Coprayer Hofrunde

"Ich mach Ihnen nicht den Ranicki"

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Ehrungen als „Ritter” für NRZ-Chefredakteur Rüdiger Oppers und FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin.

KREFELD. Es gibt sie, diese Veranstaltungen, nach deren Ende der Journalist in einen Platzregen gerät und leise vor sich hinflucht: „Auch das noch.” Womit dann alles gesagt wäre über den Termin. Es gibt aber auch Termine, die man beschwingt verlässt. So geschehen am Samstag Abend auf Burg Linn in Krefeld, wohin der FDP-Bezirksverband Niederrhein zu seiner traditionellen, vergnüglichen Coprayer Hofrunde eingeladen hatte, die jährlich einen liberalen Politiker zum „Ritter der spitzen Zunge” und einen Journalisten zum „Ritter der spitzen Feder” schlägt. Beide müssen selbstredend, um die Ehre zu erringen, Großes geleistet haben und sich des Ritterschlags durch eine launige Rede würdig erweisen. Neue Ritter 2008: Silvana Koch-Mehrin, FDP-Europaparlamentarierin, und Rüdiger Oppers, NRZ-Chefredakteur.

Was beide miteinander verbindet? Auf jeden Fall das gute Aussehen, wenn man etwas auf das Urteil der beiden Laudatoren geben darf. „Ritter” Andreas Pinkwart, Landesvorsitzender: „Silvana Koch-Mehrin hat der FDP in Europa und Europa selbst ein Gesicht gegeben.” Ein Gesicht, das den Liberalen in NRW bei der letzten Europawahl immerhin ihr bestes Ergebnis bescherte! Da wollte der Bundesvorsitzende Guido Westerwelle, extra aus Berlin gekommen, als Laudator des „Ritter” Oppers wohl nicht nachstehen, als er noch eins drauf setzte: „Nach der schönsten Politikerin Deutschlands ehren wir den schönsten Journalisten Deutschlands.” Da Schönheit kein Verdienst ist und deshalb allein nicht zum Ritterschlag befähigt, aber auch nicht schadet, wurde Pinkwart dann aber doch noch politisch. Er lobte Koch-Mehrin für Ihre Fähigkeit, liberales Gedankengut in Europa zu verbreiten und ging auch auf die jüngste Finanzkrise ein. Die habe gezeigt, dass es Probleme gebe, die ein Staat alleine nicht lösen könne. „Wir brauchen eine gemeinsame europäische Finanzaufsicht.” Für Liberale, die das Motto „So wenig Staat wie möglich” schon mit der Muttermilch aufsaugen, sind das überraschende Einsichten.

Brüsseler Unsinn

„Ritterin” Koch-Mehrin schimpfte auf die überbordende EU-Bürokratie, auf Auswüchse wie die Vorschriften für die Krümmung der Salatgurke, die „Schnullerhalterverordnung” und die „Seilbahn-Richtlinie”, die alle EU-Partner zu einem entsprechenden Gesetz verdonnere, also auch Küstenländer wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Brüsseler Unsinn.

Dann wurde es, zur Gaudi der im Rittersaal Versammelten büttenreif. „Er ist sage und schreibe 14 Monate älter als ich, das sieht man ihm nicht an. Was ist Ihr Geheimnis?” will Guido Westerwelle von Rüdiger Oppers wissen. „Haben Sie Ihr Leben unter der Quarkmaske verbracht?” Der Saal tobt.

Es passiert sicher nicht häufig, dass jemand, der als freier Mitarbeiter bei der Zeitung angefangen hat, nach einem erfolgreichen Umweg über den WDR dann Chefredakteur eben dieser Zeitung wird. Oppers ist es passiert, und so lobte Westerwelle den neuen „Ritter”, der über ein Netzwerk verfüge und die „Klarheit des eigensinnigen Geistes” habe. Einen eigenen Sinn zu haben, „quer zu denken, das ist etwas, was wir als Liberale sprachlich positiv besetzen sollten. Wir brauchen mehr eigensinnige Leute.” Das Füllhorn des Lobes quoll über („Er hat Kultur”, „charismatisch”), und geradezu flehentlich bat Westerwelle: „Nehmen Sie diesen Preis an.”

Drachen und Sarazenen

Opernliebhaber Oppers ließ sich nicht bitten. Seit 30 Jahren sei er Journalist, „seit 25 warte ich auf diesen Preis, ich mach' Ihnen nicht den Ranicki”. Ritter Rüdiger, der nicht die Rolle des „armen Ritters” spielen möchte, weil man darunter doch nur altbackene Brötchen im Eierteig verstehe, wäre die Rüstung des fahrenden Sängers am liebsten. „Denn schlecht hatten es die fahrenden Sänger nicht. Im Gegenteil: während sich die Ritter leibhaftig mit Drachen und Sarazenen prügelten - dem mittelalterlichen Äquivalent von Bankmanagern und Terroristen - brauchten sie deren Heldentaten nur zu besingen und wurden selber dadurch berühmt - im besten Fall Chefredakteur oder Intendant.” Und so sang der Bänkelsänger Oppers sein Lied zum Wohlgefallen der Ritterrunde.

Selbstverständlich sparte Oppers auch zwei „interessante Gegenveranstaltungen”, nämlich den SPD-Sonderparteitag in Berlin und den Linken-Parteitag in Essen nicht aus. Die SPD spiele dort US-Wahlkampf: „Steinmeier, der Barack Obama der Sozialdemokraten; „Münte” wie ein McCain auf Speed; Hannelore Kraft wie Sarah Palin, ohne Speed.” Und in Essen versuche die Linke den Leuten weiszumachen, dass es einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz gebe. „Den gibt es so wenig wie Faschismus mit Herz.”

Wenn das Wort eine Waffe sein kann, dann zeigte Ritter Rüdiger Oppers, dass er waffengewandt ist. (NRZ)

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