Hip Hop

Hier kommt was in Bewegung

obias Kramer alias Tobiz macht vor, wie’s mit dem HipHop klappt...und Redakteurin Sarah Eul (l.). macht’s nach - mit vielen anderen.

obias Kramer alias Tobiz macht vor, wie’s mit dem HipHop klappt...und Redakteurin Sarah Eul (l.). macht’s nach - mit vielen anderen.

Foto: WAZ FotoPool

Xanten. Noch ehe ich den ersten Schritt getanzt habe, stehen mir die Schweißperlen auf der Stirn. Angst? Mitnichten. Wärme? Schon eher. Kein Wunder: Das Look-Disco-Zelt gleicht einem Hexenkessel.

Schuld daran ist Tobias Krämer. Allen wollen ihn sehen. Und einige wollen noch mehr. So wie ich, die neben knapp 40 weiteren Menschen – mit und ohne Handicap – vor dem 28-Jährigen auf der Bühne steht. Wir wollen mit Tobiz, bekannt aus der RTL-Show „Das Supertalent“, HipHop tanzen. Und das ist ein bewegendes Ereignis. Und zwar nicht nur für meinen Körper.

Fühl’ den Beat!

Tobiz ist gehörlos – so wie einige andere meiner Mittänzer auch. Die Musik, zu der ich mich im Takt bewege – was allein schon schwer genug ist – hören sie nicht. Sie spüren sie nur. Und das sollen alle anderen auch. Musikboxen stehen daher auf dem Bühnenboden. Dieser bebt regelrecht unter meinen Füßen. Durch jede Faser meines Körpers vibriert Bass. Mit einem Effekt: auf der Stelle zu stehen, fällt mir nun schwer. Zum Glück macht Tobiz vor, wie die passenden Schritte zur Musik aussehen.

Zwar hat Tobiz zur besseren Verständigung einen Dolmetscher für Gebärdensprache dabei. Viel zu tun hat dieser aber nicht. Denn das, was Tobiz benötigt, um die Menge zu bewegen, ist weder sein Gehör, noch seine Stimme. Mit seinem Körper tanzt er immer wieder die Bewegungen vor. Will er Aufmerksamkeit, hebt er den Zeigefinger in die Luft. Zählt er den Takt an, nutzt er dafür seine Finger.

Immer wieder proben wir den Ablauf. Klatschen hier, Drehung dort und dann wird noch gestampft. Die Schweißperlen rinnen von der Stirn. Doch es macht Spaß. Und zwar allen. Wir lernen gemeinsam. Jeder in seinem Tempo. Denn während ich bei jedem neuen Versuch hochkonzentriert auf Tobiz schaue, um die Schritte nachzutanzen, absolviert Michael, 42 Jahre mit Down-Syndrom, die Choreographie schon völlig fehlerfrei. Bewundernswert. Wenn Menschen etwas Neues lernen, ist es eben egal, ob der eine vielleicht nicht so gut seinen Arm bewegen und der andere nicht die Musik hören kann. Letztlich lernt jeder auf seine Art. Wichtig ist nur, dass man es so oft wie möglich gemeinsam macht.

So wie beim Tanzen. Das kann nämlich jeder, so Tobiz. Egal ob behindert oder nicht behindert. Einfach den Bass spüren und den Körper bewegen. Und das manchmal auch mit Hilfe. So wie der kleine Jonas (4). Wegen einer spastischen Lähmung kann Jonas seine Beine nicht bewegen. Jonas tanzt trotzdem. Zusammen mit Mama Alex Thevissen, die den Vierjährigen auf dem Arm vor ihrem Körper hält. Ein bewegendes Bild, das den gemeinsamen HipHop-Workshop gleich noch schöner werden lässt. Auch als Tobiz die Runde bittet, einen Kreis zu machen, sind Jonas und seine Mama die ersten, die zeigen, was sie können.

Der Begriff Applaus in Gebärdensprache

Ihnen folgen noch viele weitere: Sie alle tanzen und zwar jeder auf seine Art. Alle bekommen den gleichen Lohn: Applaus. Auch Tobiz erhält den am Ende des Workshops. In die Hände geklatscht wird dafür aber nicht. Auch das habe ich neben neuen Tanzschritten gelernt. Hoch in die Luft geht es mit der Hand und dann wird kräftig damit gewackelt. Denn so geht Applaus in Gebärdensprache.

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