Tag der Begegnung

Guildo hat Xanten lieb

Foto: WAZ FotoPool

Xanten. „Schönes Wetter, schöne Menschen, schöne Bühne, schöne Haare, schöne Musik.“

Schönere Komplimente hätte Guildo Horn am Samstagnachmittag kaum machen können. Und auch Xanten bekam sein Fett weg. „New York, Rio, Xanten – dass ich das noch erleben darf.”

17 Jahr, blondes Haar

An der Bühnentreppe hatten sich Guildo und seine Bandkollegen kurz vor ihrem Auftritt noch aufgeputscht. „S-T-R-Ü-M-P-F-E“. Der Schlachtruf sollte einen begeisternden Husarenritt durch drei Jahrzehnte Schlagergeschichte einläuten. „Ti Amo“, „Azzurro“ und „17 Jahr, blondes Haar“, die vielen Hundert Zuschauer hüpften und sprangen um die Wette. „Wer findet Schlager toll?“ Tausend Finger schnellten in die Höhe. „Und wer findet Schlager Scheiße?“ Dafür gab’s nur einen Finger. Und Guildos Konter. „Du zählst nicht.“

Flirten ist sowieso schöner, erst recht mit den Fans. „Ihr seid ein obergeiles Publikum. Okay, das sag ich jeden Tag, aber vorher hab’ ich immer gelogen.“

15.45 Uhr, das Haar sitzt, Bahn frei für den 3-Wetter-Horn. „Ihr habt so viel Energie, schenkt sie uns. Bleibt intensiv, aber zärtlich.“ Guildo hatte sich richtig schick gemacht für den „Tag der Begegnung“: Blümchenanzug, Rüschenhemd, Sonnenbrille, dazu das leichte Sommerparfüm. Und die Haare hatte er „extra für euch gewaschen, denn da waren kleine Knötchen drin.“

Abgehangene Lende

Im fortgeschrittenen Alter – Guildo wird im kommenden Jahr 50 Jahre jung – braucht es aber ein paar orthopädische Körperübungen zum warm werden. Schließlich zeigt Guildos „abgehangene Lende“ doch zu viele Pölsterchen. Also ran an den Speck. Zuerst müssen alle den Tannenbaum machen, danach das Häschen. „Ich hab’ erste Schwitzflecken“, verrät Guildo, Na ja, bei dem Hüftschwung. „Tanze Samba mit mir“ wird da zum Selbstläufer.

Guildo Horn kommt an bei den Leuten in Xanten. Vielleicht auch, weil er als Musiktherapeut schon in frühen Jahren mit Menschen mit Handicap gearbeitet hat, weil er immer wieder den Kontakt sucht, sei es im SWR-Talk „Guildos Gäste“, beim Internet-Wettbewerb für Bands mit Menschen mit Handicap („Spirit steps“ und „Seeside“ traten ebenfalls auf der Hauptbühne auf) oder bei seiner Arbeit mit der Aktion Mensch. Guildo tut was, aber redet nicht drüber. „Es gibt keine Behinderten auf dieser Welt, alle Menschen sind gleich.“

Die musikalische Botschaft an diesem Nachmittag? Ein Festival der Liebe. „Nehmt euch doch mal gegenseitig in den Arm.“ Der Meister muss nicht lange bitten, vor der Bühne rücken die Menschen zusammen. Da ist der nächste Wohlfühl-Schlager fällig. „Er gehört zu mir“ von Marianne Rosenberg, von Guildo als Kuhglocken-Version interpretiert.

„Und wer glaubt hier an Wunder“? Kurz vor 17 Uhr schlägt Klaus-Dieters große Stunde. Der Essener stand in der ersten Reihe und hatte reichlich Rabatz gemacht. „Na, dann komm’ doch mal hoch“, sagt Guildo. „Wunder gibt es immer wieder“ ist beim Meister keine bloße Floskel. Auch wenn sich Klaus-Dieter als Elvis-Fan outet, die beiden sind fortan ein echtes Team. „Man nennt mich ja auch den deutschen Elvis“, schmunzelt Guildo. „Vielen Dank für die Blumen“, „Tränen lügen nicht“ und ein bisschen „Hey Jude“, die knapp anderthalb Stunden vergingen wie im Flug.

Plateauschuhe und Schlaghose

Zeit für ein kurzes Päuschen, doch Guildo will den Schwung in die Zugaben mitnehmen. Jetzt mit Plateauschuhen, Schlaghose, orangefarbenem Hemd und Stricktuch über den Schultern. „Dich zu lieben“ ist jetzt keine Schwierigkeit mehr.

Eine, die Guildo liebt, ist Lieselotte aus Geldern. Sie hat eine Büste gebastelt und steht plötzlich mit LVR-Direktorin Ulrike Lubek auf der Bühne. Zwei Küsschen von Guildo als Dankeschön machen diesen Augenblick für Lieselotte unvergesslich.

Nach 100 Minuten fehlt eigentlich nur noch einer: Der Klassiker, mit dem Guildo Horn beim Eurovison Contest 1998 in Birmingham den siebten Platz erreichte. „Guildo hat euch lieb“ dürfte auch als kleine Liebeserklärung für Xanten und die Menschen beim Tag der Begegnung durchgehen. Guildo lässt noch einmal die Kuhglocken wirbeln, hämmert auf das Kinder-Schlagzeug ein und lässt die „Strümpfe“ toben.

Schönes Konzert, schöne Schlager

Und wer am Ende traurig war, als der letzte Ton erklang, dem sagte Guildo alias Paulchen Panther: „Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage.“ Schönes Konzert, schöne Schlager und ein wunderschöner Guildo. In 15 Jahren „Tag der Begegnung“ war das eines der begeisterndsten Konzerte. Vielleicht sogar das beste.....

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