriger.”

Sogar die ungeliebte Notlösung ist nicht mehr machbar: Längst wurden sämtliche Industriegebiete mit einem Nacht-Parkverbot für Lastzüge versehen. Martin Schmidt (49), Trucker aus Wuppertal: „Wir müssen eine Menge Maut bezahlen, dafür sollte doch dann zumindest die Infrastruktur stimmen.” Das will sich das Verkehrsministerium nicht vorwerfen lassen. Gegenüber der NRZ hieß es, 260 Millionen Euro würden dafür bereitgestellt. Allerdings auf die nächs-ten zehn Jahre verteilt. 11 000 Plätze sollen so geschaffen werden. „Lächerlich”, sagen die Fahrer. „Reicht vorne und hinten nicht.”

Totale Blockadeauf dem Rastplatz

Sie haben eigene Ideen, Schmidt etwa: „Das Parken an Rastplätzen muss intelligenter werden. Jeder Wagen, der vorfährt, sollte an einer Art Schalter kurz angeben, wie lange er parken will, dann manöveriert ihn ein Computer an den idealen Platz. Heute ist es so, dass sich viele Laster im Weg stehen und gegenseitig blockieren. Das kostet Zeit und Raum.”

Uwe Wilß (42) ist zwischen Zwickau und der Welt unterwegs. „Die A2 heißt bei uns nur Warschauer Allee, wegen des extremen Ost-Verkehrs, die meide ich, die umfahre ich, weil man da keine Chance hat.” Die Fahrer aus den Billiglohnländern („Die fahren für 500 Dollar im Monat”) werden zwar als Kollegen akzeptiert, bereiten aber den deutschen Truckern Kummer. Drei Gründe: Sie kennen die Vorschriften oft nicht. In Italien ist das Parken auf den Seitenstreifen erlaubt. Dann tun sie es hier auch. Zweitens: der CB-Funk. Damit könnte man sich ja gegenseitig Tipps geben. Heute aber, so sagen die, die es wissen müssen, heute wird in so vielen Sprachen gesprochen, dass niemand mehr was versteht. Babel auf der BAB.

Mit dem Führerhausin Richtung Autobahn

Schließlich der wichtigste Grund: Die Fahrer aus Osteuropa werden mitsamt Laster von ihren Firmen auf einem Rastplatz geparkt, bis ein neuer Auftrag reinkommt. Das kann Tage dauern. Und ist billiger, als den Wagen leer fahren zu lassen.

Wilß hat über Wege aus der Krise gegrübelt, er schaut nach Westen: „Zum Beispiel Frankreich. Da machen sich die Planer viel mehr Gedanken, wie man den Lkw-Fahrern das Leben erleichtern kann. Etwa die Parkzonen. In Deutschland sind alle Lkw-Stellplätze so angelegt, dass das Führerhaus zur Autobahn steht. In Frankreich fährt man in die Box und steht weg vom Lärm. Da hat einer nachgedacht. Außerdem sind bei uns die Parkboxen zu klein. Da bleibt nachts manche leer, weil man den Zug da gar nicht hineinmanöverieren kann. Das kann man doch schnell ändern.”

Unser Trucker hat genug, er lässt wieder den Motor an, spielt mit den 600 PS und zieht auf die Autobahn. Immer auf der Suche nach einem Plätzchen für die Nacht. (NRZ)

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